Monate: Juli 2014

Ludwig Ganghofer in Stuttgart

In den Jahren 1909 bis 1912 war mein Großonkel Reinhold Bauer (nach dem ich benannt wurde) als Schauspieler und Regisseur am Stuttgarter Schauspielhaus engagiert und lebte mit seiner Frau Else einige Jahre in Stuttgart. Sie nahmen am öffentlichen Leben teil, pflegten den Kontakt mit Künstlerkreisen und kannten viele Kunstschaffende der damaligen Zeit. Beide waren eifrige Briefschreiber. Sie korrespondierten auch immer fleißig mit der Familie. Von dieser Korrespondenz ist bis heute eine Reihe von Briefen und Postkarten im Nachlass seiner Nichte Johanna erhalten geblieben. So auch diese Ansichtskarte aus Stuttgart mit einer Fotografie der Alten Kanzlei, dahinter Königsbau und Schlossplatz. Die Aufnahme wurde vermutlich vom Turm der Stiftskirche gemacht. Dieses historische Foto zu betrachten, finde ich allein schon interessant. Darauf fehlt an der unteren Königsstrasse (Bildmitte hinten) der für das heutige Stadtbild so charakteristische Uhrturm des Hauptbahnhofes. Der wurde erst 1914-1928 nach den Entwürfen der Architekten Paul Bonatz und Eugen Scholer gebaut und ersetzte den ersten Hauptbahnhof (auch ein Kopfbahnhof) in der Bolzstrasse hinter dem Königsbau. Auf der Rückseite der Postkarte ist aber noch mehr zu …

Stuttgart 11 und 21

Aus dem Nachlass meiner Tante habe ich dieses Mal eine alte farbige Postkarte mit Blick auf die Stadt Stuttgart herausgefischt, datiert vom 14.7.1911. Sie wurde im Verlag von Gustav Haufler herausgegeben, den man in Stuttgart heute nicht mehr als Verlag, aber als erste Adresse für Bürobedarf am Stuttgarter Marktplatz noch kennt. Der Ansichtskartenmaler Franz Schmidt hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom nördlichen Rand des Bopsers diesen schönen Blick auf die Stadt. Die Innenstadt wies noch das alte Stadtbild auf, das 40 Jahre später den Bomben zum Opfer gefallen ist. Später riss der ausufernde Autoverkehr neue Wunden und heute müssen wir ertragen, dass gigantische Bauvorhaben für Stuttgart 21 und unnötige Konsumtempel die Innenstadt weiter zerstören. Stuttgart galt immer als Stadt zwischen Wald und Reben. Hoffen wir, dass das wertvolle Grün an den einmaligen und für die Stadt so typischen Hängen nicht auch noch verschwinden muss. Wer es mag, durch die Weinberge, Wälder und Parks von Stuttgart zu wandern, findet hier eine Menge Anregungen.

Fotoapparat im 1.Weltkrieg

Die historische Kamera, die ich bei den Feldpostbriefen und Fotografien aus dem 1.Weltkrieg unter den alten Familiensachen gefunden hatte, habe ich jetzt noch einmal in die Hand genommen und etwas genauer angeschaut. Es ist eine sog. Laufbodenklappkamera vom Typ Heag II der Ernemann Kamerawerke in Dresden etwa von 1909/10 für Platten oder Filme im Format 9×12. Bei diesem Kameratyp wird der Objektivteil in einer Führung bewegt, die sich auf dem herunterklappbaren vorderen Abschlußteil der Kamera befindet. Zusammengeklappt sind diese Fotoapparate recht handlich und leicht. Dadurch eigneten sie sich gut als Reisekameras. Sie waren vor Erfindung der Kleinbildkameras recht beliebt und fanden im 1.Weltkrieg auch unter den Soldaten im Feld Anklang. Die Ernemann-Werke haben für den Einsatz ihrer Fotoapparate als Armee-Kameras gezielt geworben.

Gesichter aus den Bergen

Nach der Rückkehr von der Bergtour in den Ötztaler Alpen bin ich im kleinen Bergdorf Vent ganz unerwartet auf Kunstwerke gestoßen, die mich sehr beeindruckt haben. Das 1900 m hoch gelegene legendäre alte Bergsteigerdörfchen Vent am Talschluss des Ventertales, einem Seitental im oberen Ötztal, bietet nicht nur Berge von atemberaubender Schönheit, sondern auch ansehnliche Kunst. Umsonst und draußen gibt es am Ende des Dorfes auf dem Weg zu den Rofenhöfen einen sehr schön in die Landschaft integrierten Skulpturenpark. Hier haben die TeilnehmerInnen der Venter Bildhauerwochen dem Gastort internationale Bildhauerkunst hinterlassen. Zudem findet im Sommer (heuer vom 04. bis 14. September 2014) ein Wandertheater statt, bei dem das Publikum still durch das Niedere Tal von Vent bis zum Marzellferner wandert und über kleine Ohrstöpsel dem Drama „Friedl mit der leeren Tasche“, – der wahren Geschichte des Herzogs Friedrich und seiner Flucht vom Bann des Kaisers – an Originalschauplätzen in der alpinen Landschaft folgen kann. Mitten im Dorf, idyllisch am wilden Bergbach gelegen im schön angelegten Außenbereich der Bergsteigerkapelle Vent, werden die wunderbaren

Fundstücke aus dem 1.Weltkrieg

Ich staunte nicht schlecht, als mir beim Stöbern in alten Koffern aus dem Nachlass meiner lieben Tante jetzt diese Fundstücke aus dem 1. Weltkrieg in die Hände fielen: eine Reihe von Feldpostbriefen und -karten, ein uralter aufklappbarer Fotoapparat und ein Stapel von leider zum Teil sehr schlecht erhaltenen Fotografien. Vor Jahrzehnten hatte ich diesen Koffer schon einmal angeschaut. Damals war aber weder Zeit noch Lust, mich damit weiter zu beschäftigen. Jetzt, wo sich der Krieg zum 100.Male jährt und in sämtlichen Medien, in diversen Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen aller Art an den Ausbruch des 1.Weltkrieges erinnert wird, wollte ich nachsehen, ob diese Sachen noch irgendwo vorhanden sind. Und siehe da, in den Koffern auf dem Dachboden mit den alten Familiensachen waren sie tatsächlich noch aufbewahrt. Beim Anschauen der Fotos und Durchblättern der Briefe wird mir noch einmal bewusst, wie schrecklich unsere Vorfahren unter den Wirren der Kriege gelitten hatten, und welches historische Glück ich hatte, ohne Kriege und ohne Hunger und Elend alt zu werden.

Frühe Farbfotos im Schönbuchmuseum

Der wunderschöne Naturpark Schönbuch zwischen Tübingen und Stuttgart erfreut mich stets bei meinen Radausflügen und kleinen Wanderungen. Immer wieder gibt es hier Neues zu entdecken: Gestern das Schönbuchmuseum in der kleinen Gemeinde Dettenhausen. Mein Interesse galt in diesem Fall jedoch nicht der Ausstellung zur Sozialgeschichte des Schönbuchs, in der unter den Themenbereichen Stein, Jagd und Wald in liebevoll gestalteten kleinen Präsentationen über die Arbeiten in den Steinbrüchen, über die Leiden der Bauern bei der Heranziehung zu den höfischen Jagden und über die Nutzung des Waldes als Viehweide informiert wird. Ich kam wegen der Sonderschau „Autochrome Welt – Die frühe Farbfotografie 1905-1925“.

Sibylle Bergemann in der ifa-Galerie Stuttgart

Russland, Senegal, Tschechien, Südkorea, Japan, China, Vietnam, Singapur, Australien, Neuseeland, Indonesien, Malaysia, Libanon – die Tourneeausstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen (Ifa) „Sibylle Bergemann-Photographien“ war seit 2006 schon in vielen Ländern zu sehen. Bevor die Reise weiter geht, wird das fotografische Werk von Sibylle Bergemann für kurze Zeit vom 27.Juni bis 27. Juli 2014 mit dieser umfangreichen Retrospektive nun auch in der ifa-Galerie Stuttgart gezeigt. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und