Monate: Februar 2016

Jazz open air

Alle Stuhlreihen und auch die kleine Tribüne sind bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, ein freundliches Paar rutscht aber noch etwas enger aneinander, so dass auch ich noch einen Sitzplatz erwische. Die Musiker kommen auf die Bühne und schon geht es mit groovigen Sound los. Ein wahres musikalisches Feuerwerk bietet gleich zum Start die Bigband der Universiadad Playa Ancha. Während im mondänen Viña del Mar das internatinal besetzte Musiksfestival als großes Spektakel in den Medien gefeiert wird, findet nur ein paar Kilometer weiter in der Nachbarstadt Quilpué das Jazzfestival zu Ehren des bekannten chilenischen Jazzmusikers Eugenio Rengifo statt – und dass auch noch bei freiem Eintritt. Auf dem öffentlichen Platz, der inzwischen den Namen des Jazztrompeters und ehemaligen Ratsherrn der Stadt trägt, wurde in diesem Jahr nun schon zum vierten Mal das Beste auf die Bühne gebracht, was die chilenische Jazzszene zu bieten hat, u.a. Francesca Ancarola, Roberto Lecaros, Bruno Riveros, die Big Band der Universität Playa Ancha, Tryo, Jorge Campos,… Diese Musiker sind mir zwar alle unbekannt, aber dennoch wollte ich mir das …

Die Dichterin der Armen

Bei meinem Freiwilligendienst mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich dieses Buch über die Menschen am Rande der Gesellschaft entdeckt, das mich sehr fasziniert: „Rostros con Rastro“ (Gesichter mit Spuren), Edition La Matriz Es enthält Fotografien, Gedichte und Hintergrundtexte über die Ärmsten im alten Hafenviertel. Im Zenrum des Barrio Puerto betreibt die katholische Kirchengemeinde La Matriz seit Jahrzehnten die Anlaufstelle und Suppenküche Comedor 421. Die Schwarz/Weiß-Fotografien des professionellen Fotografen Andrés Nicolini sind für sich schon sehr stark. Das harte Leben auf der Straße hat deutliche Spuren in den markanten Gesichtern hinterlassen und Andrés Nicolini gelingt es eindrucksvoll, mit seinen Bildern die Gesichter zum Sprechen zu bringen. Sie erzählen vom Leben im Schatten, von Armut, Hunger, Schmerz und Einsamkeit. Noch mehr haben mich aber die ergänzenden kleinen Verse berührt. Auch wenn mir manch sprachliche Feinheit der spanischen Gedichte (noch) verschlossen bleibt. Die Melodie der Verse und die einfühlsamen Worte haben mich sofort gefangen genommen. Was ist das wohl für eine Frau, die dies schreibt? Mariposa Mariposa, mariposa regáleme destellos de colores para pintar tu lindo pelo Y …

Das Leben auf der Straße

Als ich im letzten November in Madrid war, wohnte ich am zentral gelegenen Plaza Empajadores. Erstaunlich für mich war, wie sichtbar und scheinbar ganz normal doch Obdachlosigkeit hier heute wieder ist. Am Abend breiten die Obdachlosen ihre Pappkartons als Schlafstatt in Hauseingängen, am Straßenrand oder in Parks aus, verbringen so die Nacht, um am Morgen ihre wenigen Habseligkeiten wieder zusammen zu raffen und sich irgendwo in der Stadt ein paar Euros für das Essen zu verdienen. Menschen ohne Wohnung gibt es auch im wohlhabenden Deutschland. Wie viele dies sind, wissen wir nicht. Es gibt keine bundesweite Datenerhebung. Das ist schon erstaunlich, wo heute doch fast alles statistisch erfassst wird. Nur einige Bundesländer erheben die Zahlen der Wohnungslosen, u.a. Baden-Württemberg. Nach einer aktuellen Studie des Sozialministeriums Baden-Württembergs gibt es auch hier immer mehr Wohnungslose. Die Ursachen sind sehr komplex, aber die Schere zwischen Armen und Reichen geht weiter auseinander in der globalisierten Welt. Nun bin ich in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso und leiste in einer Obdachloseneinrichtung von Hogar de Cristo, dem größten Soialwerk Chiles, ein wenig …

Spanischkurs in Valparaiso

Begleitend zur Freiwilligenarbeit mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich in den ersten zwei Wochen einen Intensivkurs in der Sprachschule von Nataliscap besucht, um meine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Die Sprachschule verfügt nahe des Hafens am Plaza Sotomayor über mehrere Kursräume. Sie bietet Kleingruppen- und Einzelunterricht an und stellt den Kursteilnehmern ein eigenes Lehrbuch, ein Übungsbuch sowie einen Kärtchenblock zum Konjugationstraining zur Verfügung. Carla, die sympathische junge Lehrerin, gab hilfreiche Tipps zur Vermeidung typischer Stolpersteine im Spanischen, trainierte die grammatikalischen Lücken und vermittelte spielerisch und humorvoll einige kulturelle und sprachliche Besonderheiten in Chile. Mir hat besonders gut gefallen, wie gut sie auf Fragen und Fehler einging. Auch die grammatikalischen Themen hat Carla sehr systematisch und prägnant behandelt, so das es nie langweilig wurde. Trotz aller Anstrengung war der Unterricht für mich recht kurzweilig und hat mir immer viel Spaß gemacht.

Sergio Larrain – Retrospectiva

In Valparaiso/Chile sollte man unbedingt auch das Museo de Bellas Artes ansehen. Es liegt im Barrio Cerro Alegre, ohnehin einer der von Touristen meist besuchten Stadtteile. Beim heutigen Bummel durch das bunte Viertel wollte ich also den Palacio Barburizza, eine herrschaftliche Villa mit Gemälden chilenischer Künstler aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundern. Dort habe ich dann gesehen, dass hier gerade auch noch eine kostbare Fotoausstellung wird. Ein Genuss für mich, die wunderbaren S/W-Aufnahmen, das meisterliche Spiel mit Licht und Schatten, des chilenischen Magnum-Fotografen Sergio Larrain aus den 50iger und 60iger Jahren zu betrachten. Ein Scherpunkt dieser Auwahl aus seinem umfassenden Werk bilden Fotos aus Valparaiso. Larrain streift mit seiner Leica durch die Gassen, den Hafen und den Strand, dokumentiert Sznen aus dem Alltagsleben in der Stadt. Ihn interessieren dabei vor allem auch die Menschen am Rande der Gesellschaft. Das Treiben der Matrosen in den alten Hafenkneipen, die traurigen Gesichter junger Prostituierter, das armselige Leben der Straßenkinder aus jener Zeit, werden in seinen Bildern wieder lebendig. Linktipps Retrospektive Sergio Lorrain Sergio Larrain bei Magnum

Auf Darwins Spuren

Jetzt bin ich für ein paar Wochen in der quirligen chilenischen Hafenstadt Valparaiso und will hier auf jeden Fall auch einige Ausflüge in die Natur unternehmen. In Chile müssen es nicht unbedingt die Anden sein für schöne Bergtouren. Auch die Küstenkordillere in Zentralchile bietet im Biosphärenreservat Parque National de Campana wunderschöne Wandermöglichkeiten in einer Landschaft mit sehr vielfältiger und abwechslungsreicher Flora und Fauna. Schon Charles Darwin ist bei seinen Forschungs-und Entdeckungsreisen 1834 auf den Gipfel des Campana gestiegen. Am letzten Wochenende bin ich mit der Metro Reginal bequem von Valparaiso direkt hinauf in ein durch den Gemüseanbau bekanntes Tal um das Provinzstädtchen Limache gefahren, und von dort dann mit dem Bus in den Ort Olmué zu einem der Zugänge in den Nationalpark. Bis zum Gipfel reichte es an diesem Tag nicht. Dafür benötigt man gut 10 Stunden, und am Wochenende fährt die erste Metro in Valparaiso erst um 8.30 Uhr ab – zu spät für ein Gipfelziel. Aber der Sendero Andinista, -zunächst an schattigen Picknickplätzen vorbei, dann durch den Wald steil hinauf bis zum Aussichtspunkt …