Fotografie
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Das Salz der Erde

Im kleinen Kinosaal ist es ganz still, während der Film anläuft. – Man hört zu Beginn nur die Stimme Wim Wenders, des Regisseurs. Er berichtet, wie er vor langer Zeit zwei Fotos Sebastião Salgados gekauft hatte. Das eine Foto zeigt den unglaublich harten Arbeitsalltag in einer brasilianischen Goldmine, das andere Bild das Porträt einer blinden Tuareg. Sie hängen seit Jahren über seinem Schreibtisch und faszinieren ihn immer noch. Irgendwann hatte er den Wunsch, diesen Fotografen kennen zu lernen und später auch einen Film über ihn zu drehen.

Sebastião Salgado ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit einer faszinierenden Lebensgeschichte. Der Brasilianer war in jüngeren Jahren erfolgreich als Ökonom unterwegs, bis er mit der Kamera seiner Frau die Fotografie für sich entdeckte und

schließlich den gut dotierten Wirtschaftsjob an den Nagel hängte, um als Autodidakt mit der Fotografie den Lebensunterhalt zu verdienen. Er war rund um den Globus unterwegs, dokumentierte in umfassenden Sozialreportagen das Leben und Leiden der Menschen auf allen Kontinenten und feierte große Erfolge mit seinen spektakulären Fotoprojekten. Im Laufe der Jahre machte ihn das unfassbare Elend bei Hungersnot, Krieg, Völkermord und Vertreibung so zu schaffen, dass er daran erkrankte und das Fotografieren aufgab.

In dieser Zeit kehrte er auf die Farm seiner Familie nach Brasilien zurück und forstete das von Abholzung und Erosion zerstörte Farmland gemeinsam mit seiner Frau in einem Mammutprojekt wieder auf. Der weltbekannte Sozialfotograf fand bei dieser Arbeit wieder Zutrauen in seine Fähigkeiten und Interesse an den Wundern der Natur. Seitdem arbeitet er als Landschafts- und Tierfotograf in den letzten von Menschen noch unberührten Flecken der Erde und schuf mit seinem Fotoprojekt „Genesis“ eine einzigartige Hommage an die Schönheit unseres Planeten.

Wim Wenders hat den Film nicht alleine gedreht, sondern gemeinsam mit Salgados Sohn Juliano Ribeiro Salgado, was dem dokumentarischen Charakter des Films noch eine ganz besondere intime familiäre Perspektive gibt. Die Vater-Sohn Beziehung kommt im Film dort besonders zum Ausdruck, wo er mit seinem Sohn, selbst Fotograf und Filmemacher, auf einer einsamen Insel unterwegs ist, um seltene Tieraufnahmen zu machen. Als Kind hatte er den Vater, der monatelang auf Reisen war, sehr vermisst und doch eine sehr innige Beziehung zu ihm entwickelt, die in der gemeinsamen Arbeit und Aufgabe spürbar wird.

Wenders hat für das Filmprojekt eine eigene technische Raffinesse entwickelt, um die Wirkung der Bilder noch zu verstärken. Die Schwarz-Weiss Fotos füllen die Leinwand vollständig aus, während Sebastião Salgado im Bild „erscheint“ und ruhig und einfühlsam über die Menschen spricht, denen er in den vergangenen 40 Jahren bei seinen Reportagen begegnet ist. Da wird spürbar, wie sehr er die Menschen liebt. Sie sind das Salz dieser Erde. – Sehr empfehlenswert.

Linktipps:

zur offiziellen Filmseite

Mein Blogartikel über die Ausstellung von Salgados „Exodus“-Projekt in Bremen

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  1. Pingback: Genesis – Mensch, was machst du hier? | Theos Life

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