Ausstellungen, Fotografie, Kultur
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Das Fenster im Blick

Beim Photoweekend Düsseldorf habe ich die Fotografien der hervorragenden Ausstellung „Heimat“ aus der Kunstsammlung der DZ Bank aus Frankfurt bewundert. Da wollte ich nun mehr über das Engagement der DZ Bank im Bereich Kunst und Fotografie erfahren. Also auf nach Frankfurt und das ART Foyer der DZ Bank am Platz der Republik mit der aktuellen Ausstellung „Das Fenster im Blick“ besucht.

Der erste Blick aus dem Zugfenster am frühen Morgen lässt bereits die Skyline der Bankentürme erkennen und die DZ Bank ist nur eine Tramhaltestelle vom Hauptbahnhof entfernt. Tatsächlich hat sich das ART Foyer der Bank mit dieser Ausstellung zum Air Foyer verwandelt, wie in einer kleinen, aber feinen, kostenlosen Broschüre zur Ausstellung zu lesen ist: „..Überall befinden sich Öffnungen und Schlitze, Schneisen und Löcher, Ritzen, Rahmen und Panoramen, die den Betrachterblick nach draußen oder drinnen ziehen.“
Die Ausstellung will zu diesem „alten Verhältnis“ moderne Positionen präsentieren und wählt dazu 35 Konzeptkunst-Arbeiten von 21 FotokünstlerInnen aus, u.a. Robert Mapplethorpe, Barbara Klemm, Colby Bird, Barbara Probst, Jörg Sasse, Alex Hartley, Andrej Krementschouk, …..

Bei einem ersten Rundgang wurde mein Blick zunächst auf die Fensterarbeiten-Serie von Christian Andrea Samaras gelenkt, der die Fenster von Ateliers der Düsseldorfer Kunstakademie aufgenommen hat. Sie zeigen nicht die Künstler, die in den Ateliers wirken, auch nicht die Ausblicke vom Fenster, sondern die Gestalt und Struktur der Fenster in den hohen und voll mit Arbeitsmaterialien der Künstler ausgestatteten Ateliers.
Als ich kürzlich in Düsseldorf war und die Akademie von außen bewusst betrachtet hatte, war ich schon erstaunt, dass alle 6 dargestellte Fenster – von innen betrachtet – ganz verschiedene Fensterformen aufweisen, wo ich -von außen betrachtet- keinerlei Unterschiede der Fensterformen wahrgenommen hatte.

Hochinteressant, aber auch schwer zu verstehen ist für mich die Arbeit „Totale Wohnung“ von Susa Templin, die im Grunde nur aus einer einzigen Aufnahme eines Raumes in einer Plattenbausiedlung entstanden ist. Diese Arbeit befindet sich ganz hinten im Ausstellungsraum, wo das geteilte Bild an einer schräg im Raum stehenden gegliederten Trennwand von fern wie eine Gardine, aus der Nähe wie eine alte, halb abgerissene Tapete erscheint. Hinter diesem Bild öffnet sich ein Raum (das Zimmer?), an dessen einer Wand die Künstlerin sich auf einem Foto am Boden kniend selbst abgelichtet hat.

Mit einer ganz anderen Bearbeitungsform hat mich Miguel Rothschild beeindruckt. Er stellt großformatig gotische Kirchenfenster hinter Glas in einem schwarzen Rahmen dar. Auf den ersten Blick ist gar nicht zu erkennen, dass das farbige Fensterbild mit Tausenden kleiner Löcher durchstanzt ist. Als Konfetti sammelt sich unten im Rahmen der Abfall von der mechanischen Bildbearbeitung. Will der Künstler hiermit Analogien zu den auf dem Bild dargestellten biblischen Motiven herstellen? Was will er uns mit diesem Fensterbild sagen?

Diese und ähnliche Fragen stellen sich dem Betrachter beim Anschauen der Arbeiten immer wieder. Da ist es schon eine große Hilfe, dass im ART Foyer eine übersichtliche Broschüre als kleiner Führer bereit liegt und in kurzer Form Erläuterungen zu den einzelnen Arbeiten liefert, einige Fragen beantwortet, andere offen lässt und auch neue als Blickhilfe und zum Nachdenken stellt.

Ein herzliches Dankeschön an Christina Leber, der Kuratorin und Leiterin der Kunstsammlung. Mit dieser Ausstellung ist eine spannende thematische Präsentation von Fotoarbeiten aus der Sammlung der DZ Bank zu einem der ältesten Themen der Fotografiegeschichte gelungen. Die Ausstellung ist im ART Foyer noch bis zum 22. Februar zu sehen.

Die DZ BANK Kunstsammlung bietet aber nicht nur ausgezeichnete Fotoausstellungen, sie verfügt auch über einen umfangreichen Bestand an Publikationen zur Fotografiekunst und stellt diese Bibliothek der Öffentlichkeit in einem Lesesaal zur Verfügung.

Weitere Informationen zur Kunstsammlung der DZ Bank hier

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