Ausstellungen, Fotografie
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Valparaiso heute?

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Valparaiso heute, so der Titel der aktuellen Fotoausstellung mit 60 Farbaufnahmen des chilenischen Fotografen Aref Cosma in großzügigen Räumlichkeiten der Nachbarstadt Viña del Mar.

Die Bilder zeigen die Verbundenheit des Fotografen mit dieser Stadt, den Stolz auf die Tradition, die heute noch überall sichtbar wird. Auch die Aufgeschlossenehit gegenüber neuen Tendenzen werden sichtbar, etwa in den für Valparaiso heute so typischen bunten Wandmalerien und bizarren Graffiti.
Die Machart der Aufnahmen sind eher noch durch klassische Aufnahmetechniken geprägt, fotografiert und bearbeit wurden sie aber mit digitaler Zechnik.

Aref Cosmas sehr schöne Bilder sind eine Hommage an diese Stadt und könnten uneingeschränkt vom Tourismusbüro für Werbezwecke eingesetzt werden. Auf den ersten Blick erfreuen mich die Aufnahmen sehr. Am Ende bleibt aber eine gewisse Irritation zurück.

Ich bin nun schon einen Monat hier und sehe auch: den Schmutz und Lärm des quirligen Zentrums, die halb zerstörten und auch leerstehenden Gebäude, die streuenden Hunde und deren Hinterlassenschaften, die bunte Vielfalt der Läden und Straßenverkäufer, die unzähligen Bars, Cafés und Restaurants, die teils offenen Werkstätten, die maroden Gehwege und Treppen, das lebendige Treiben auf den Straßen, Plätzen und Märkten,…

Weil von diesen und anderen (Schatten)-Seiten in den Fotografien nichts zu sehen ist, wird die Ausstellung aus meiner Sicht ihrem Anspruch nicht gerecht. Das heutige Valparaiso ist viel facettenreicher, quirliger und lebendiger als hier gezeigt.
Jeder hat seinen eigenen Blick. Dennoch würde ich dem Fotografen etwas mehr Mut wünschen, die Aufmerksamkeit nicht nur dem „geschönten“ Valparaiso mit seinen „Postkartenmotiven“ zu widmen, sondern auch den anderen Seiten der urbanen Vielfalt dieser Stadt.

Im Gegensatz zu den Bildern von Aref Cosma zeigen die alten Valparaiso-Aufnahmen in der Retrospektive von Sergi Larrain im Palacio Barburizza andere Facetten Valparaisos aus jener Zeit.

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