Kultur, Natur
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H.M.Enzensberger – Lob auf den Botanischen Garten

Hans Magnus Enzensberger hat in seinem jüngsten Büchlein „Herrn Zetts Betrachtungen“ eine für die heutige Zeit etwas skurrile Figur geschaffen.

Herr Zett sitzt gelassen in einer ruhigen Ecke des Parks auf der Bank und hängt seinen Gedanken nach. Es gibt Passanten, die an diesem Sonderling kopfschüttelnd vorbei gehen, aber auch einige wenige, die sich zu ihm gesellen, Fragen stellen, Stellung nehmen und so kleine Diskussionen in Gang bringen.

Auf den Botanischen Garten kommt Her Zett immer wieder zu sprechen.

„Einen luxuriöseren Aufenthalt als den Botanischen Garten kann ich mir nicht vorstellen. Hier können Sie zwischen allen Klimaten der Erde wählen, vom tropischen Regenwald bis zur arktischen Tundra. Zu heiß, zu feucht, zu trocken, zu schwül oder zu frostig? Sie brauchen in den Glashäusern nur eine kleine Tür zu öffnen, um zu finden, was Sie wünschen. Im Freien haben Sie die Wahl zwischen Farnen und Schlingpflanzen, winzigen Orchideen und riesenhaften Sequois. Die Formenvielfalt ist betäubend. Kein Museum der Welt hat mehr zu bieten.“

Überhaupt herrsche im Botanischen Garten eine biblische Stille. Er sei nie überfüllt. Gewiß diene er auch der Belehrung, vielleicht sogar der Pädagogik, aber vor allem sei er ein Zufluchtsort, an dem sich Arme und Reiche, Gläubige und Ungläubige, Zyniker und Naive gleichermaßen ihrer Phantasie hingeben könnten.“

Sehr zu empfehlen:
Herrn Zetts Betrachtungen oder Brosamen, die er fallen liess, aufgelesen von seinen Zuhörern, Suhrkamp Verlag, Berlin 2013

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