Ausstellungen, Fotografie
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Die Alpen und die Fotografie

Fotos von den Alpen hat schon jeder tausendfach gesehen. Postkarten, Kalender und Bücher in großer Zahl zeigen Fotos von den Alpen, wie wir sie als Touristen gerne sehen wollen – die Berge als Paradies für Wanderer, Bergsteiger und Mountainbiker.
Die Fotografie hat die Alpen eben in jener Zeit entdeckt, als dieses Gebirge von den Pionieren des Alpinismus erobert wurde. Heute sorgt der Tourismus mit seinen Werbefotos für die Wahrung unserer Alpenbilder-Klischees.

Eine Ausstellung der Galerie Stihl in der Stadt Waiblingen vor den Toren Stuttgarts befasst sich mit der künstlerischen Fotografie der Alpen „Jenseits der Ansichtskarte“ von den Anfängen bis heute. Es ist eine bemerkenswerte Fotoschau mit 120 Exponaten, die sowohl den Bergfreund anspricht wie auch den Fotokunstliebhaber. Sie zeigt einmalige historische Aufnahmen der ersten AlpenfotografInnen, vor allem jedoch die Auseinandersetzung zeitgenössischer KünstlerInnen mit den Alpen in ihrer ganzen Vielfalt und gliedert sie in die Schwerpunkte:
Erhabenheit und Monumentalität, Mystisches, Wahrnehmung und Realität, Eingriffe des Menschen, Tourismus und Ironisches und (Un)Spektakuläre Schönheit.

Die großformatigen Bilder bekannter Fotokünstler wie Andreas Gursky, Axel Hütte und Joel Tettamanti sind vertreten. Aber auch eindrucksvolle Arbeiten von Künstlerinnen, die einer breiteren Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind, deren Alpenbilder und ihre Auseinandersetzung mit den Alpen das Spektrum der Alpenfotografie jedoch um weitere Facetten bereichern.

Insgesamt gelingt Ingrid Sybille-Hoffmann und Zara Reckermann mit dieser Bilderschau ein großer Wurf der Alpenfotografie, der für die junge Galerie Stihl vielleicht der Beginn einer Serie weiterer feiner Fotokunstschauen bilden wird.

Der Ausstellungskatalog (Hirmer Verlag) ist ebenso hervorragend und bietet mit der Einführung der Ausstellungsmacherinnen, dem geopolitischen Aufsatz des Alpenwissenschaftlers Prof.Werner Bätzing (Universität Erlangen) über die „Stellung der Alpen im vereinten und globalisierten Europa“ und den Beiträgen von Valérie Hammerbacher „Sehnsucht nach Überwältigung – Erhabene Landschaften“ und von Mathias Arnold über die „Alpine Landschaft in der zeitgenössischen Fotografie“ einen guten und soliden Hintergrund für die weitere Auseinandersetzung mit der gezeigten fotobildnerischen Kunst über die Alpen und dem eigenem Bild von den Alpen.

Die von der Galerie Stihl konzipierte und für dieses junge Museum erste Fotoausstellung wurde in Kooperation mit dem Museum Vorarlberg realisiert. Sie läuft bis 6.Januar 2014 und wird anschließend noch in Vorarlberg zu sehen sein.
Link:
Galerie Stihl

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