Ausstellungen, Fotografie
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Frühe Farbfotos im Schönbuchmuseum

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Der wunderschöne Naturpark Schönbuch zwischen Tübingen und Stuttgart erfreut mich stets bei meinen Radausflügen und kleinen Wanderungen. Immer wieder gibt es hier Neues zu entdecken: Gestern das Schönbuchmuseum in der kleinen Gemeinde Dettenhausen.

Mein Interesse galt in diesem Fall jedoch nicht der Ausstellung zur Sozialgeschichte des Schönbuchs, in der unter den Themenbereichen Stein, Jagd und Wald in liebevoll gestalteten kleinen Präsentationen über die Arbeiten in den Steinbrüchen, über die Leiden der Bauern bei der Heranziehung zu den höfischen Jagden und über die Nutzung des Waldes als Viehweide informiert wird.

Ich kam wegen der Sonderschau
„Autochrome Welt – Die frühe Farbfotografie 1905-1925“.

Der Kultur-und Medienwissenschaftler Ulrich Hägele von der Universität Tübingen präsentiert in dieser Ausstellung die Farbfotografie zu Beginn des 20.Jahrhunderts, aus der Zeit bevor Kodak und Agfa die bekannten Farbfilme auf den Markt brachten.
Zunächst wird auf Texttafeln das relativ einfache aber wirksame Verfahren beschrieben, das die Gebrüder Lumière 1905 entdeckt und entwickelt hatten. Bei diesem Autochromen-Verfahren wurde im Gegensatz zu der vorher angewandten additiven Technik nur noch eine mit Kartoffelstärke beschichtete Glasplatte benötigt, wobei die Stärkekörner als Farbfilter für die drei Grundfarben grün, rot und blau dienten. Damit war es fortan möglich, mit nur einer Aufnahme Farbdiapositive herzustellen, die nach der Entwicklung als farbige Glasbilder gezeigt oder auch auf Papier gedruckt werden konnten.

Die Avantgarde künstlerischer Fotografie dieser Zeit wie etwa Alfred Stieglitz und Edward Steichen experimentierten auch mit diesem neuen Verfahren und schufen Farbfotografien von beeindruckender Schönheit.

Einer der Pioniere der Autochromen Fotografie in Süddeutschland war der Fotograf Hans Hildebrand in Stuttgart. Er nutzte die Technik eher aus kommerziellen Interesse und probierte alles aus, was für einen professionellen Fotografen mit diesem Verfahren damals möglich war. Er bereiste die Welt, ließ von seinen Reiseaufnahmen farbige Bildpostkarten drucken und machte damit wohl ein gutes Geschäft, da die ersten farbigen Postkarten sehr beliebt waren. Seine historischen Aufnahmen aus der Region, z.B. von der Wilhelma oder dem Königsbau in Stuttgart, die in Dettenhausen gezeigt werden, machen für die heimischen Betrachter einen besonderen Reiz aus. Das Gleiche gilt für die historischen Farbfotos unbekannter Fotografen aus Tübingen.

Der erste Weltkrieg war für die weitere Entwicklung der Medien Film und Foto von großer Bedeutung. Wie heute noch wurde die neueste Medientechnologie für die Propaganda eingesetzt. Die Ausstellung zeigt Bilder von Kriegszerstörungen, Aufnahmen aus dem Schützengraben und dem Kriegsalltag der Bevölkerung.

Ein weiteres Anwendungsgebiete der neuen Technik, das sich aus der Reisefotografie entwickelt hatte, war die Darstellung des Alltags anderer Kulturen – die ethnografische Fotografie. Aus diesem Genre sind im Schönbuchmuseum beeindruckende Fotografien aus dem Zarenreich als bedeutende Zeugnisse der vorrevolutionären Zeit Russlands zu sehen.

Die Sonderausstellung wurde bis zum 31.08.2014 verlängert und ist sonn- und feiertags von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Gemeinde Dettenhausen hat zur Ausstellung einen kleinen Katalog herausgegeben.

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