Ausstellungen, Fotografie
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Träume – Grete Stern

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Vor dem Gebäude eine lange Schlange gut gelaunter Menschen. Die Touristen stehen hier an, weil sie den phantastischen Blick vom Dach des Circulo de Bellas Artes mitten in Madrid suchen und lassen sich mit dem Fahrstuhl direkt hinauf auf die Dachterrasse mit Bar und Lounge bringen.
Unter der Woche am Vormittag konnte ich ohne Schlangenstehen eintreten und ungestört den Blick weit über die Dächer der Stadt schweifen lassen und in Ruhe auch einen Blick in die aktuellen Ausstellungen de Circulo de Bellas Artes werfen, das für seine guten „esposiciones“ und „espectáculos“ bekannt ist.

Bis zum 30. Januar 2016 kann man dort noch die Serie „Sueños“ (Träume) von der aus Deutschland stammenden und vom Bauhaus geprägten Fotografin Grete Stern bewundern. Die erste künstlerische Ausbildung erhielt Grete Stern von 1923 bis 1925 in der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Danach ging sie für kurze Zeit zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um schließlich ins damals wie heute künstlerisch boomende Berlin zu ziehen und sich dort von dem späteren Bauhauslehrer Walter Peterhans fotografisch schulen zu lassen. Bekannt wurde sie in der Weimarer Republik vor allem durch die gemeinsame Arbeit mit Ellen Auerbach, damals noch Ellen Rosenberg und ihrem gemeinsamen Berliner Atelier „ringl + pit“.

Die politischen Umstände nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten schließlich führten sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem argentinischen Fotografen Horacio Coppola nach London und später nach Argentinien.

Die aktuell in Madrid ausgestellten Auftragsarbeiten aus den Jahren 1948 bis 1951 für die Frauenzeitschrift „Idyilio“ zeigen Fantasiewelten, die überraschen, obwohl wir doch in den modernen Bilderwelten alles bereits gesehen zu haben glauben.
Die mit der damals innovativen Fotomontage technisch perfekt erstellten Traumbilder von Grete Stern sind faszinierende Kunstwerke. Sie bilden Themen kritisch und auch witzig ab, die immer wieder neu zu verhandeln sind: Familie, Kinderwunsch, Karriere, Sexismus und Macht.
Wenn ich mir vorstelle, dass diese Bilder in der südamerikanischen Machowelt vor über 60 Jahren entstanden sind, kann man Grete Stern für ihre mutigen Inszenierungen nur bewundern.

Linktipps

6 „Sueños“-Fotos aus der Ausstellung im Circulo de Bellas Artes Madrid

Biographie Grete Stern mit weiterführenden links

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