Ausstellungen, Fotografie
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Shooting Girls


Kaum zu glauben, dass in der Zeit von 1860 bis 1938 achtzig Prozent der Fotostudios Wiens in Frauenhand waren. In einer Zeit, in der die Frauen sich vielerorts erst den Zugang zu Bildungseinrichtungen und zur Berufsausübung erkämpfen mussten, erscheint diese Tatsache schon sehr erstaunlich. Erklären lässt sich dies dadurch, dass die gerade erst aufkommende Fotografie noch nicht von Männern dominiert wurde und so vielen Frauen in diesem aufstrebenden Metier Chancen offen standen.

Das Jüdische Museum Wien stellt in einer eindrucksvollen Ausstellung die Arbeiten und Lebensgeschichten von 40 jüdischen Fotografinnen vor. Hier werden nicht nur die Fotokünste dieser Frauen präsentiert, sondern auch ihre Lebensgeschichten aufgezeigt, bis sich nach 1938 viele Spuren der jüdischen Fotografinnen durch die nationalsozialistische Verfolgung und Vertreibung verlieren.

Es ist der Verdienst der Ausstellung und ihrer Kuratorinnen Iris Meder und Andrea Winklbauer, an diese Beiträge zur Kultur der Stadt Wien zu erinnern und die künstlerischen Leistungen und Arbeiten der jüdischen Fotografinnen aus dieser Zeit wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dabei ist es den Kuratorinnen gelungen, einige in der Emigration erfolgreiche Künstlerinnen erstmals mit ihren Arbeiten wieder zurück nach Wien zu holen und von anderen die verloren gegangenen Lebensspuren wieder ausfindig zu machen.

Durch die Qualität, Anzahl und Vielfalt der fotografischen Arbeiten der Frauen wird deutlich, wie prägend der Einfluss dieser Künstlerinnen für Porträt-, Mode-, Tier- und Reportagefotografie in dieser Zeit gewesen ist.

Die Vienna Shooting Girls sind noch bis 03.März 2013 im Jüdischen Museum Wien, Dorotheengasse 11, 1010 Wien zu bewundern.
Ein ausgezeichneter Katalog ist anlässlich der Ausstellung im Metroverlag erschienen.

Link-Tipp: Ausstellung „Shooting Girls“ im Jüdischen Museum Wien

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