Kultur
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Sound of Heimat – Deutschland singt!

Gleich zu Beginn fühlen sich alle angesprochen, als der junge Chorleiter sich umdreht, das Publikum freundlich anspricht, den Text vorgibt und einlädt mitzusingen.

Und tatsächlich stimme ich mit den meisten Zuschauern der Dok Night im Haus des Dokumentarfilms Stuttgart in das eingängige Lied ein. Mit dieser gelungenen Überraschung werden wir im wahrsten Sinn des Wortes eingestimmt auf die Reise des neuseeländischen Musikers Hayden Crisholm durch deutsche Lande. In vielen Teilen der Welt sei er schon gewesen und hat überall Musik als gelebte Kultur erfahren. In Deutschland jedoch sei dies anders. Deshalb zieht er jetzt los, um der wirklichen Volksmusik jenseits des Musikantenstadels auf die Spur zu kommen.

Im Dokumentarfilm Sound of Heimat startet die Deutschlandreise in einer Stadtteilkneipe in Köln am Rhein. Hier wird am Sonntag immer gesungen, musiziert und getanzt, dass jeder sich traut und daran erfreuen kann. Am Rhein findet er aber auch krassen Rap, der an die Musiktradition der von den Nazis verfolgten Edelweisspiraten anknüpft.

Weiter geht es dann in die Berge. Verbinden doch viele ausländische Besucher deutsches Volks- und Liedgut mit dem Klischee krachlederner Bergbuben und fescher Mädels aus Bayern. Im Film das Kontrastprogramm dazu, eine Wander- und Jodelgruppe mit der erfrischend authentischen Kursleiterin Loni Kuisle.

Über Franken und fetzige alternative Stuben-Musi in Studentenkneipen geht es rüber über die ehemalige deutsch-deutsch Grenze nach Tühringen, wo die lächerliche Liedzensur linientreuer DDR-Kulturkommitees einem leidenschaftlichen Intrumentenbauer und Volksmusiker die Freude an der Volsksmusik nicht vergraulen konnte.

Nach gemeinsamen Musizieren mit der als Indie-Rocksängerin bekannt gewordenen Bobo in Sachsen-Anhalt erreicht der Neuseeländer mit seinem Saxophon schliesslich in Flensburg das ihm aus seiner Heimat so vertraute Meer.
Auf einem rustikalen Segelschiff lauscht er den Seemansliedern älterer Herren, die erst spät die Heimatlieder von der Deutschen Küste für sich wieder entdeckt hatten.

Ein Film der wirklich Mut und Lust macht, das verschüttete Liedgut aus der Kindheit mal wieder anzustimmen, allein oder besser gemeinsam. So manche Melodie und die eine oder andere Liedverszeile sind vielleicht noch im Kopf.

Die Ankündigungen vom Einladungsflyer für die Dok Night hat der ausgezeichnete Dokumentarfim mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, Portraits beeindruckender Persönlichkeiten und toller Musik auf jeden Fall eingelöst:
„Ein Film, der Heimat vor allem als gemeinsames Empfinden und Musikmachen begreift. Auch ein Film, der deutsche Volksmusik als Musik des Volkes zeigt und nicht als Dudelei für Millionen.“

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