Kultur
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Worpsweder Stuhl

Meine Eltern hatten sich während des Krieges kennen gelernt und heirateten gleich nachdem mein Vater aus der Gefangenschaft entlassen wurde. Als Flüchtlinge hatten sie zunächst in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen eine Bleibe gefunden, wo mein Vater versuchte, als Geigenlehrer und mit kleinen Konzertaufführungen die Familie über Wasser zu halten. Das war sehr hart, aber in den ersten Jahren der Nachkriegszeit ging es fast allen so. Das Essen war knapp, und in der bescheidenen Behausung (wir sprachen später von der „Mäusebude“) gab es kaum Einrichtungsgegenstände. Alles war improvisiert und irgendwie zusammen gezimmert.

Ein richtiges Möbelstück aus dieser Zeit ist aber erhalten geblieben und erfreut uns heute immer noch – der Worpsweder Stuhl. Es soll ein Hochzeitsgeschenk für

meine Eltern gewesen sein und hatte früher verschiedene Farbanstriche, die ich vor einigen Jahren entfernt hatte.

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Dieser Worpsweder Stuhl, ein Tulpenstuhl mit Kerbschnitzerei, gehörte zu den erfolgreichsten Modellen nach den Entwürfen des Worpsweder Künstlers Heinrich Vogeler aus dem Jahr 1908, wie ich jetzt erfahren habe. Seine Entwürfe wurden bis zum 1.Weltkreig mit den modernsten Fertigungstechniken in den Worpsweder Werkstätten hergestellt.
Bei meinem jüngsten Besuch im Focke-Museum Bremen habe ich diesen sehr schön erhaltenen Worpswerder Stuhl in Schwarz bewundert.

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Unser gutes altes Familienstück ist aber längst nicht reif für das Museum. Er ist weiterhin gut in Gebrauch, könnte nur mal wieder eine Erneuerung der Binsen-Sitzfläche vertragen.

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