Monate: September 2015

Salgados „Genesis“-Fotos neu lesen

Im Frühjahr haben mich die „Genesis“ Fotos von Sebastião Salgado im c/o Berlin tief beeindruckt. Leider habe ich bei aller Begeisterung für Salgado die zur gleichen Zeit im c/o stattfindende Ausstellung „Distanz und Begehren – Begegnung mit dem afrikanischen Archiv“ nicht besucht. Diese sollte als Gegenüberstellung zur Salgados Ausstellung einen politischen Dialog herstellen: Hier spektakuläre zeitgenössische Fotos des weltberühmten brasilianischen Fotografen, dort eine Auseinandersetzung mit dem fotografischen Erbe des Kolonialismus in Afrika – historische Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1870 und der Frühzeit des 20. Jahrhunderts, kontrastiert mit aktuellen Fotografien zeitgenössischer Künstler aus Afrika – kuratiert von Tamar Garb. Die britische Kunsthistorikerin Tamar Garb äussert sich in einem Interview über die heutige Bedeutung kolonialer Bilderwelten kritisch über Salgados Genesis Projekt: Ich würde sagen, dass Salgados Blick einer sehr romantischen Vision folgt, die den Glauben an das Schöne und Erhabene der Natur fördert. Da findet sich ein Hauch von Ruhm und der majestätischen Wirkung, die der Natur im 19. Jahrhundert zugeschrieben wurde, auch wenn Salgado nicht der Erste ist der diese Sicht der Natur verkündet. In …

130 Jahre Bianchi-Räder

Was im Jahr 1885 in einer kleinen Fahrrad-Manufaktur in Mailand begann, ist in 130 Jahren zu einem weltbekannten Unternehmen herangewachsen, das heute zu einem skandinavischem Konsortium gehört. Mehr zur Geschichte der Marke auf der Bianchi US-Homepage Bianchi History und in einem 2010 im Delius Klasing Verlag erschienenen, interessant geschriebenen und gut illustrierten Buch von Daniele Marchesini. Eine Besonderheit und inzwischen ein Markenzeichen ist die Farbe „Celeste“ – ein ins Grün gehendes Blau. Über die Entstehung der Farbe ranken sich Geschichten und Legenden. Gewiss wurde sie nicht nach der Färbung des Himmels über Mailand kreiert und auch nicht nach der Augenfarbe der vormaligen italienischen Königin. Wie oft war es vielleicht nur Zufall, der etwas Besonderes wie dieses „Celeste“ entstehen ließ. Auf jeden Fall war die Farbwahl eine kluge Entscheidung, denn sie sticht ins Auge und fällt selbst im buntesten Peleton auf. Bei Radsportenthusiasten hatte und hat die Marke Bianchi immer einen guten Klang. Sie ruft Erinnerungen an große Ereignisse der Radsportgeschichte wach, auch wenn viele der „Helden“ von damals ihre Karriere und ihren Namen durch Dopingaffären …

Fotojournalismus – Pionierin Marie Goslich

Diesen Sonntag konnte ich noch am letzten Öffnungstag eine feine Ausstellung im Schönbuch-Museum Dettenhausen besuchen – über Marie Goslich, eine erst vor wenigen Jahren wieder entdeckte Pionierin des Fotojournalismus. Die Ausstellung in Dettenhausen entstand im Rahmen eines Studien-Projekts am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen unter Leitung von Dr.Ulrich Hägele. Die kleine Schau war sehr liebevoll gestaltet. Auf Schautafeln und über Audioplayer wurde die Lebensgeschichte von Marie Goslich vorgestellt, und eine Auswahl ihrer Fotos gab Einblick in ihr fotografisches Werk. Einige Alltagsgegenstände aus der Zeit zu Beginn des 20.Jahrhunderts vermittelten den Besuchern Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse. In Dettenhausen wurde Marie Goslich aber nicht zum ersten Mal in der Region Stuttgart der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Mai diesen Jahres war schon in Böblingen ein Vortrag über die Grande Dame des Fotojournalismus von Krystyna Kauffmann zu hören. Der Kulturwissenschaftlerin Krystyna Kauffmann haben wir es zu verdanken, dass wir von der hervorragenden Fotografin und Journalistin heute überhaupt noch etwas erfahren dürfen. Sie ist vor einigen Jahren auf einen Teil des Fotonachlasses von Marie Goslich gestoßen, hat diesen kulturellen …

Rom entdecken

Nicht jeder hat das Glück, ausgewiesene Romkenner unter seinen Freunden zu haben. Ich darf mich zu den Glücklichen zählen und konnte von den vielen Romreise-Erfahrungen meiner Freunde und von deren Wissen als studierte Kunsthistoriker profitieren. Eine individuelle Stadtführung dieser Art ist etwas ganz Spezielles. Die Beteiligten kennen sich und ihre Vorlieben und können so das schier unüberschaubare Angebot kultureller Schätze der Ewigen Stadt auf die besonderen Bedürfnisse der Freunde ausrichten. Bei Stadterkundungen mag ich Richtung und Ziel im Auge behalten, aber auch noch ausreichend Zeit und Raum für ungeplante Überraschungen unterwegs und für die Kleinigkeiten am Wegesrand übrig haben. Organisierte Gruppenführungen offerieren in der Regel ein fest ausgearbeitetes Programm oder einen besonderen Themenschwerpunkt. Da muss man sich schon bei der Buchung gut überlegen, was man möchte. Eine Führung ist auf jeden Fall immer dann hilfreich, wenn wenig Zeit zur Verfügung steht. Tripadvisor bietet ein Fülle unterschiedlichster Angebote mit entsprechenden Kommentaren. Alternativ kann man sich heute auch mit Hilfe von Online-Reiseführern oder entsprechenden apps auf dem Smartphone durch Rom führen lassen. Einen Überblick bietet „Die Zeit …

Rom mit der Tram

Bei unserem ersten Rombesuch letzte Woche hatten wir das Glück, ein sehr schönes, recht zentral gelegenes Appartement gewählt zu haben, in dem wir uns sehr wohl fühlten und von wo wir das historische Stadtzentrum, den Vatikan, die Aussichtsterrassen von Colle Gianicolo, sowie das Stadtviertel Trastevere gut zu Fuß erreichen konnten. Für einen Aufenthalt mit bis zu 4 Personen ist das komfortable Appartement St.Peter Home Holidays sehr zu empfehlen. Wie bei jeder Stadterkundung werden aber nach ein paar Tagen in den Strassen, Gassen und Parks die Füße recht müde. Da ist es eine Wohltat, auch mal die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können und so auch die etwas weiter entfernt gelegenen Quartiere aufzusuchen. Etliche Buslinien hielten direkt um die Ecke. Neben den zahlreichen Bussen bieten sich in Rom aber auch die Straßenbahnlinien für Entdeckungsfahrten an. Ganz in der Nähe des Vatikans, an der Piazza Risorgimento, befindet sich der Endhaltepunkt der Linie 19. Mit dieser Tramlinie kann man in ca. 1 Stunde und 20 Minuten Fahrtzeit auf einer Strecke von über 14 Kilometern die ganze Stadt durchqueren und …

Stuttgart -Tübingen mit dem Rad

Auf der Suche nach einer schnellen Radverbindung von Stuttgart nach Tübingen habe ich mich am Verlauf der alten Bundesstraße über Waldenbuch, Dettenhausen, Bebenhausen orientiert. Von Vaihingen komme ich über gut ausgebaute Feldwege schnell nach Musberg. Von dort lass ich es ein paar Kilometer im Siebenmühlental rollen und fahre auf dem Rad-und Wanderweg der ehemaligen Dampfbahnstrecke nach Waldenbuch. Auf der relativ schmalen Straße nach Dettenhausen ist mir etwas zu viel Autoverkehr. Deshalb wähle ich den „Umweg“ über die steile Strasse nach Weil im Schönbuch, biege noch im Ort links zum Schützenhaus ab, fahre weiter über den Buchenhof, dahinter links auf geteertem Feldweg auf der Höhe wieder zur Hauptstrasse, überquere diese, kurble im kleinen Gang an den Pferdehöfen vorbei steil in den Wald hinauf, um oben auf der herrlichen Streuobstwiese wieder rechts zur Hauptstraße und auf dem Radweg nach Dettenhausen einzubiegen. Auf gut ausgebautem Radweg weiter zum Kreisverkehr Kälberstelle. Dort ist vorerst Ende für Rad und Auto. Die Strasse ist bis Frühjahr 2016 wegen Neubau des Radweges gesperrt. Es bleibt nichts anders übrig als umzudrehen oder die …

Westturm Stiftskirche Stuttgart

Die Aussicht vom kantigen Westturm der Stiftskirche kann jedermann/frau nur zu besonderen Anlässen und an wenigen Tagen im Jahr geniessen. Als ich vor einigen Wochen anlässlich des Evangelischen Kirchentages das erste Mal die enge Wendeltreppe hinauf gestiegen bin und oben auf den schmalen Balkon nach außen trat, war ich vom Rundblick über die Dächer und auf die grünen Hänge Stuttgarts überwältigt. Im Mai war der Turm sogar am Abend geöffnet, und man konnte das bunte Treiben auf den Straßen und Plätzen auch bei Dunkelheit bewundern. Nun ist es bald wieder so weit. Die evangelische Stiftskirchengemeinde hat die nächsten Turmöffnungen für den Herbst 2015 angekündigt: So 13.09., 11.30 – 18.00 Uhr Sa 10.10., 11.00 – 16.00 Uhr Sa 19.12., 15.30 – 17.45 Uhr Ohne Gewähr. Änderungen und evtl. zusätzliche Termine unter www.stiftskirche.de