Ausstellungen, Fotografie
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Über Grenzen

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„Über Grenzen“ – so der Titel einer Ausstellung von 18 Fotografinnen und Fotografen der Berliner Agentur OSTKREUZ, vom 17. Mai bis 11. August 2013 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden.

Die beeindruckende Fotoschau thematisiert die Grenzen der Gegenwart in Europa, Afrika, Asien und Amerika. Alle Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich in ihren Projekten auf sehr unterschiedliche Weise damit, welche Erfahrungen die Menschen machen und wie sie ihr Leben gestalten, wenn sie im Umfeld von Grenzen leben. Vor allem wollen sie aber mit ihren Arbeiten auf die Grenzkonflikte und die Verantwortung der Menschen füreinander hinweisen.

Mit Bildern aus dem Südsudan erzählt Espen Eichhöfer wie sich dort nach einem Vierteljahrhundert Bürgerkrieg der Süden abspaltet und „ein Staat entsteht“. Das Foto auf dem Plakat der Ausstellung zeigt die neue Nationalgarde Südsudans: Soldaten in roten Uniformen „schnurgerade“ in Reihe an einer sichtbaren Schnur zu ihren Füßen.

Mich hat die Arbeit von Anne Schönharting über die immer noch notwendigen (?) Absperrungen zwischen den katholischen und evangelischen Wohngebieten im nordirischen Belfast sehr berührt, vor allem die Bilder der spielenden Kinder und Jugendlichen zwischen den hohen Mauern. Sie kennen es nicht anders. Diese sogenannten Friedenslinien gibt es seit über vierzig Jahren.

Auch die Fotos aus der Arbeit von Annette Hausschild („Hit the Road Jack“) haben sich mir eingeprägt. Sie zeigen das Schicksal und das Leid der Roma. Eine Minderheit , die immer noch in vielen Ländern Europas vertrieben, umgesiedelt und in Ghettos gepfercht wird.

Als weiteres Beispiel eines alten Konfliktes, der für die Menschen diesseits und jenseits der Grenze bittere Realität bleibt, berichtet Jörg Brüggemann in seiner Arbeit „Visit Korea“ von der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea.

Die anderen Arbeiten dokumentieren ebenfalls mit teilweise bedrückenden Fotos Grenzen und was wir uns selbst und anderen Menschen damit antun.

Im Bestreben dazuzugehören, dem Wunsch nach einem Wir-Gefühl – zur Gruppe, zum Verein, zur Nation, …. entwickeln wir unsere Vorstellungen und Überzeugungen zur Stärkung der eigenen Identität. Immer wieder erlebe ich aber, dass „eigene“ Vorstellungen sich lediglich auf die Ablehnung des jeweiligen Anderen beschränken.
Grenzen können Sicherheit und Identität vermitteln und vielfach ein friedliches Miteinander erst ermöglichen. Grenzen werden aber dann zu Mauern, wenn nur noch die Unterschiede betont werden und die Gemeinsamkeiten nicht mehr wichtig sind.

Auch wenn die in der Ausstellung gezeigten Grenzen hauptsächlich den gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Zustand der Welt spiegeln, regen sie doch auch zum Nachdenken an über Grenzen und Mauern in unseren eigenen Köpfen.

Tipp:
Im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern ist der sehr gute Ausstellungskatalog erschienen.

3 Kommentare

  1. Lieber Reinhold, danke für deine Eindrücke zu dieser wirklich beeindruckenden Fotoausstellung,. Ich habe die Werke in Berlin gesehen – und war ebenfalls sehr bewegt und beeindruckt von den vielen verschiedenen Geschichten, die zu dem einen Thema erzählt werden. Auch eine tolle Inspirationsquelle. Danke!

    • Theo sagt

      liebe Tina, ja, Dir habe ich ja auch den Hinweis auf die weitere Station der Ausstellung in Dresden zu verdanken. Nachdem ich im tollen Ausstellungskatalog nun Einiges über die persönlichen Erfahrungen der FotografInnen und die Geschichten von den nicht immer einfachen Umständen bei der Realisierung der Projekte gelesen habe, bin ich noch mehr beeindruckt.

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