Kultur, Natur
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Wandel und Wege im Herbst

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Am Samstag traf sich eine kleine, bunt gemischte Schar naturverbundener Menschen des Deutschen Alpenvereins an der U-Bahnhaltestelle „Degen“ in Stuttgart-Wangen, um von dort hinauf zur Wangener Höhe zu wandern.

In wenigen Minuten ist die Wohnbebauung zu Ende, und dann geht es gleich richtig steil hinauf. Schmale, oft kaum zu erkennende alte Wege („Wandel“) – von dichten Hecken und alten Sandstein-Trockenmauern gesäumt – führen Travertin gepflastert über moosbewachsene Staffeln durch die ehemaligen Weinberge.

Nach Aufgabe des Weinbaus auf den wenig günstigen Nordhängen des Neckartals sind die einst so wichtigen Zugänge für die Weinbauern aus den Talorten im Laufe der Jahrzehnte zugewachsen und die begrenzenden und den Hang sichernden Mauern eingefallen. Damit drohte auch die Geschichte dieser uralten Kulturlandschaft in Vergessenheit zu geraten. Heute ist die Landschaft hier weitgehend in private Gartengrundstücke aufgeteilt, die nur noch wenig bewirtschaftet werden, teilweise verwildert sind oder ganz und gar auf Freizeitinteresse getrimmt sind.

Unsere Begleiterin von der Umweltschutzgruppe der DAV Sektion Stuttgart erläuterte, wie das alte Wandel-Wegenetz in den letzten Jahren im Rahmen eines Landschaftsschutzprogramms der Stadt und Region Stuttgart wieder freigelegt, in Stand gesetzt und mit kleinen Markierungsplaketten gekennzeichnet wurde, so dass es heute für Wanderer leicht zugänglich ist.

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Immer wieder halten wir inne, um einen Blick in die Industrielandschaft unten im Neckartal zu werfen, uns von kenntnisreichen Teilnehmern die Kunst des Trockenmauerbaus erklären zu lassen, oder uns über die schwierige Balance zwischen Landschaftsschutz und den Nutzungsinteressen der heutigen Gartenbesitzer auszutauschen.

Wir kommen am Aussichtspunkt Schillerlinde vorbei und staunen über die Widerstandskraft der Natur des über Hundert Jahre alten Baumes, wie er den Brandlegungen trotzt und immer wieder regeneriert und neu austreibt.

Schließlich erreichen wir am Eugen-Denneler-Brunnen den Wangener Höhenweg und gehen auf der anderen Hangseite hinab zum Grenzwandel, der oberhalb des Dürrbachtals und den dort noch bewirtschafteten Weinbergen von Rohracker den Hangrücken auf der Südseite quert, und mit seinen erhaltenen Grenzsteinen Zeugnis gibt über die frühen Vermessungen des Landes und die Grenzen zwischen den Ortschaften Rohracker, Wangen und Hedelfingen.

Über den Rohracker Kirchweg, der alte Verbindungsweg zwischen Wangen und Rohracker – das in alten Zeiten noch über keinen eigenen Gottesacker verfügte, und so die Särge mühsam auf diesem Weg zur Bestattung auf dem Friedhof der Wangener Michaelskirche getragen werden mussten – gelangten wir dann wieder auf den gut ausgebauten Rennweg, wo die reifen Portugieser Trauben gerade von den Weinstöcken gelesen wurden.
Am Burgbrünnele verabschiedete sich ein Teil der Gruppe, um hier schon nach Wangen hinunter zu wandern. Die anderen liefen auf der Höhe zurück, ließen bei Kaffee und Kuchen in der Gaststätte Neckarblick die Wanderung ausklingen, um anschließend gemeinsam und mit Bedacht die rutschigen steilen Wandel zur Haltestelle „Degen“ hinab zu steigen.

Ein herzliches Dankeschön den Machern des Wandelerhaltungsprojekts und der Umweltschutzgruppe des Alpenvereins für die schöne Herbstwanderung durch die abwechslungsreiche Landschaft und Natur mitten in der Großstadt.

Auf der Homepage der Stadt Stuttgart gibt es sehr viel Hintergrundinformationen und einen guten Flyer mit Karte über die Wandel und Wege an der Wangener Höhe.

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