Monate: März 2016

Bibliotheken – mehr als Bücher

Das wunderschöne alte Gebäude am Plaza Simón Bolíva, ganz zentral gelegen in der Weltkulturerbe Stadt Valparaíso/Chile, beherbigt die Stadtbücherei Santiago Severin. Eine Bücherei, die Geschichte atmet, sich aber heute als moderne aufgeschlossene Kultureinrichtung zeigt. Neben dem umfassenden Buch- und Zeitschriftenbestand und den Computerarbeitsplätzen wird den Porteños, wie sich die Leute der alten chilenischen Hafenstadt nennen, hier mit Lesungen, Konzerten und Ausstellungene ein breites kulturelles Angebot bereit gestellt. Da trifft genau das zu, was in einer Werbekampagne als Botschaft vermittelt wird: „Bibliotheken sind mehr als Bücher“ Ich habe sehr gerne den Leseraum genutzt, um hier in Ruhe zu schmökern und Spanisch zu lernen. Vermisst habe ich nur ein Bistro oder Café im Haus. Um einen Kaffee zu trinken muss man das Bibliotheksgebäude verlassen und direkt an der Straßenecke gegenüber im gemütlichen „Puro Café“ einkehren. Manchmal blieb ich dort hängen, habe die Leute betrachtet und studiert und dabei die Rückkehr in den Lesesaal vergessen. Nun gut, ich bin ja schliesslich hier, um Land und Leute kennen zu lernen und das nicht nur über Bücher.

Hostal Marisol – Zuhause in Chile

Für die Dauer meines Chile-Aufenthalts von etwa 2 Monaten wollte ich sehr gerne in einer Familie wohnen, um mehr von der Alltagskultur des Landes mitzubekommen, und auch um täglich Spanisch zu üben. Nun habe ich mit der Familie Salinas in Valparaíso, die mir die Agentur ChileInside vermittelte, ausgesprochenes Glück. Vom ersten Tag an wurde ich herzlich willkommen geheißen , und alle geben mir hier das Gefühl, dass ich ganz selbstverständlich zur Familie gehöre, obwohl ich als Rentner hier schon eine Ausnahme bin. Eigentlich betreibt die Familie ein Hostal, das aber nicht anonym als Gästehaus geführt wird, sondern wie eine Großfamilie in einem Mehrgenerationenhaus. Außer den Gastgebern, Marisol und ihrem Mann Mario wohnen noch die erwachsene Tochter und der studierende Sohn sowie die Großmutter im Haus, Ach ja,  zwei ruhige Katzen und der kleine verspielte junge Hund gehören auch noch dazu. Dann kommen als weitere Mitbewohner derzeit noch 8 StudentenInnen hinzu, die in den zwei geräumigen Gebäuden bequem Platz finden. In den Semesterferien waren nur die 3 amerikanischen Austauschstudentinnen da, während die Chilenen bei ihren Eltern …

Container-Hotel

Als ich das erste Mal in der wilden Natur der Westfjorde auf Island eine Hotelanlage aus Containern sah, war ich etwas irritiert, wenn nicht gar schockiert. Wie kann man diese Allerweltstransportkisten nur in diese phantastische Landschaft stellen? Es war eine lieblose Aneinanderreihung von weißen Baucontainern – ohne besondere gestalterische Elemente, rein funktional in die Landschaft platziert. Bei weiterer Überlegung fand ich diese Idee gar nicht schlecht und nach der intensiveren Beschäftigung mit Containerbauten – einem weltweiten Trend innovativer Architekten und Bauherren – fasziniert mich die Idee, die industriell gefertigten, weltweit eingesetzten, stabilen und genormten Container für (Wohn-)bauten zu nutzen. Während meines Aufenthalts in Valparaíso/Chile entdecke ich hier auf dem Cerro Mariposa gleich in der Nachbarschaft nun ein solches Containerhotel-Bauprojekt. Mein erster Eindruck ist recht positiv. Hier, wo der Containerhafen die Stadt mit prägt, ist dieses Projekr hier wohl doch am richtigen Platz. Zudem wird diese Region öfters von Erdbeben heimgesucht. Auch aus diesem Grund machen stabile Container als Bauelemente Sinn. Ein aus Neuseeland stammender und in Chile recht erfolgreicher Weinbauer hat die Idee mit dem …

Wandern in den Anden

Nachdem ich vom Gipfel des Campana in den Küstenkordilleren einen Blick auf die faszinierende Andenkette werfen konnte, wollte ich nun  auch unbedingt die Anden besuchen. Sie sind von meinem Aufenthaltsort in Valparaíso ja näher als die Alpen von Stuttgart aus. So habe ich für ein paar Tage im Rifugio Lo Valdés des Club Andino Alemán ein Zimmer gebucht und von dort ausgedehnte Wanderungen in die Seitentäler des Cajón de Maipo unternommen. Eine gute Adresse für Andentourn unweit Santiagos. Am ersten Tag entspanntes Gehen von den heißen Quellen in dem kleinen Weiler Baño Morales hinauf ins Hochtal El Morado, ein Naturdenkmal, das von Conaf, der Organisarion für alle National- und Naturparks Chiles, verwaltet wird. Ein buntes Meer von Blüten unterschiedlichster Farben schmückte die Hänge links und rechts des Weges, und bevor ich weiter bis zum Gletscher San Francisco am Talschluss gehen konnte, erwartete mich ein Entenpaar auf der kleinen Laguna Morales. Hier hielt ich Rast, und in Erwartung einiger Brotkrumen kamen die kleinen Vögel immer näher. Was für eine Idylle – außer mir nur noch drei …

Pablo Neruda – Casas y Cosas

„La Sebastiana“ hoch oben auf dem Cerro Bellavista in Valparaíso, „La Isla Negra“- das Haus am Meer, und „La Chascona“ – sein Domizil in der Hauptstadt Santiago de Chile, -die Privathäuser oder besser Anwesen Pablo Nerudas sind heute Museen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von der Stiftung Pablo Neruda verwalteten Museen sind beliebte Touristenziele, nicht nur für Literaturliebhaber. Es sind weniger die vor allem in „La Chascona“ ausgestellten Exponate vom literarischen Schaffen des Nobelpreisträgers, die den Reiz eines Besuchs ausmachen, als vielmehr die Gestaltung und Einrichtung der Häuser als Gesamtkunstwerke. Alle Räume sind sehr individuell konstruiert, ja in gewisser Weise geradezu komponiert und mit feinen, seltenen Sammlerstücken aus der ganzen Welt bestückt. Spuren seines Lebens, von der Kindheit und Jugend auf dem Land, von seinen Auslandsstationen im diplomatischen Dienst Chiles, den Freundschaften mit Künstlern aus aller Welt und den Beziehungen zu seinen Frauen. Die ganze Persönlichkeit des Poeten kommt in diesen Räumen zum Ausdruck – verspielt, und das Kind im Manne bewahrt bis ins Alter. Dann die phantastischen Lagen der Anwesen: „La Sebastiana“ – …

Quisco – Die Königin der Nacht

Es ist ein Naturspektakel ohnegleichen, dem ich hier beiwohne – und das jetzt schon seit mehr als zwei Wochen. Direkt vor dem Fenster meines Hostals hier in Valparaíso/Chile steht ein stattlicher Kaktus – mehr als 3 Meter hoch-, den sie hier in Chile „Quisco“ nennen, und der hauptsächlich im Norden und der Mitte Chiles wächst. Dieser bietet jeden Abend eine unvorstellbar gigantische Blütenshow. Mehrere, – einmal bestimmt bis zu einem Dutzend – wunderschöne, etwa 20 cm große, mehrblättrige weiße Blüten, die bis zum Morgen ihre ganze Pracht entfalten, und an deren Nektar sich dann Schwärme von Insekten laben. Nur wenige Stunden später setzt aber auch schon die Verwelkung ein, und im Laufe des Tages schrumpfen sie auch schon wieder vollends zusammen, um dann schließlich bald abzufallen, und den Nächsten für die Entfaltung Platz zu machen. Eine solche Blütenshow habe ich zuvor noch nie gesehen, und schon gar nicht von der ersten Reihe, auf Augenhöhe mit dem Geschehen auf der Bühne, auf der dieses gewaltige Naturschauspiel abläuft. Es ist eine wahre Freude dem zuzuschauen.

Cafés in Valparaíso

Gerne verweile ich allein im Café. Ich mag es, die Zeitung zu lesen, den Leuten zuzuschauen, und natürlich genieße ich immer auch einen guten Kaffee, leckeren Kuchen, und gelegentlich auch eine kleine herzhafte Mahlzeit. Oft spüre ich schon beim ersten Besuch, ob ich die Atmosphäre in dem Café mag oder nicht. Woran es liegt, weiß ich oft gar nicht. Es muss nichts Besonderes sein. Meist sind es nur Kleingleiten, die den Ausschlag geben. Eine nette Einrichtungsidee, freundliche Bedieung, und klar – natürlich auch die Qualität des Kaffees. Musik muss nicht, darf aber sein, sie sollte jedoch nicht dominieren. Das Licht mag eine Rolle spielen,… Was auf jeden Fall sein sollte, ist der Blick auf die Straße, im Sommer auch gerne der Sitzplatz draußen. Zwar möchte ich mich für den Kaffegenuss aus der Stadt etwas zurückziehen, andererseits auch noch am streetlife teilnehmen. Den Cafébesuch in einer fremden Stadt mag ich besonders gern. So glaube ich mich gut einzufühlen in die urbane Kultur jener Stadt. Hier meine ich ihre Schwingungen am besten aufzunehmen. Zwar verfügt Chile nicht …

Der Berg ruft – La Campana

Die Bergwanderung auf Darwins Spuren im Nationalpark La Campana in der Region Valparaiso hat mir sehr gut gefallen. Schade nur, dass es an diesem Tag nicht ganz hinauf auf den Berg gelangt hat. Die Aussicht wird doch so gepriesen. Gestern bin ich nun ganz früh aufgestanden, um bis auf den Gipfel des Campana zu steigen. Von 400m auf 1880m und wieder runter war für mich doch ganz schön anstrengend – puuh. Mit Pausen habe ich dazu insgesamt fast 9 Stunden gebraucht. Oben angekommen, war dann die Fernsicht doch nicht mehr so gut, da inzwischen Wolken aufgezogen sind. Aber immerhin war die Andenkette am Horizont schemenhaft noch zu erkennen. Insegeamt war es wieder eine ganz tolle Tour und dazu noch mit recht exotischer Flora.