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Leben in der Stadt und die Kunst, zu Hause zu sein

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Ich bin ein Stadtmensch. Mein ganzes Leben habe ich in Städten verbracht. Auch jetzt im Ruhestand zieht es mich immer noch nicht hinaus aufs Land.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Der Trend zum Leben in der Stadt hält weltweit weiter an. Auch in Deutschland kehren die Menschen wieder in die Städte zurück, nach jahrelangem Trend raus ins Umland.
Warum bleibe ich in der Stadt, wo doch mit Feinstaub, Dreck und Lärm hochbelastet, überall Hektik herrscht und die Straßen verstopft sind. Zudem noch extrem überteuerte Wohnungen, und sonst Etliches, was mich stört …
Trotz allem, ich lebe gerne in der Stadt, mag das urbane Leben und möchte an keinem anderen Ort leben.

Ein fast 50 Jahre altes Büchlein aus dem Suhrkamp Verlag zum Thema finde ich immer noch aktuell.

Alexander Mitscherlich, Die Unwirtlichkeit unserer Städte. Anstiftung zum Unfrieden

Alexander Mitscherlich hatte in seiner Vorbemerkung zur Erstauflage 1965 beruhigt, dass es nach der Lektüre keine Revolution in Deutschland geben wird,  „die Seiten werden vergilben  wie Manifeste und Pamphlete vor diesen“. Den Umsturz gab es nicht, aber sein Pamphlet hat es immerhin schon bis zur 27. Auflage gebracht.

Mitscherlich beschreibt die Unwirtlichkeit der Städte nach der Zerstörung durch den Krieg und der vertanen Chance einer bewusst gestalteten Stadtlandschaft:
in Funktionbereiche zergliedert, monotone Beton-Wüsten, ohne identitätsstiftende Architektur, kein Herz und Gesicht, landschaftszerstörendes Ausfransen an der Peripherie,…
Er vermisst die Psychotope ,die seelischen Ruhepunkte in den Städten, mit denen die Stadt unverwechselbar ist und als gestaltete Stadt „Heimat“ werden kann, ein Ort an dem man gerne zu Hause ist.
Im Kern sind seine Thesen „radikal“. Mitscherlich redet nicht lange um den Brei herum. Er benennt das Tabu klar: es sind die privaten Besitzverhältnisse an Grund und Boden. Ohne Klärung der Bodenfrage  gibt es keinen Wandel in der Stadtplanung und keine Lösung der Wohnungsfrage. Und weiter – keine Partei, keine der gesetzgebenden Körperschaften wird an diesem Tabu, dem Privatbesitz rühren.
Dann also Anstiftung zum Unfrieden:
Erst eine genau bezeichnete Unzufriedenheit der ausgebeuteten Besiedler der Städte könne eine Änderung erzwingen.

Unfrieden drückt sich immer wieder auch in verschiedenen Formen des Protests aus, wie z.B. bei Stuttgart 21

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