Gesellschaft
Schreibe einen Kommentar

Attentat auf Adolf Hitler – Helden und Opfer

Gauleiter Wagner und *Albert

Gauleiter Wagner und *Albert

Hitler war nicht unter den Toten. Ihm ist bei dem Attentat im Bürgerbräukeller in München am 8. November vor 75 Jahren überhaupt nichts passiert. Wenige Minuten vor Detonation der Bombe verließ er bereits den Saal.

In den Medien wurde jetzt wieder an Georg Elser erinnert, der mit der Tötung des Führers einen Krieg verhindern wollte.

Lange Zeit war seine Tat recht kontrovers diskutiert und keineswegs als heldenhaft bewertet worden. Heute setzt sich die Meinung durch, dass Georg Elsers Versuch des Tyrannenmordes nicht nur moralisch zu rechtfertigen, sondern – da Tat eines Einzelnen – sogar als vorbildhaft zu bewerten ist. Mutig war Georg Elser zweifellos. Nur Wenige bewiesen im Widerstand gegen das Hitlerregime ähnlichen Mut. Hat Georg Elser auch „anständig“ gehandelt?

Bei der akribischen Planung und Vorbereitung seines Bombenattentats muss Georg Elser von Anfang an die Gefährdung von Leib und Leben vieler Menschen mit einkalkuliert haben. Ihm war klar, dass die Explosion einer Bombe dieser Sprengkraft in einem vollbesetzten Saal neben der NS-Führungsriege als Zielpersonen auch weitere Menschen zum Opfer fallen würden.

Bei dem Attentat gab es 8 Tote und 63 Verletzte, darunter kleinere Nazi-Funktionäre und auch einige, die dort schlicht nur ihre Arbeit verrichten mussten, wie eine junge Kellnerin des Bürgerbräukellers, die dem Anschlag zum Opfer gefallen war.

Einer der Verletzten war mein Großcousin Albert Eckebrecht. Er war Elektroingenieur beim Reichssender und zuständig für die Radio-Übertragung der Rede Hitlers.

Ich erinnere mich, dass diese Geschichte in der Familie schon einmal erwähnt wurde, aber näher eingegangen ist man darauf nie. Wie in den meisten Familien wurde die Zeit des Nationalsozialismus auch bei uns weitgehend verschwiegen, oder man sah sich selbst als Opfer, da man die Heimat verlassen musste.

Beim Durchforsten alter Familiensachen bin ich auf die Feldpostbriefe von Albert Eckebrecht aus dem 1.Weltkrieg gestoßen. Auf Familienfotos, die ihn als jungen Ehemann zeigen, auf Unterlagen, die den tragischen Tod seiner ersten Frau und des einzigen Kindes dokumentieren. Und auf einen Zeitungsausschnitt mit einem Foto, das ihn als Verletzten des Attentats im Krankenhaus zeigt – der Gauleiter zu Besuch, um die Opfer als Helden darzustellen.

Ein Held war Albert Eckebrecht gewiss nie. Er hat immer brav und gewissenhaft seinen Dienst geleistet, unter dem Kaiser wie unter Hitler, hat sein Schicksal angenommen und versucht, unter den meist widrigen Umständen das Beste aus seinem Leben zu machen.
Er verlor früh seinen Vater, zwei Weltkriege, zwei Ehefrauen, einen Sohn und verstarb 1982 im Alter von 86 Jahren in einem Münchner Altenheim.

Linktipps:

Anständig gehandelt?
Georg-Elser-Arbeitskreis
Georg Elser – Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Gedenkblatt Georg Elser, Stiftung Geißstrasse

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.