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Sebastião Salgado – Exodus

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Bilder von Menschen auf der Flucht sehen wir derzeit jeden Tag in den Medien. Das Flüchtlingselend in Afrika, in der Ukraine, in Syrien, im Irak, an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, auf dem Mittelmeer – Flucht und Vertreibung überall und immerfort.

Der bekannte Fotograf Sebastião Salgado ging mit seiner Kamera im Rahmen seines Projekts Exodus vor gut 20 Jahren schon zu den Flüchtlingsbrennpunkten der damaligen Zeit.
Seine Fotografien, die bereits an vielen Orten gezeigt wurden, sind jetzt im Focke-Museum in Bremen zu sehen. Sie sind leider immer noch hochaktuell.

Mir war schon klar, auf was ich mich beim Besuch der Ausstellung einstellen musste, und doch war ich nach dem Betrachten der Aufnahmen sehr betroffen und zunächst ganz sprachlos über das Elend der Menschen. Anders als bei den bewegten Bilder im Fernsehen schaut der Betrachter den Menschen auf den Fotos hier oft direkt in die Augen.

Als ich in der Ausstellung die schockierenden Bilder von

den Flüchtlingen aus Serbien und dem Kosovo sah, fielen mir wieder die alten Männer ein, die ich auf einer Wanderung ein Jahr vor dem Krieg in Ex-Jugoslawien traf. Sie sprachen perfekt deutsch und berichteten von ihren Erlebnissen aus den 2. Weltkrieg und von der deutschen Gefangenschaft. Wir gingen damals in der Hoffnung auseinander, nie wieder einen Krieg in Europa erleben zu müssen. Nur wenig später hat sich dies als bittere Illusion heraus gestellt, und bis heute sind die Wunden dieses Krieges bei den gequälten und aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen dort nicht verheilt.

Als sehr bedrückend empfinde ich, dass viele der S/W Aufnahmen aus den 90iger Jahren das Flüchtlingselend aus Regionen dokumentieren, in denen die Menschen heute immer noch oder schon wieder auf der Flucht sind: Afrika, Palästina, Mittelmeer, …..

Die Ausstellung zeigt zu den durch Krieg und Bürgerkrieg verursachten Flüchtlingskatastrophen auch die Vertreibungen von Menschen durch Ausbeutung, Verschmutzung und Enteignung ihrer angestammten Heimat, die wachsenden Migrationsströme in die Megastädte Südamerikas, Asiens und Afrika und das Leben und Überleben der Menschen dort.

Ein Foto davon hat sich mir besonders eingeprägt. Es zeigt eine riesige Trinkwasserleitungsröhre für die wohlhabenden Bezirke Bombays mitten durch die Slums dieser Stadt. Da gibt es kein sauberes Wasser.

Am Ende der Ausstellung grossformatige Kinderporträts. Die Blicke der Flüchtlingskinder begleiten mich weiter …

Sebastião Salgado sagt, dass ihn wahrscheinlich sein eigenes bewegtes Leben für dieses Projekt animiert hat. Als er seine Heimat Brasilien im Jahr 1969 verlassen musste, herrschte dort Militärdiktatur.

Die Sonderausstellung Exodus ist im Focke-Museum Bremen bis zum 26. Oktober 2014 zu sehen. Leider gibt es keinen Ausstellungskatalog.

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