Kultur, Musik
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Geigen bauen

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Selbst habe ich nie ein Handwerk erlernt. Um so mehr faszinieren mich die uralten und auch neuartigen handwerklichen Künste. Gerne wollte ich mir einmal anschauen, wie aus ein paar wenigen Hölzern eine Geige entstehen und erklingen kann.

Wie es der Zufall will, hatte ich letztes Jahr bei einer Hochzeitsfeier in Wien einen Geigenbaumeister kennengelernt und war natürlich sehr angetan, als er mir anbot, ihn doch in seiner Werkstatt zu besuchen.
Gleich zu Beginn des neuen Jahres bot sich die Gelegenheit. Ich war sehr gespannt und auch ein wenig aufgeregt, als ich die Werkstatt von Martin Schwalb betrat.

Nach freundlichem Empfang führte mich der Meister dann

in sein Reich. Es wirkte sehr aufgeräumt. Alles hatte seinen Platz und eine feste Ordnung. – Das noch unbearbeitete Holz, Werkzeug aller Art, einzelne Werkstücke – Zargen, Decken, Böden, Stege, Schnecken und auch die bereits fertiggestellten Streichinstrumente, die schon durch das schöne Äußere einen feinen Zauber entfalteten. Wie sie da hingen, schien es mir, als ob sie nur darauf warteten, angespielt und auch den Zauber der Musik verstrahlen zu dürfen.
Vom ersten Augenblick an war ich begeistert von der Geigenbaukunst in dieser Werkstatt.
Als mir der Meister nun die einzelnen Arbeitsschritte erklärte und geduldig auf meine neugierigen Fragen einging, da war nicht nur die Freude an seinem Beruf spürbar, auch die Liebe zur Musik war ihm anzumerken.
Er verriet mir, dass ein guter Instrumentenbauer aber nicht zwingend ein guter Musiker sein muss. Förderlich ist es jedoch schon, wie mir scheint.
Dann hörte ich aufmerksam zu, wie er mir anhand des gerade entstehenden Cellos die einzelnen Arbeitsschritte erklärte.

Nach der Auswahl des Holzes und der Festlegung der Maße wird die Zarge aus Pappelholz um einen Rahmen gespannt und verleimt. Im nächsten Schritt werden dann die Decke und der Boden hergestellt. Bei allem kommt es sehr auf die Auswahl der Holzes (Bergahorn) an. Auch der richtige Gebrauch speziellen Werkzeugs muss gelernt sein. Gestaunt habe ich über die filigranen winzigen Geigenbauhobel zum feinen Abnehmen kleinster Späne, um dem Holz den richtigen Klang zu verleihen. Dieser Klang wäre aber nicht möglich, ohne Bassbalken (ein kleiner Fichtenstab), der wie der Stimmstock unsichtbar im Inneren des Instruments Platz finden – und die F-Löcher in der Decke.

Jeder Geigenbauer hat seine eigenen Methoden und handwerklichen Raffinessen entwickelt. Manche orientieren sich an den klassischen berühmten alten italienischen Geigenbaumeistern, andere entwickeln neuartige, sogar wissenschaftlich erforschte Methoden für den Bau ihrer Instrumente.
Martin Schwalb fand in einem unorthodoxen italienischen Meister ein Vorbild und baut heute aufgrund langjähriger Erfahrungen seine Instrumente nach eigenem Stil. Inzwischen werden diese von vielen Könnern großer Orchester gespielt und geschätzt.
Was für ein Glück, dass ich ihm über die Schulter schauen durfte.
Herzlichen Dank.

Mehr Informationen über die Kunst des Geigenbaus in der Meisterwerkstatt von Martin Schwalb hier auf seiner Homepage.

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