Kunst, Musik
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Martina Guse spielt und singt Zarah Leander

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„Zarah – Das totale Lied“ von Peter Lund.

Das kleine Theater La Lune in der Haussmannstrasse hat wieder eingeladen. Vor der Vorstellung passend zum Programm, köstliche Schwedische Lachscremesuppe.

Der große deutsche Star aus Schweden hat 40.Geburtstag. Zarah Leander, eindrucksvoll verkörpert von Martina Guse, starrt auf das Telefon. Sie spricht mit dem schwarzen Apparat, beschwört und beschimpft ihn – aber keiner ruft an. Niemand nimmt ihren Geburtstag zur Kenntnis: „Alles still hier – zu still!“ – Sie leidet hörbar, sichtbar.

Zarah Leander, die Diva, die es geschafft hat, dass ihr die Welt zu Füßen lag, dass sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines ganzen Volkes stand – nun am Runden Geburtstag ganz allein zu Hause.

Ihre große Zeit ist vorbei. Vorbei auch die Zeit des Nationalsozialismus. Der Krieg ist zu Ende. Ihren Ruhm verdankt sie ihrem Ehrgeiz, aber auch ihrem Arrangement mit dem Nazisystem. Wenn die Sehnsucht nach Erfolg zu stark ist, der Wunsch nach Ruhm so mächtig, dann muss man diesem vieles, manchmal alles unterordnen.

Doch die Zeiten ändern sich …Was ist, wenn der Beifall aus bleibt und die Politik eine andere ist?

Das Musical von Peter Lund ist keine Hommage an den Star Zarah Leander. Es knüpft auch nicht an die Verehrung an, die Zarah Leander nach ihren großen Erfolgen noch eine gewisse Zeit geniessen durfte.

Das Stück ist eine nüchterne Auseinandersetzung mit den Höhen und Tiefen des Gesangs-und Filmstars. Es wirft einen kritischen Blick auf die Ambivalenzen von Kunst und Kultur zu Zeiten des Nationalsozialismus, zeigt aber in gewisser Weise doch auch Verständnis für die der Selbstillusion unterliegenden Person Zarah Leanders und zollt  dem Schicksal der alternden Diva zugleich auch einen gewissen Respekt.

Marina Guse spielte diese Rolle mit Bravour. Überzeugend brachte sie die Gefühlslage der einsamen Diva auf die Bühne. Der übermächtige Wunsch nach Anerkennung, der gekränkte Stolz, das Beleidigtsein. Mit mächtiger Wut über die Missachtung zerriß sie energisch den Brief in Stücke , der eventuell von einem Verehrer stammen könnte. – Dann die Szene, in der schließlich doch noch das Telefon klingelte. Hier zeigte Martina Guse ihr ganzes schauspielerisches Können, wenn sie die Enttäuschung darüber, dass es kein Gratulant war, herunterspielt, und dann zwischen Ablehnung und Anbiederung schwankend, schließlich doch einem mickrig-kleinen Engagement des Anrufers zustimmt. Um den Menschen Freude zu bereiten, spiele sie halt überall, auch vor dem kleinsten Publikum. In Wirklichkeit braucht sie aber so sehr den Applaus.

Martina Guse schaffte es , das Publikum  mit diesem nicht ganz leichten Stoff zu überzeugen, obwohl doch viele – wie ich auch – mit der Erwartung gekommen sein mochten, einen unterhaltsamen Liederabend zu erleben.

Noch größere Stärke bewies Martina Guse , als die Technik plötzlich ausfiel und sie die nationionalsozialistischen Männerstimmen aus dem Off auch noch übernehmen musste. Als ihr der Pianist Joachim Bieleck die zum Glück auf dem Klavier liegenden Manuskriptseiten reichte, schlüpfte sie überzeugend auch in diese Männerrollen und las nicht nur, sondern spielte auch diesen Part professionell gekonnt.

Die Fans von Zarah Leanders Liedern kamen aber auch nicht zu kurz.

Könnerhaft von Joachim Bieleck am Klavier begleitet, ließ Martina Guse nicht nur einen Hauch der Diva Zarah Leander spüren, als sie den bunten Hausanzug abstreift und zum langen Abendkleid die Federboa umlegt. Sie interpretierte  Zarah Leanders Lieder auf ihre eigene Art so kraftvoll stimmgewaltig und gefühlvoll, dass das Publikum begeistert war und Martina Guse auch noch für Zugaben gewinnen konnte.

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Insgesamt eine großartige Leistung auf der Bühne und ein wunderschöner Theaterabend im La Lune.

Zum Abschied noch ein Gläschen sehr schmackhaftem Lemberger Traubensaft und gute Gespräche mit den lieben Theatermenschen im gemütlichen Nebenzimmer.

Herzliches Dankeschön.

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