Ausstellungen, Fotografie
Kommentare 1

2. Photoweekend Duesseldorf

Ein vielversprechende Gesamtprogramm vom Photoweekend Düsseldorf hat mich an diesem Wochenende von der Schwabenmetropole an den Rhein gelockt. Die im Rahmen des Events auch gezeigten Schauen der bekannten Größen Gursky, Tillmans, Dannemann und auch Bryan Adams standen für mich dabei nicht im Mittelpunkt.
In Düsseldorf haben sich bereits zum zweiten Mal ungefähr 20 Galerien für Kunst und Fotografie, die großen Museen am Rheinufer, verschiedene Kultureinrichtungen und unterstützende Unternehmen zusammen geschlossen, um Düsseldorf als Metropole der künstlerischen Fotografie, aber auch den Kosmos der Bilderwelten in der aktuellen angewandten Fotografie vorzustellen. Da war es kaum möglich an einem Wochenende alle Ausstellungen zu besuchen. Schließlich muss man auch mal eine Pause einlegen und das Gesehene sacken lassen. Der abwechslungsreiche Bummel durch die sehenswerte Stadt lädt ja auch zum Besuch des einen oder anderen guten Cafe´s oder Restaurants ein, zumal wenn man von einem guten alten Freund begleitet wird. Doch konnte ich an den zwei Tagen immerhin weit über die Hälfte des Programms anschauen. Und das, was ich sehen und erfahren durfte, haben meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen.

Die Veranstaltungsorte konzentrierten sich im Wesentlichen auf drei altstadt- bzw. zentrumsnahe Quartiere: rund um den Grabbeplatz mit Kunsthalle, nahegelegenem NRW-Forum und Museumspalast am Ehrenhof, das sehenswerte Carlsplatzviertel sowie der lebendige Stadtteil Flingern. Mein kleines Hotel in der Altstadt war dafür geradezu ideal gelegen, das bis in die Morgenstunden laut und quirlige Partyleben draußen aber nur mit Ohropax zu ertragen. Insgesamt zeigten die Künstlerinnen und Künstler wie angekündigt das breite Spektrum an Themen und kreativen Bearbeitungsformen, wobei der Anspruch nach technischer Perfektion gegenüber der inhaltlichen Aussage und der Ausdrucksstärke der Fotos mehr und mehr aufgegeben wird. Auch vermischen sich bei vielen Künstlern heute immer wieder die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie. Mit den unterschiedlichen Techniken wird mutig gestalterisch in die Fotos eingegriffen, sei es mit dem Pinsel, Farbstiften, der Schere oder dem Messer. Ansätze alter Techniken der Fotografie, wie beispielsweise der Fotomontage, werden mit Verzicht auf die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung wieder neu entdeckt und auch die Fotografie von einigen nur als ein Teil des Gesamtkunstwerks etwa bei der Herstellung einer Skulptur oder einer Performance genutzt.
Bemerkenswert ist auch, dass die Künstler nicht im Sinne des früheren Verständnisses von „Fotografie als Waffe“ explizit um politische Aussagen bemüht sind, dennoch aber vielfach brisante aktuelle gesellschaftspolitische Themen in den Blick nehmen, um sie künstlerisch zu bearbeiten.
Mary A. Kellings Serie „Landing“ in der Galerie Voss gewährt mit ihren großformatigen Fotografien und immer gleichem Bildkompositionen Einblicke in die Gefängniszellen einer Haftanstalt und zeigt wie die einzelnen Häftlinge ihr „zu Hause“ mit den spärlichsten Mitteln einigermassen persönlich zu gestalten versuchen. Man fragt sich da schon, ob diese Haftbedingungen nicht per se den Grundsätzen von Human Rights widersprechen und damit allen Resozialisierungszielen Hohn sprechen.
Die junge, in Düsseldorf ausgebildete Fotokünstlerin Anna Vogel und die renommierte australische Fotografin Rosemary Laing, Galerie Conrads setzen sich in ihren sehr unterschiedlichen Fotoarbeiten mit dem Thema Mensch und Natur auseinander und lösen beim Betrachter kritische Reflexionen aus.
Wiederum auf ganz andere Weise nähert sich der belgische Künstler Jasper der Beijer mit seiner Arbeit „Marabuntu“, TZR Galerie Kai Brückner der Subkultur von Drogenkartellen in Lateinamerika, indem er die Aufmerksamkeit des Betrachters mit einer bunter Farbenpracht anzieht und gleichzeitig durch Details irritiert.

Eine besondere Freude war es, mit welch einladender Haltung die Galeristen die Besucher begrüßten, wie freundlich sie selbst mich als kunsthistorisch wenig gebildeten Fotoliebhaber an die ausgestellten Arbeiten heranführten und wie engagiert und geduldig sie die Fragen zu den Künstlerinnen und Künstlern beantworteten. So kam ich in den Genuss von einigen kleinen aber feinen Privatführungen.

Nach all den vielen fast persönlichen Galeriebesuchen habe ich dann doch noch den Weg ins NRW Forum zum Photobook Salon und zu Bryan Adams Fotografien gefunden.
Den Book Salon fand ich in seiner Fülle zu überladen. Schade, dass sich nur wenige Fotobuchmacher auf einige, für sie typische Exemplare beschränkt haben. Hier wäre ein weniger in Zukunft auf jeden Fall mehr.
Nun gut, Bryan Adams perfekte Promi Fotos gibt es so oder so ähnlich auch von anderen Promifotografen und sie finden sich in einschlägigen Fashion-, Lifestyle- oder Musikmagazinen. Bei allem fotografischen Blick, den Bryan Adams mit diesen Bildern unter Beweis stellt, haben sie mich von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B. die Fotos von Danny Trejo) nicht besonders begeistern können. Wohingegen seine Aufnahmen der jungen britischen Kriegsinvaliden nicht nur sein fotografisches Talent, sondern in besonderer Weise auch seine Empathie mit den geschundenen Kriegsversehrten zum Ausdruck bringen. Dass und wie diese Bilder hier gezeigt werden, finde ich sehr gut, denn Bryan Adams stellt keine Krüppel zur Schau. Er zeigt auch hier wie bei seinen Promi-Bildern Persönlichkeiten mit den Spuren, die das Leben in Körper und Seele hinterlassen haben.

Ein großes Lob den Initiatoren und allen Machern vom Photoweekend für die gelungenen Veranstaltungen.
Link Tipp
Photoweekend

1 Kommentare

  1. Pingback: 3. Photoweekend Düsseldorf | Theos Life

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.