Ausstellungen, Gesellschaft
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RAF Aufarbeitung

Mehr als 40 Jahre sind vergangen, seit die Rote Armee Fraktion damit begonnen hatte, den Staat mit ihren Gewaltaktionen heraus zu fordern. Vor 15 Jahren verkündete die RAF ihre Auflösung. Die Aufarbeitungen sind noch nicht abgeschlossen, viele Wunden nicht verheilt. Die nach Jahrzehnten wieder aufgenommenen Verfahren der Strafverfolgung gegen einzelne ehemalige RAF Mitglieder in den letzten Jahren haben die Geschehnisse von damals wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt.

Innerhalb eines Jahres thematisieren nun zwei grosse Ausstellungen in Stuttgart dieses Kapitel in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, von dem noch vieles im Dunkeln liegt.

In der Ausstellung „Stuttgart Stammheim“ im Kunstmuseum Stuttgart stand für den Fotokünstler Andreas Magdanz die Frage im Mittelpunkt, inwieweit dieser sichtbare Ort kollektives Gedächtnis und gesellschaftliche Praxis in sich trägt. Er fotografierte mehrere Monate die Justizvollzugsanstalt Stammheim, die zum Synonym für die Haftbedingungen und den Strafprozess gegen die Mitglieder der RAF Fraktion wurde.

Das Haus der Geschichte Baden-Württembergs will mit der Sonderausstellung „RAF Terror im Südwesten“ und einem umfangreichen Begleitprogramm die Geschehnisse aus den 70 ger Jahren aufarbeiten.

Die Ausstellung dokumentiert multimedial die damaligen Ereignisse und vermittelt den Jüngeren und den Zeitzeugen, was geschehen ist. Dabei gelingt es aus meiner Sicht jedoch nicht, ein Gefühl für das tatsächliche Klima der Gewalt in diesen Jahren zu vermitteln. Auch bleiben die Hintergründe der RAF und die Milieus, aus denen sich die Mitglieder und Sympathisanten der RAF rekrutierten im Unklaren, ebenso sind die Überreaktionen des staatlichen Gewaltapparates und die Auswirkungen auf die Gesellschaft nicht angemessen ausgeleuchtet worden.

Mehr beeindruckt als die Ausstellung hat mich dagegen ein vom Kurator Rainer Schimpf begleiteter Stadtspaziergang an einzelne Orte, an denen Mitglieder der RAF gelebt bzw. gearbeitet haben sollen. Zu Beginn seiner Erläuterungen wies er nachdrücklich darauf hin, dass vieles vermutet, aber nicht belegt ist, was bei den teilweise konspirativen Orten auch nicht verwundert.

Noch mehr berührt hat mich ein Buch zur Aufarbeitung aus dem Jahr 2004, auf das ich im Buchshop des Hauses der Geschichte gestossen bin.

In „Eine Bombe für die RAF“ berichtet die Mutter Ulrike Thimme sehr klar und einfühlsam über das Leben und Sterben ihres Sohnes Johannes Thimme, der in das Umfeld der RAF geraten ist und im Januar 1985 beim Versuch eine Bombe in einem Rechenzentrum in Stuttgart-Möhringen zu zünden, getötet wurde.

Aus meiner Sicht eignet sich dieses Buch (Neuauflage Lindemanns Bibliothek, Stuttgart 2013) über das Schicksal eines sensiblen jungen Menschen aus dem Umfeld der RAF und seiner Familie sehr gut, die tatsächliche Gefühlslagen jener Zeit nachvollziehen zu können und die Gewalttaten einzuordnen . Sehr empfehlenswert!

Die Ausstellung im Haus der Geschichte Stuttgart läuft noch bis zum 23.02.2014.
RAF-Terror im Südwesten

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