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Feuer und Flamme

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Mich hat ungemein fasziniert, wie wir in einem Fahrradrahmenbaukurs die einzelnen Rohrteile – auf Maß gebracht und die Verbindungen sauber gefräst – mit gekonnter Schweiß- bzw. Löttechnik, vorwiegend des Meisters (Christian Pyttel in Rastatt) zu einem funktionstüchtigen Rennradrahmen verbunden haben.

Von diesen Techniken wollte ich noch mehr erfahren und vor allem wollte ich noch mehr selbst ausprobieren. Die Idee war, dass sich der Umgang mit dem Schweißbrenner beim Verbinden von alten Eisenteilen („Schrott“) recht gut selbst erlernen lassen müsste. Bei kleineren kreativen Objekten und Skulpturen ist ja nicht die Festigkeit wie bei einem Fahrradrahmen erforderlich.

In der Kunstschule der VHS Filderstadt haben wir dann ein passendes Angebot gefunden und jetzt gemeinsam mit lieben Freunden an einem Wochenendkurs für kreatives Schmieden und Schweißen teilgenommen.

Die Schmiede in Bonlanden ist für diesen Kurs hervorragend geeignet. Hier hatten die 7 TeilnehmerInnen (2 Frauen und 5 Männer) an den Werktischen genügend Platz zum Arbeiten, Material (altes Eisen und Eisenteile jeder Form und Größe) war kistenweise vorhanden, und Schweißapparate und alles erdenkliche Werkzeug für die Metallverarbeitung stand bereit.

Nach dem Ankommen – kurze freundliche Begrüßung und Vorstellung. Dann eine kleine Einführung in Materialkunde und fachgerechte Handhabung des Schutzgas-Schweißgerätes, Erklärung der Sicherheitsvorkehrungen – und schon ging es los. Der erfahrene Kursleiter Herbert Haebich, Kunsthandwerker und langjähriger Fachlehrer in der Berufsausbildung von Metallhandwerkern teilte sein umfangreiches Wissen auf sehr sympathische Weise – und überhaupt nicht oberlehrerhaft belehrend, wie ich das schon in so manchen Kursen erlebt hatte.
Er ließ uns einfach selbst machen, stand aber immer freundlich und hilfsbereit zur Seite, wann immer wir Fragen hatten und alleine nicht weiter kamen.
So vertieften sich alle rasch in ihre Arbeit. Einige kamen schon mit ganz konkreten Ideen oder hatten sogar schon ausgearbeitete Projektskizzen mitgebracht. Andere ließen sich von dem Material inspirieren, holten sich Anregungen von Fotos der Arbeiten aus vorangegangenen Kurses oder ausliegenden Büchern über kreatives Arbeiten mit Metall.

Meine Idee, aus alten Fahrrad-Ritzeln eine Lampe zu gestalten, konnte ich zwar nicht realisieren, weil das mitgebrachte Material mit Alubestandteilen spezieller Schweißtechniken bedarf.

Ich habe dann einfach begonnen, mit einer alten Kette zu experimentieren, Glieder zu entfernen und sie auf einer Metallplatte mit kreisförmiger Öffnung zu legen. Aufregend war es, mit wackliger Hand den Brenner zu führen und die ersten Metallteile miteinander zu verbinden. In diesem nun entstandenen Konstrukt habe ich eine Kopfform gesehen, die mich an den Besuch beim Rottweiler Fasching im vergangenen Jahr erinnerte – Klar, ich könnte ja eine Maske daraus machen.

Beim Stöbern in den alten Metallhaufen nach weiteren Teilen für meine Maske war ich immer wieder über die Vielfalt der Formen erstaunt. Abfälle von Stanzarbeiten bildeten schönste Strukturen mit filigranem Muster oder ließen grobe, kantige Zacken zurück. An Teilen ausgeschlachteter Maschinen fand ich winzige und wuchtige Walzenlager, Ketten und Wellen, verrostete und bereits verformte Feldbearbeitungsgeräte, in mannigfachen Grau- und Schwarztönen korrodierte Blechstücke, Federn, Schrauben und Bolzen jeder Art. Man musste die Teile nur in die Hand nehmen, schauen, Teile zu sammen legen, damit ein wenig spielen und experimentieren, dann entdeckt man darin Figuren, Skulpturen oder einfach eine interessante abstrakte Form.

Vertieft in unser kreatives Handwerk, verging die Zeit wie im Flug und ich war froh, dass es am nächsten Tag weiter ging. So hatten wir genügend Zeit, die Arbeiten der anderen Teilnehmer zu bewundern, mit ihnen über ihre Ideen zu sprechen und uns gegenseitig anzuregen.

Am Ende war ich sehr zufrieden. Nicht nur über das eigene „Kunstwerk“, mehr noch über das stundenlange Versinken im kreativen Tun und das gemeinsame Schaffen in angenehmer Atmosphäre. Es hat Riesenspaß gemacht, und für mich und meine Freunde steht fest, dass wir bei Herbert Haebich weitere Kurse besuchen werden.

Linktipps:
Weitere Anregungen und Infos hier: Herbert Haebich

und in dem sehr guten Buch: Martina Lauinger, Alles Schrott?

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Rückmeldung, Wolfgang. Der Kurs hat ja auch richtig Spaß gemacht.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend
    Reinhold

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