Ausstellungen, Fotografie
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Fotografie in Belarus

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Weißrussland, ach ja – da war doch was dieser Tage; – die lange Verhandlungsnacht im protzigen Palast zu Minsk mit dem Ziel der Waffenruhe im Ukraine-Krieg.
Plötzlich stand Minsk, die Hauptstadt dieses isolierten Landes, von dem im Westen nur sehr wenig bekannt ist, im Mittelpunkt.
In der Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen am Stuttgarter Charlottenplatz ist jetzt Fotokunst aus dem fremden Land zu sehen. Einen Tag nach dem Verhandlungsmarathon wurde die Ausstellung „By Now – Zeitgenössische Fotografie in Belarus“ mit Werken von 16 jungen weißrussischen FotokünstlerInnen eröffnet.
In ihrer Begrüßungsansprache drückte die Präsidentin des Instituts, Ursula Seiler-Albring, die Hoffnung aus, dass uns diese Bilder ein wenig mehr über Land und Leute erzählen und „einen Blick hinter den Palast“ gewähren mögen.

Für mich ist das Land im Osten Europas bislang auch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Bekannt ist nur, dass es von einem mächtigen Präsidenten autoritär regiert wird, und dass die atomare Wolke von Tschernobyl das Land schwer kontaminiert hatte. Aus Erzählungen meines Vaters weiß ich noch, dass er im 2.Weltkrieg einige Zeit als Soldat dort war.

Die Auseinandersetzung mit diesem Krieg, der dem Belarus einen hohen Blutzoll abverlangte (2,5 Mio. Menschen, mehr als ein Viertel der Bevölkerung, wurden von der deutschen Besatzungsmacht ermordet), hat im Land immer noch eine große Bedeutung und spiegelt sich kritisch auch in einigen Arbeiten der jungen FotokünstlerInnen, etwa in den Porträt-Arbeiten von Alex Kladow oder bei dem Projekt „Good Bye, Motherland“ von Andrei Liankevich.

Eine andere Ansicht als die offizielle vom Staatspräsidenten zeigt Shiarhei Hudzilin in seiner Arbeit mit Nahaufnahmen und Ausschnitten aus stark gepixelten Fernsehaufnahmen.

Weitere Künstler zeigen Werke, die wir in ähnlicher Weise schon gesehen haben, etwa Porträts behinderter Menschen. Und doch sind es hier etwas andere fotografische Blickwinkel. – Von den Bildern aus Tanya Haurylchyks Aufnahmen im Park einer neurologischen Klinik schauen uns die Menschen wie Schauspieler von einer Bühne an- ganz in ihrer eigenen Rolle.

Mir persönlich hat das Gemeinschaftprojekt „The Garden“ von Michael Lechanka und Maxim Shumilin sehr gefallen. Körper- und Landschaftsimpressionen, quadratisch in Schwarz-Weiß und teilweise recht unscharf, wirken wie hingehaucht und geben eine interessante melancholische Stimmung wieder.

Die jungen weißrussischen KünstlerInnen suchen in ihren Arbeiten ihre eigene Identität. Diese Kunst, die zwischen Tradition und modernen internationalen Trends neue Wege geht, ist bisher im Westen kaum bekannt.

Die Auseinandersetzung mit den Arbeiten der weißrussichen jungen Fotokünstler ist lohnenswert und macht neugierig, mehr über das unbekannte Land, seine Menschen und deren Kunst und Kultur zu erfahren.

Die Ausstellung in der Ifa Galerie Stuttgart ist kostenlos und läuft noch bis 12.April 2015

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