Ausstellungen, Gesellschaft
Schreibe einen Kommentar

Deutscher Herbst

Ist die Geschichte der RAF auserzählt, wie der Regisseur des Films „Todesspiel“ Heinrich Breloer meint, oder steht die Aufarbeitung wichtiger Aspekte dieses dunklen Teils der Deutschen Geschichte noch aus, so die Position des Zeitzeugen und Filmregisseurs von „Deutschland im Herbst“ Volker Schlöndorff – beide zu Gast in Stuttgart im Rahmen der Ausstellung „RAF- Terror im Südwesten“.

Heinrich Breloer kam zur Vorführung seines Doku-Dramas „Todesspiel“ aus dem Jahr 1997 über die Gefangennahme des Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer und der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut.
Er beschreibt die von ihm entwickelte und hier angewendete Technik des Doku-Dramas, einer Collage aus Dokumentationsfilm-Ausschnitten, Interviews mit Zeitzeugen und inszenierten szenischen Material. So gelingt ihm zweifellos ein spannender und informativer Film. Stark fand ich z.B. die Interviews mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem ehemaligen Innenminister Friedrichs. Für sie war von Anfang an klar, dass für die Wahrung der Staatsräson selbst der Arbeitgeberpräsident geopfert werden muss.

Irritierend wirkte auf mich allerdings, wie eindeutig für Breloer die Dokumente und Fakten zu sein schienen, die ihm zur Verfügung standen. Widersprüche, z.B. über die Umstände des Todes der Terroristen in Stammheim wischt er in der Diskussion mit dem Publikum als Mythen vom Tisch, und geradezu abfällig äußerte er sich darüber, wie die Häftlinge ihre Zellen in Stammheim hinterließen.
Hier wäre eine etwas kritischere Betrachtung der Umstände so wie des verwendeten historischen Materials wünschenswert. Ebenso kamen in seiner Sichtweise und in seinem Film die gesellschaftlichen Hintergründe der Ereignisse von damals viel zu kurz.

Für Volker Schlöndorff, der sich gemeinsam mit anderen Kollegen 1977 unmittelbar nach den dramatischen Ereignissen mit dem Film „Deutschland im Herbst“ spontan eingemischt hat, besteht heute durchaus noch Bedarf für Auseinandersetzung, Aufarbeitung und Erinnerung.

Auch er reiste zur Filmvorführung von „Deutschland im Herbst“ an und ist heute noch tief berührt von den traurigen Umständen der Beerdigung von Baader, Ensslin und Raspe auf dem Stuttgarter Dornhaldenfriedhof. Er sieht die RAF Geschichte in weitaus größeren historischen Zusammenhängen als nur als Teil der Geschichte der jungen BRD und schlug den Bogen über die Weltkriegsgeschichte bis hin zu deutschen Widerstandskämpfern in früheren Jahrhunderten. Auch sieht er hinter den politisch motivierten Aktionen der Gruppe die persönlichen Geschichten der einzelnen Terroristen, z.B. deren Verstrickung in familiengeschichtlichen Konflikten.
Volker Schlöndorff lässt jedoch trotz aller Sympathie für die ursprünglichen gesellschaftskritischen Ziele der jungen Linken keinen Zweifel an der Ablehnung der RAF-Gewaltakte.

Auf die Frage nach wesentlichen gesellschaftlichen Veränderungen seit den Siebziger Jahren in Deutschland, beklagte er vor allem den Sieg der Effizienz gegenüber jeglicher Art von Utopie und Idealismus. Fast trotzig betont Volker Schlöndorff dann bevor er sich unter großem Applaus verabschiedet, die Hoffnung und die Sehnsucht nach Idealen und anderen Werten werde er aber nicht aufgegeben.

RAF – Terror im Südwesten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.