Monate: Februar 2015

Vertrauen in die Zukunft – SOS Kinderdorf Tenerifa

Ein großes Glück ist es, dem Winter entfliehen zu können und auf Teneriffa Frühlingsluft zu schnuppern. Die Sonne lässt sich zwar noch nicht jeden Tag blicken, aber die Temperaturen sind angenehm, die Pflanzenwelten und Landschaften in dieser Vielfalt phantastisch. Aber auch in dieser Urlaubsidylle auf den Inseln des ewigen Frühlings zeigen sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise des Landes. Im Alltag lassen es sich die Menschen kaum anmerken. Sie leben ihr Leben weiter, sind zu den Gästen freundlich und feiern wie gewohnt ihre tollen Feste, zuletzt den Karneval mit bunten Umzügen in den Städten Santa Cruz und Puerto de la Cruz. Im SOS Kinderdorf Tenerifa und seinen Sozialzentren spüren die Mitarbeiter jedoch mehr denn je die Arbeitslosigkeit und große Not in vielen Familien. Bei unserem kurzen Besuch beeindrucken uns vom ersten Moment die große Herzlichkeit und emotionale Kraft im Umgang mit den Kindern, Jugendlichen und Familien, die geradezu ansteckt. Hier stehen anspruchsvolle Werte nicht nur auf dem Papier, sondern werden intensiv gelebt. Offenheit, Respekt und Veranwortung prägen das Miteinander und vermitteln Zutrauen in die eigenen …

Gegen das Vergessen

Heute vor genau 100 Jahren, am 19.02.1915 schrieb der junge Soldat Hans Schwengler aus dem Schützengraben in Frankreich: Liebes Fräulein Johanna! …sollte mich Gottes Hand beschützen und ich gesund aus dem Krieg zurückkehren; so werde ich mich persönlich bei Ihnen vorstellen und meinen Dank aussprechen…für ihre Liebesgaben. Nun etwas aus dem Kriege – Von vorgestern mittag 11 Uhr bis gestern Abend schossen die Franzosen unaufhörlich mit Granaten zu unseren Unterständen und in die Schützengräben, dass wir nicht mehr wussten wo hin, denn wir Infanteristen sind gerade machtlos gegen die Artillerie……. Liebe Johanna, wir sitzen gerade so fröhlich im Unterstand als der Befehl kommt, Gefechts bereit machen, denn die Franzosen wollen wieder angreifen. So müssen wir uns denn in unser Schicksal begeben und der Dinge abwarten, die da kommen. Fortsetzung folgt! ….. Ungefähr 4 Stunden hat das Schießen gedauert, als es plötzlich aufhörte. Ich ging im Schützengraben nachschauen und erfuhr durch meine Kameraden, dass nun 6 von der 7.Kompanie und 9 von der 6. Kompanie verwundet waren und wir 2 Tote von der 6. Kompanie hatten. …

Weißenburgpark

Herrlicher Wintersonnenschein, also raus ein paar Schritte laufen zu einem der schönsten Aussichtsplätze über der Stuttgarter City. Ausgangspunkt ist der Charlottenplatz. Von hier gen Süden durch das Bohnenviertel bis zum Gerda-Taro-Platz. Dort überqueren wir an der Fußgängerampel die Hohenheimerstrasse und steigen links neben dem Bethesda-Krankenhaus die steilen Staffeln zur Mohlstrasse hinauf. Wir halten uns dann rechts und gehen an herrschaftlichen Villen die Staffelenbergstrasse entlang. Am Hospiz zur Linken halten wir kurz inne, dann wenden wir den Blick nach rechts und schauen über die Dächer der alten herrschaftlichen Häuser in den Talkessel und hinüber auf die Hänge im Westen und Norden. Wir stoßen auf die mit gut erhaltenen alten Backsteinvillen geschmückte Sonnenbergstrasse, überqueren sie und biegen nach ein paar Schritten rechts in die kleine Neefstrasse ein. Am Ende geht es den Oberen Reichelenbergweg links steil hinauf zum Dobel-Gartenidyll. Bei der Ludwig-Hofacker-Kirchengemeinde etwas unterhalb kann man dafür einen Schlüssel bekommen. An der Bobserwaldstrasse ein paar Meter höher, halten wir uns rechts, um leicht abwärts gehend bald schon die grüne Oase des Weißenburgparks mit dem malerischen Teehaus am …

Gerda-Taro-Platz

Viele Male bin ich mit der Bahn schon an diesem kleinen Platz mit dem Namen Gerda Taro an der Ecke Hohenheimer-/Alexanderstrasse in der Stuttgarter City vorbei gefahren. Nun wollte ich ihn auch einmal aus der Nähe anschauen. Im Vorfeld gab es ja um die Neugestaltung des Platzes ziemlichen Ärger im Bezirksbeirat. Der fühlte sich bei der Planung zur Neugestaltung nicht ausreichend einbezogen. Der Platz mit der unscheinbaren winzigen Grünanlage wurde schon 2008 in Gerda-Taro-Platz umbenannt – nach der in Stuttgart geborenen und im Alter von 27 Jahren im Spanischen Bürgerkrieg umgekommenen Kriegsfotografin Gerda Taro. Im Jahr 2010 zeigte das Kunstmuseum Stuttgart eine große Retrospektive der lange vergessesenen Fotografin Gerda Taro – Krieg im Fokus, und jetzt ist die Geschichte dieser jungen Frau auf der Rückseite der metallenen Stelen, die ihren Namen tragen, nachzulesen. Seit November 2014 ist die Umgestaltung abgeschlossen. Ich finde sie gut gelungen, und das Gedenken an die von den Nazis verfolgte Gerda Taro in dieser Form auch angemessen. Hier die Pressemitteilung der Stadt Stuttgart zur Einweihung des neu gestalteten Gerda-Taro-Platzes Mehr über …

Fotografie in Belarus

Weißrussland, ach ja – da war doch was dieser Tage; – die lange Verhandlungsnacht im protzigen Palast zu Minsk mit dem Ziel der Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Plötzlich stand Minsk, die Hauptstadt dieses isolierten Landes, von dem im Westen nur sehr wenig bekannt ist, im Mittelpunkt. In der Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen am Stuttgarter Charlottenplatz ist jetzt Fotokunst aus dem fremden Land zu sehen. Einen Tag nach dem Verhandlungsmarathon wurde die Ausstellung „By Now – Zeitgenössische Fotografie in Belarus“ mit Werken von 16 jungen weißrussischen FotokünstlerInnen eröffnet. In ihrer Begrüßungsansprache drückte die Präsidentin des Instituts, Ursula Seiler-Albring, die Hoffnung aus, dass uns diese Bilder ein wenig mehr über Land und Leute erzählen und „einen Blick hinter den Palast“ gewähren mögen. Für mich ist das Land im Osten Europas bislang auch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Bekannt ist nur, dass es von einem mächtigen Präsidenten autoritär regiert wird, und dass die atomare Wolke von Tschernobyl das Land schwer kontaminiert hatte. Aus Erzählungen meines Vaters weiß ich noch, dass er im 2.Weltkrieg einige Zeit als Soldat …

Der männliche Blick und die „Venusfalle“

Als Ergänzung und Kontrast zur aktuellen Werkschau „Ladies First“ von zeitgenössischen Arbeiten weiblicher Künstler zeigt das Schauwerk Sindelfingen mit der Sonderschau „Venusfalle“ nun auch den männlichen Blick – auf den weiblichen Körper. Das Forum im Schauwerk war zur Vernissage am Sonntagvormittag gut besucht. Die Direktorin Barbara Bergemann begrüßte die Gäste, gab kurz einen Überblick über die Exponate der Ausstellung und übergab das Wort an den Gastredner Dr.Christian Saehrendt. In Anwesenheit der Stifter Peter Schaufler und seiner Frau Christiane Schaufler-Münch umriss der renommierte Kunsthistoriker und Publizist das immerwährende und vielfach verklärte Thema vom Künstler und seinem weiblichen Modell in einer mit provozierenden Bonmots gespickten launigen Ansprache. Beim Blick ins Publikum schien mir jedoch, dass die offenen, teils recht derben Worte des Redners nicht bei allen Besucherinnen Wohlgefallen fanden. Ich empfand seine Einführung sehr erfrischend und als eine gute Hinführung für die spannende Auswahl von sehr unterschiedlichen Formensprachen und Blickwinkeln bei den gezeigten Werken. Alle Genres zeitgenössischer Kunst sind vertreten; z.B. die Fotografie mit einer Serie beeindruckender Schwarz/Weiß Akte von Robert Mapplethorpe und einem großformatigen Porträt von …

Fotos vom 1. Weltkrieg – „Uns geht es sehr gut.“

Der 1. Weltkrieg fand vor 100 Jahren eben kein rasches Ende – wie viele gehofft hatten, und die Kriegspropaganda Glauben machen wollte. Weihnachten 1914 kamen die Soldaten nicht nach Hause. Der Krieg dauerte an. Die Menschen in der Heimat und die jungen Menschen draussen im Feld mussten sich auf eine längere Kriegsdauer einstellen. Jeder versuchte irgendwie das Beste daraus zu machen, und mein Großcousin Albert wollte halt an der Front fotografieren und so hat er nach dem ersten Kriegsjahr in Frankreich seine Schwester Johanna gebeten, ihm seinen Fotoapparat – zu schicken: Bei seinem in der Familie erhaltenen alten Fotoapparat fanden sich auch noch etliche recht verblasste Fotografien. – Sie stellen junge Soldaten in ihren Unterkünften und Stellungen dar, einige Landschaftsaufnahmen aus dem Elsaß sind dabei, gestellte Gruppenaufnahmen, die den Eindruck geselliger Kameradschaft vermitteln sollen. Fast alle Bilder geben auf den ersten Blick keine Hinweise auf die schrecklichen Fronterlebnisse in Feindesland. Selbst die Aufnahmen vom Ausheben eines tiefen Schützengrabens und die Bilder mit den Geschützen oder Gasmasken lassen das normale Soldatenleben an der Front in gewisser …

Photoweekend Düsseldorf 2015 – 2. Teil

Die Düsseldorfer Carlstadt halte ich für eines der schönsten Quartiere vom alten Düsseldorf. Die Dichte der Galerien dort, die sich am Photoweekend beteiligten, ist hier am größten, die Wege sind nicht weit und einige befinden sich im gleichen Gebäude. Da lag es nahe, sich an diesem trüben Sonntag mit dem Fotogalerien-Spaziergang auf die Gegend rund um den Carlsplatz zu beschränken. Das heute malerische Hinterhofareal mit der Galerie Clara Maria Sels, der TZR Galerie Kai Brückner und der Sies + Höke Galerie liefert das passende Ambiente für künstlerische Qualität und Vielfalt. Die Fotos und Installationen der Schweizer Künstler Taiyo Onorato & Nico Krebs bei Sies + Höke befassen sich mit der gebauten Umwelt und ermöglichen dem Betrachter durch ihre angedockten Holz-Konstruktionen andere Perspektiven auf Gebäude und Umgebung. Die frühen fotografischen Arbeiten von Johannes Brus bei Kai Brückner bewegen sich im mystischen Raum zwischen Fiktion und Realität und erschliessen sich dem Betrachter nicht so leicht. Da ist es sehr hilfreich, wenn der Galerist kenntnisreich und engagiert ein wenig Kunstvermittlung leistet und so besser Zugang zu den Werken …