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Anständig gehandelt?

Anständig gehandelt?
Seit ich im Haus der Geschichte Baden-Württembergs in Stuttgart die Ausstellung „Anständig gehandelt?“ besucht habe, lassen mich diese Frage und die Geschichten, die in der Ausstellung gezeigt werden, nicht mehr los.

Die Ausstellung zeigt recht unterschiedliche – bekannte und in der breiteren Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannte – Beispiele aktiven Widerstands gegen das NS-Regime in Südwestdeutschland.
Trotz der allgegenwärtigen Propaganda, dem brutalen Terror und der ideologischen Vereinnahmung sämtlicher Lebensbereiche durch die Nationalsozialisten hatten einzelne Bürger und auch organisierte Gruppen aus allen Schichten der Bevölkerung Mut zum Widerstand gegen das Unrecht bewiesen. Für viele der Betroffenen und oft auch für die Angehörigen endete dies mit Ausgrenzung, Verhaftung, Folter und Tod.

In Erinnerung gerufen und gewürdigt werden:
Der Generalstreik von 800 mutigen Bürgern, die Sabotage einer Rundfunkübertragung, der Kampf gegen NS-Symbolen an Kirchen, politische Karikaturen, Schriften- und Informationsschmuggel in die Schweiz, Verweigerung des Treuegelöbnisses auf Adolf Hitler, Protestbriefe, Attentatsversuche, Fluchthilfen, Kriegsdienstverweigerung, Flugblätter, Anschläge, Untergrundzeitung, Proteste gegen die Euthanasie, Verweigerung beim sog. Endkampf,….

Es gab also nicht nur massenhaft Täter, die vielen Denunzianten und Mitläufer, das Wegschauen und Schweigen in Nazi-Deutschland, sondern auch Protest, Verweigerung und Widerstand einer kleinen Minderheit.
Nach dem Krieg wollten alle anständig geblieben oder höchstens harmlose Mitläufer gewesen sein, doch „tatsächlich kann nur anständig bleiben, wer anständig handelt. Und das erfordert immer eine Aktion“, wird der Historiker Fritz Stern in dem hervorragenden Ausstellungskatalog zitiert.

Immer wieder stellte und stelle ich mir selbst die Frage, wie ich mich im totalitären System der NS-Zeit verhalten hätte?
Schon unter den gegebenen Verhältnissen im demokratischen Rechtsstaat habe ich nicht immer den Mund aufgemacht und mich ausreichend engagiert, wenn es galt Freiheit, Frieden und Demokratie gegen Angriffe zu verteidigen.

Zivilcourage ist auch heute gefragt, um sich gegen radikale Gewalttäter, gegen kleines und großes Unrecht, gegen die Aushöhlung des Sozialstaats, gegen die in alle Lebensbereiche eindringende Totalität der Ökonomie und gegen den Raubbau an der Natur zur Wehr zu setzen.

Die Ausstellung macht Angst, aber auch Mut und zeigt, dass handeln immer möglich ist. Sie ist noch bis zum 31.März im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen.

Link Tipp
Ausstellung Anständig gehandelt, Haus der Geschichte

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