Fotografie
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Fotos vom 1. Weltkrieg – „Uns geht es sehr gut.“

Gruppenfoto 1

Der 1. Weltkrieg fand vor 100 Jahren eben kein rasches Ende – wie viele gehofft hatten, und die Kriegspropaganda Glauben machen wollte. Weihnachten 1914 kamen die Soldaten nicht nach Hause. Der Krieg dauerte an. Die Menschen in der Heimat und die jungen Menschen draussen im Feld mussten sich auf eine längere Kriegsdauer einstellen. Jeder versuchte irgendwie das Beste daraus zu machen, und mein Großcousin Albert wollte halt an der Front fotografieren und so hat er nach dem ersten Kriegsjahr in Frankreich seine Schwester Johanna gebeten, ihm seinen Fotoapparat – zu schicken:

Liebe Johanna!  Schicke mir bitte meinen Photoapparat und Film. Uns geht es hier gut. Es grüßt und küßt Dich herzlich Dein treuer Bruder Albert

Liebe Hanna! Schicke mir bitte meinen Photoapparat und Film. Uns geht es sehr gut. Es grüßt und küßt Dich herzlich Dein treuer Bruder Albert

Bei seinem in der Familie erhaltenen alten Fotoapparat fanden sich auch noch etliche recht verblasste Fotografien. – Sie stellen junge Soldaten in ihren Unterkünften und Stellungen dar, einige Landschaftsaufnahmen aus dem Elsaß sind dabei, gestellte Gruppenaufnahmen, die den Eindruck geselliger Kameradschaft vermitteln sollen. Fast alle Bilder geben auf den ersten Blick keine Hinweise auf die schrecklichen Fronterlebnisse in Feindesland.

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Selbst die Aufnahmen vom Ausheben eines tiefen Schützengrabens und die Bilder mit den Geschützen oder Gasmasken lassen das normale Soldatenleben an der Front in gewisser Weise harmlos erscheinen.

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Dann doch Aufnahmen aus einem Lazarett mit Verwundeten und Kranken. Auch hier alle gut versorgt und gepflegt und alles scheinbar in bester Ordnung.

DSCF3124

Die Zensur des Militärs hätte drastischere Bilder vom tatsächlichen Schrecken des Krieges auch kaum durchgehen lassen, und vielleicht wollte Albert auch gar nichts anderes zeigen, um die Lieben zu Hause nicht zu beunruhigen. – „Uns geht es sehr gut“, schreibt er auf der Karte.

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