Ausstellungen, Fotografie
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Wozu Bilder?

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Eine Welt ohne Bilder – für uns heute undenkbar?

Bilder strömen tausendfach auf uns ein. Die Erfindungen von Fotografie und der technischen Vervielfältigung von Bildern waren die Voraussetzungen für eine rasante Verbreitung von Bildern. Durch die modernen Massenmedien und die überall jederzeit verfügbaren digitalen Bilderwelten kann heute keiner mehr dem millionenfachen Bilderrauschen entfliehen.

Wozu das alles – wozu Bilder?

Ein Seminarprojekt der Universität Konstanz unter der Leitung von Prof.Bernd Stiegler und Prof. Felix Thürlemann ging dieser Frage akribisch nach und verfolgte die Fotografie und ihre mannigfaltigen Anwendungsgebiete von den Anfängen bis heute. Zu sehen sind die Ergebnisse derzeit in einer aufschlussreichen Bilderschau in Esslingen und nachzulesen in einem umfangreichen, sehr gut illustrierten Katalog, erschienen im Snoeck Verlag Köln.

Die Ausstellung „Wozu Bilder?- Gebrauchsweisen der Fotografie“ in der Villa Merkel – Galerie der Stadt Esslingen zeigt uns noch bis 16. Februar 2014 mit über 400 Aufnahmen die unterschiedlichen Anwendungsbereiche in der Geschichte der Fotografie.

Die recht pragmatische Heransgehensweise im Rahmen dieses Projekt versucht zunächst die Fülle des Materials nach Abbildungsbereichen zu ordnen: Bilder der Welt, des Menschen, der Gemeinschaft, der Natur, der Tiere, der Zeit, von Gedanken, Dingen und Räumen,…
Dann wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionsweisen ausgemacht: portraitieren, erinnern, betrauern, verehren, identifizieren, spionieren, fichieren, identifizieren, …

Strukturierung des Materials
Diese Ordnung ermöglicht dem Betrachter eine erste Orientierung. Ein tieferes Verständnis des Gezeigten hat sich für mich aber erst beim geführten Gang durch die Ausstellung ergeben. Es bedarf schon einiger Kenntnisse aus der Kunst-und Fotografiegeschichte sowie über die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen jener Zeit, um die Entstehungsgeschichte und Gebrauchsweise der Bilder zu verstehen. Unser Begleiter wusste dies spannend zu vermitteln und auch einige nette Anekdoten zu erzählen.

Geschichte und Geschichten
Wir konnten z.B.erfahren, dass die Fotografie einer der wenigen technischen Erfindungen war, die fast zeitgleich von vier verschiedenen Tüftlern entwickelt wurde. Dabei erwies sich der Unbekannteste unter ihnen, ein französischer Finanzbeamter, als Kreativster im Umgang mit dem neuen Medium. Da er nicht wie die anderen vom Ruhm und vom Geld der Erfindung profitieren konnte, hatte er sich quasi selbst „beerdigt“ und als Fluss-Leiche abgelichtet.

Beispiele des Gebrauchs
Eine in früheren Zeiten durchaus übliche Gebrauchsweise war es, zur Erinnerung ein Foto von Verstorbenen zu machen, und – als dies dann verboten wurde -, lichtete man die noch Lebenden als Leiche dargestellt ab.
Ein Bild von sich selbst – das Portrait – war eine der ersten großen Anwendungsgebiete und brachte die zuvor für diesen Gebrauch verantwortlichen Porträtmaler in Bedrängnis. Die technische Idee schließlich, auf einem Abzug ein und dasselbe Protrait-Foto mehrfach in kleinem Format abzubilden, ermöglichte den Durchbruch und wirtschaftlichen Erfolg des Fotos als Visitenkarte für jedermann.

Von Anfang an Werbung, Werbung, Werbung
So war der Gebrauch der Fotografie für Werbung in eigener Sache oder als Werbung für Dinge und Sachen von den Anfängen bis heute ein wesentliches Anwendungsgebiet und ein Motor für die Weiterentwicklung und Verbreitung der Fotografie.

In der umfangreichen Bilderschau sind auch frühe Formen von Sofortbildern auf Metallstückchen zu sehen, die auf Jahrmärkten hergestellt wurden. Als Passfotos aus öffentlichen Bild-Automaten und mit den verbreiteten Polaroidkameras hatte die Erfindung von Sofortbildern später eine große Erfolgsgeschichte geschrieben.

Die Ausstellung in der herrschaftlichen Villa Merkel bietet eine spannende Reise entlang dieser und vieler weiterer Gebrauchsweisen der Fotografie und regt die Phantasie an, neue Anwendungsgebiete zu ersinnen.

Die Praxis der Fotografie lebt, auch jenseits der künstlerischen Fotografie.

Link-Tipps
Villa Merkel
Uni Konstanz

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