Ausstellungen, Kultur
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Schwabenkinder

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Der Film über die Schwabenkinder von Jo Baier aus dem Jahr 2003 hat mich vor einigen Jahren sehr berührt.

Nun bin ich für ein paar Tage in Ravensburg, eines der Städte, in denen die Kinder nach ihren langen Wanderungen über die Alpen zur Arbeit auf den Höfen an schwäbische Bauern vermittelt wurden.

Heute erinnert in Ravensburg das Museum Humpis-Quartier mit einer Kabinettausstellung in 3 wundersamen Kammern an das Schicksal der Hütekinder. Am Ort des Hütekindermarktes in der Bachstrasse am Gasthaus Krone hängt jetzt eine Skulptur des Bodmaner Künstlers Peter Lenk zum Gedenken an den einstigen Ravensburger Kindermarkt dort.

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Und im 15 km entfernten Bauernhaus Museum Wolfegg befasst sich eine multimediale Dauerausstellung mit

den Schwabenkindern  als Teil des länderübergreifenden Projekts zur Darstellung der Arbeit in der Fremde der 8-14jährigen Kinder.

Die Ausstellung in Wolfegg lässt die Kinder über einen Audioguide selbst zu Wort kommen und ihre Geschichten erzählen.

Die 13 jährige Josefa berichtet da, wie sie zum Unterhalt der armen Familie beitragen muss und schon mehrmals über die Berge nach Schwaben gegangen ist. Der 8jährige Kaspar geht zum ersten Mal in die Fremde, hat große Angst und Heimweh, will es aber nicht vor den Größeren zeigen. Auf dem Kindermarkt möchte ihn zunächst auch gar kein Bauer nehmen. Schließlich findet sich aber doch einer, der den kleinen Jungen zum Gänsehüten gebrauchen kann und doch noch auf seinen Hof mitnimmt.

Beim Hören dieser Geschichten begleitet man die Hütekinder vom Abmarsch in ihren winzigen Bergdörfern auf dem beschwerlichen Weg über die Alpen bis nach Oberschwaben.

Diese Geschichten sind es, die die wenigen Bilder, Texte und Exponate in den Ausstellungsboxen erst richtig lebendig werden lassen. Auf diese Weise bekommen die Besucher dann schon eine Vorstellung von den Arbeits-und Lebenswelten der Hütekinder auf den schwäbischen Bauernhöfen und einen Eindruck von der Jahrhunderte langen Tradition der Kinderarbeit in Schwaben.

Gefallen hat mir die Idee der Ausstellungsmacher mit den persönlichen Gedenkbüchern für jedes der auf dem Audioguide zu hörenden Kinder. Hier können die Besucher ihre Eindrücke und Botschaften „direkt“ an die Kinder richten. Regen Gebrauch machen davon vor allem Kinder, die mit ihren Klassen oder Familien die Ausstellung besuchen.

Im Museumshop kann man für 14,90 Euro das umfangreiche Katalogbuch mit vielen Hintergrundinformationen und Berichten kaufen sowie weitere Bücher zur Thematik.

Aufgefallen ist mir auch noch eine leider etwas in die Ecke platzierte Plakat-Ausstellung von UNICEF über die weltweit verbreitete Kinderarbeit heute. Diesen Bezug zur aktuellen Kinderarbeit halte ich für sehr angebracht.

Wenn wir dazu heute kritisch Stellung beziehen, sollten wir uns immer auch an die Ursachen von Kinderarbeit erinnern und daran, dass Kinderarbeit auch bei uns vor nicht allzu langer Zeit noch Gang und gebe war.
Kinderarbeit lässt sich nur verhindern, wenn insgesamt die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen von Armut angegangen werden. Zu einer gerechteren Verteilung des Reichtums dieser Welt fehlte damals die Bereitschaft und heute leider auch. Kinderarmut ist weiterhin bittere Realität in der Welt, und für viele Kinder auch in Deutschland.

Linktipp
Die Schwabenkinder – Arbeit in der Fremde, 17. bis 20. Jahrhundert
Bauernhausmuseum Wolfegg

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