Ausstellungen, Fotografie
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Photo 14 Zürich

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Zurück von der grossen Fotowerkschau Photo 14 in Zürich, lasse ich die Eindrücke noch einmal Revue passieren.

Von Vorteil war, dass ich am Freitag recht früh da war und gleich nach der Eröffnung die Fotos ungestört anschauen konnte. Denn als ich nach einer Pause am späten Nachmittag noch einmal zurück kam, war es in der Ausstellungshalle voll und laut – und ein ruhiges Betrachten der Arbeiten kaum mehr möglich. Man sollte sich für diesen Fotomarathon schon etwas Zeit nehmen, denn in einem Durchgang sind die Projekte von 125 Fotoschaffenden kaum zu bewältigen.

Was ist mir aufgefallen?
Nun, nicht alle Arbeiten zeichnen sich durch besondere Originalität aus. Manches kommt einem bekannt vor, und dann sieht man auch Projektideen, die direkt abgekupfert zu sein scheinen. So sind die einsamen Tankstellen in der weiten Landschaft Islands von Ralph Dinkel schon einmal, und wie ich finde in besserem Licht, von dem isländischen Fotografen Sigurtor Halbjörnsson – alias Spessi- fotografiert und in verschiedenen Ausstellungen und einem schönen Fotobuch gezeigt worden.
Auch die Modeaufnahmen schöner Frauen von Christoph Köstlin vor den abgestorbenen Akazienbäumen in Deadvlei der Namib-Wüste glaubt man schon einmal vor dieser gewiss beeindruckenden Kulisse gesehen zu haben.

Anders verhält es sich für mich mit den Aufnahmen von Christian Bobst im Township von Namibias Hauptstadt Windhoek.
Seine Bilder über das Engagement eines alten Pfarrers für die vielen allein gelassenen Frauen dort, sprechen mich in ihrer Intimität und Direktheit unmittelbar an. Vom Elend in den Townships Afrikas hat man auch schon viele Bilder gesehen. Bei Christian Bobst Aufnahmen spürt man jedoch, das er sich offenbar ein Stück weit auf die Menschen und ihr Schicksal eingelassen hat, sofern dies überhaupt im Rahmen eines Fotoprojekts möglich ist.

Eigenwillig gerahmt
Allein schon mit der eigenwilligen Rahmung im Hinterfenster des legendären Renault R4 treten die Bilder von Sandra de Keller aus der Masse hervor -nicht nur aufgrund der Idee, diesem Kultauto aus den 60iger und 70iger Jahren wieder eine Bühne zu bereiten. Auch die Fotos in den R4 Fenstern haben Charme und Witz.

Andere Arbeiten, etwa die von Patrick Rohr, in der zwei Freunde durch eine lange Ausgehnacht begleitet und fotografiert werden, finde ich von der Idee her durchaus interessant, wenngleich die Umsetzung mich weniger überzeugt.

Hervorzuheben aus der Fülle sind für mich auch so unterschiedliche Arbeiten, wie

  • „Zwischen Blut und Arena“ von Nicolino Sapio, der dem Stierkampf sehr kritisch gegenüber steht, und die Stierkadaver nach dem Abschlachten in drastischen Bildern darstellt,
  • Christoph Läser mit seinem Großaufnahmen vom Filter-Kaffee-Machen,
  • Marc Schürmann, zeigt Menschen ganz nah an der Klagemauer in Jerusalem,
  • Jürgen Birchlers wunderschöne grossformatige Blumenfotos vor schwarzem Hintergrund,
  • Bruno Kuster und Lucia Frey mit Aufnahmen von den gewaltigen Staudamm-Verbauungen in den Alpen,
  • Balz Kubli mit Landschaften und Portraits aus Afghanistan und
  • Samuel Trümpy mit dem Langzeitportrait von einem Bergbauern auf seinem Hof auf 1100 m Höhe.

Peter Lindbergh zu Gast
Das mit einigen Videos aus seiner Arbeit illustrierte, angenehm entspannte Gespräch von Prof. Klaus Honnef mit dem „Starfotografen“ Peter Lindbergh über seine Arbeit als Modefotograf und über ganz andersartige aktuelle Projekte mit Strafgefangenen beim Forum am Abend, waren dann ein schöner Abschluss des anstrengenden, aber sehr inspirierenden Besuches der photo 14 in Zürich.

Die Fotoschau läuft noch bis Di, 14. Januar. Nähere Informationen zur Photo 14 und weitere Reaktionen bei fotointern.ch

Der Bericht über die Fotoschau Zürich 2013 hier:
Photo 13 Zürich

5 Kommentare

  1. Lieber Reinhold, vielen Dank für diesen ausführlichen und persönlichen Bericht aus Zürich, mit vielen tollen Tipps von Fotoprojekten. Dankeschön!

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