Kultur
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Was ist Heimat?

Was ist Heimat? – Auf diese Frage versucht die 2. Staffel der Doknight im Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart mit drei Filmen eine Antwort zu geben.
Zum Start gestern “ Heimat ist Arbeit“, ein Jahrzehnte verschollener Dokumentarfilm von Bernhard Redetzki aus dem Jahr 1949 mit dem populären Schauspieler Walter Schultheiß in seiner ersten Filmrolle.
Als special guests waren der Volksschauspieler Walter Schultheiß und Dr. Mathias Beer vom Donauschwäbischen Institut in Tübingen anwesend, um nach der Vorführung mit den Besuchern über den Film und die Hintergründe zu sprechen. Für die Dreharbeiten einer Sendung zum 90.Geburtstag von Walter Schultheiß am 24.Mai war auch ein Filmteam vom SWR da.

Noch etwas am Schnaufen nach dem StäffelesLauf vom Marienplatz hinauf, schmückt eine bunte Lichterkette freundlich den Eingang der alten Villa in der Mörikestrasse 19 und lädt die Besucher zur Doknight ein. Die sympathischen Mitarbeiterinnen empfangen die Gäste herzlich und bieten Getränke an. Der kleine Vorführraum ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung – Licht aus und Film ab – es geht los!

Die Botschaft des Films kommt bereits im Titel zum Ausdruck: Heimat ist da, wo Arbeit ist. Der im Auftrag der amerikanischen Besatzungsmacht gedrehte Film zeigt die Situation der Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, wie sie nach ihren Angehörigen und Beschäftigung Ausschau halten, oft in Lagern unterkommen, ein erstes Dach über den Kopf finden und dann wieder versuchen, eine Perspektive in der neuen Heimat aufzubauen.
Dem Auftraggeber geschuldet ist dieser mühsame Weg von 6 Millionen Flüchtlingen im Film an Einzelschicksalen recht idealistisch dargestellt. Sowohl die gezeigte Arbeitswelt, wie auch das private Leben – im Film voller Optimums und Erfolg, während die Wirklichkeit tatsächlich viel mühsamer und härter gewesen ist.

Selbst ein Kind von Heimatvertriebenen, habe ich sogar die Fünfziger Jahre in Stuttgart noch als sehr entbehrungsreich für uns Kinder und die Eltern in Erinnerung.

Walter Schultheiß berichtet dann recht unterhaltsam über die Bedingungen beim Dreh mit den bescheidenen technischen Möglichkeiten von damals. Er verschweigt nicht, dass für ihn in der Zeit die Hintergründe des Films recht umbedeutsam waren und er sich – so kurz nach dem Krieg – erst einmal ganz auf sein erstes Engagement beim Film und die Rolle konzentriert hat. Die Premiere im Metropol Filmpalast in Stuttgart hat er noch sehr gut in Erinnerung.

BRD immer schon Einwanderungsland
Die Ausführungen von Dr. Beer über die gesellschaftliche Situation der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen waren für mich ausserordentlich aufschlussreich für das Verständnis des Filminhalts und vor allem für die Einordnung des Films in den Kontext der Zeit.
Sehr positiv fand ich, dass Dr.Beer einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingsdebatte herstellt und deutlich macht, dass Deutschland schon gleich nach dem Krieg ein Einwanderungsland in heute kaum noch vorstellbaren Dimensionen war. Danach wurden die „Gastarbeiter“ angeworben. Das große Kapital der Flüchtlinge wie der Gastarbeiter, ihre Arbeitskraft, war eine wesentliche Voraussetzung für den Wiederaufbau und das deutsche Wirtschaftswunder.
Diese Erfolgsgeschichte könnte doch zum Perspektivenwechsel in der heutigen Flüchtlings-und Asylpolitik beitragen!

Die nächste Doknight zum Thema bringt am 20.Februar, 19.00 Uhr „Sound of Heimat“, ein Dokumentarfilm von Arne Birkenstock und Jan Dengele auf die Leinwand im Haus des Dokumentarfilms Stuttgart.

siehe auch www.doknight.de

Mein Blog Artikel zur 1.Doknight Staffel zum Thema „Berge“ hier

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