Monate: Oktober 2015

Fotografie als Denksport

Der Raum für Fotografie Mannheim ZEPHYR empfängt uns mit dem aus der Dunkelkammer noch so vertrauten Geruch von Fotochemikalien. Wie dahin geworfen erscheinen mir die Arbeiten der japanischen Künstlerin Hiroko Komatsu – gleich einem improvisierten Versuchs-Laboratorium. Auf dem Boden verstreut und an den Wänden angebracht Schwarz-Fotos, auf denen Unmengen der verschiedenartigsten Baumaterialien zu sehen sind. Dazu große Fotobahnen – frisch entwickelt und scheinbar nicht richtig ausgewässert – mit Abbildungen vom Durcheinander auf gigantischen Baustellen. Daneben zeigt der Niederländer Frank von Der Salm Ausschnitte von Mega-Citys auf wandfüllenden Digitaldrucken  z.B. eine riesige Front eines noch leerstehenden Hochhauses oder eine beleuchtete Fensterfassade, wie aus Glasbausteinen zusammengesetzt – alles immer etwas unscharf abgebildet. Im nächsten Raum sind unzählige Farbaufnahmen über die Zerstörung alter chinesischer Stadtviertel des inzwischen weltweit bekannten und in seiner chinesischen Heimat verfolgten Konzeptkünstlers Ai Wei Wei zu sehen. Diese Arbeiten, die sich im ZEPHYR mit dem urbanen Wandel kritisch auseinander setzen, sind nur ein kleiner Teil des Fotofestivals Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg, das  sich der großen Herausforderung stellt, an 7 Plätzen in 3 Städten 7 prekäre Felder mit dem Medium der Fotografie darzustellen. Alle …

Wandel und Wege im Herbst

Am Samstag traf sich eine kleine, bunt gemischte Schar naturverbundener Menschen des Deutschen Alpenvereins an der U-Bahnhaltestelle „Degen“ in Stuttgart-Wangen, um von dort hinauf zur Wangener Höhe zu wandern. In wenigen Minuten ist die Wohnbebauung zu Ende, und dann geht es gleich richtig steil hinauf. Schmale, oft kaum zu erkennende alte Wege („Wandel“) – von dichten Hecken und alten Sandstein-Trockenmauern gesäumt – führen Travertin gepflastert über moosbewachsene Staffeln durch die ehemaligen Weinberge. Nach Aufgabe des Weinbaus auf den wenig günstigen Nordhängen des Neckartals sind die einst so wichtigen Zugänge für die Weinbauern aus den Talorten im Laufe der Jahrzehnte zugewachsen und die begrenzenden und den Hang sichernden Mauern eingefallen. Damit drohte auch die Geschichte dieser uralten Kulturlandschaft in Vergessenheit zu geraten. Heute ist die Landschaft hier weitgehend in private Gartengrundstücke aufgeteilt, die nur noch wenig bewirtschaftet werden, teilweise verwildert sind oder ganz und gar auf Freizeitinteresse getrimmt sind. Unsere Begleiterin von der Umweltschutzgruppe der DAV Sektion Stuttgart erläuterte, wie das alte Wandel-Wegenetz in den letzten Jahren im Rahmen eines Landschaftsschutzprogramms der Stadt und Region Stuttgart …