Gesellschaft, Reisen

Das Leben auf der Straße

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Als ich im letzten November in Madrid war, wohnte ich am zentral gelegenen Plaza Empajadores.

Erstaunlich für mich war, wie sichtbar und scheinbar ganz normal doch Obdachlosigkeit hier heute wieder ist.
Am Abend breiten die Obdachlosen ihre Pappkartons als Schlafstatt in Hauseingängen, am Straßenrand oder in Parks aus, verbringen so die Nacht, um am Morgen ihre wenigen Habseligkeiten wieder zusammen zu raffen und sich irgendwo in der Stadt ein paar Euros für das Essen zu verdienen.

Menschen ohne Wohnung gibt es auch im wohlhabenden Deutschland. Wie viele dies sind, wissen wir nicht. Es gibt keine bundesweite Datenerhebung. Das ist schon erstaunlich, wo heute doch fast alles statistisch erfassst wird. Nur einige Bundesländer erheben die Zahlen der Wohnungslosen, u.a. Baden-Württemberg. Nach einer aktuellen Studie des Sozialministeriums Baden-Württembergs gibt es auch hier immer mehr Wohnungslose.
Die Ursachen sind sehr komplex, aber die Schere zwischen Armen und Reichen geht weiter auseinander in der globalisierten Welt.

Nun bin ich in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso und leiste in einer Obdachloseneinrichtung von Hogar de Cristo, dem größten Soialwerk Chiles, ein wenig Freiwilligendienst.

In der Hospederia, eine Schlafstätte, helfe ich mit bei der Vorbereitung des Abendessens, beim Sortieren der eingehenden Kleiderspenden, bei kleineren handwerklichen Reparaturen, usw.
Es gelingt mir auch, mit dem Einen oder Anderen ins Gespräch zu kommen. Mir scheint, dass ihnen diese Aufmerksamkeit gut tut.
Dann fahre ich mit chilenischen Ehrenamtlichen zu den Personen, die nicht in die Hospederia kommen können oder wollen – zu ihren armseligen Behausungen und Treffpunkten, um warme Suppe, Kaffee und belegte Brötchen anzubieten.

Viele dieser Menschen arbeiten, meist im sehr prekären Bereich z.B als Handlanger, Parkplatzwächter, Autowäscher oder Helfer bei anderen Dienstleistungen, und doch reicht das so verdiente wenige Geld niemals zum Wohnen.
Die Leute von Hogar de Cristo, und all die andern sozialen Einrichtungen für Obdachlose leisten hier unendlich Wertvolles für die armen Menschen von der Straße.
Davor habe ich den größten Respekt.