Fahrrad, Gesellschaft
Schreibe einen Kommentar

Ökomobilität- Nachbarschaft in Bewegung

image

Eine kleine Schar interessierter Zuhörer lauscht gespannt auf die erstaunlichen Geschichten, die Dr. Konrad Otto-Zimmerman aus Südkorea und Südafrika zum Kolloquium des Instituts für Städtebau an der Universität Stuttgart mitgebracht hat.

Auf sehr sympathische Art und mit beeindruckenden Bildern konnte der Referent in seinem Vortrag über „Ecomobility World Festivals als Instrument der Stadtentwicklung – Zukunft heute!“ ein wenig von der Lebendigkeit dieser einzigartigen urbanen Experimente in Suwon/Südkorea und Johannesburg/Südafrika in den nüchternen Seminarraum des Stuttgarter Uni-Hochhauses an der Keplerstrasse übertragen.

Konrad Otto-Zimmermanna, der Kreativ Direktor der Urban Idea GmbH aus Freiburg, verfügt über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von lebenswerten städtischen Umwelten. Schon in den 70iger Jahren war er beim Umweltministerium verantwortlich für das Bundesmodellprojekt „Fahrradfreundliche Stadt“. Als Generalsekretär von ICLEI, einem weltweitem Verband von Kommunen, die sich der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in besonderer Weise verpflichtet haben, hat Konrad Otto-Zimmermann später weltweit Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten beraten und unterstützt. Bei „Urban Idea“ schließlich entwarf er mit einem jungen Team die Idee der „Ökomobilitäts Festivals“.

Dabei wird in einem normalen Stadtquartier ein Monat lang das gewohnte Mobiliätsverhalten der Bewohner durch erhebliche Eingriffe in das städtische Verkehrskonzept auf das menschliche Maß umgestellt. Wie in allen modernen Städten stellt dabei die Reduzierung oder auch das zeitweilige Verbot des Autoverkehrs eine der größten Herausforderungen dar. Aber nicht nur das, auch die parkenden Autos müssen entfernt und innovative Verkehrsdienste bereitgestellt werden, um die Straßen wieder für den Menschen zugänglich zu machen.

Im Jahr 2013 fand das erste Ecomobility World Festival in der südkoreanischen Stadt Suwon statt. Für Konrad Otto-Zimmermann war dabei das Wichtigste, Bilder einer ökomobilen Stadt zu erzeugen, die in Erinnerung bleiben und dauerhafte Veränderungen in der städtischen Umwelt einleiten. Der junge Bürgermeister von Suwon war sehr offen für das Projekt. Er wollte mit dem Festival das Startsignal geben für den nachhaltigen Umbau seiner Stadt.

So weit so gut, aber welche Herausforderungen mit dem einmonatigen Festival tatsächlich verbunden waren, stellte sich dann erst bei der Vorbereitung und Realisierung heraus. Wie nicht anders zu erwarten, gab es neben vielen Befürwortern natürlich auch in Suwon Bedenkenträger und im Vorfeld erhebliche Proteste von Bürgern und Geschäftsleuten gegen das geplante Vorhaben.

Im Dialog mit den Gegnern konnte man dann doch viele Bedenken ausräumen und durch relativ kleine Zugeständnisse einige anfängliche Protestler als Unterstützer des Festivals und vor allem als Befürworter eines Umbaus der Stadt gewinnen.

Dem Festival ist es schließlich gelungen, den Stadtteil für einen Monat total zu verändern. Die Menschen gingen wieder zu Fuß, nutzten das Fahrrad und viele andere ökomobile Verkehrsmittel, kamen auf ganz andere Weise wieder miteinander in Kontakt und bildeten schließlich Nachbarschaftsinitiativen, die sich auch nach Ende des Festivals weiter für die Veränderung ihres Stadtteils einsetzen.

Das zweite Ecomobility World Festival fand in einem Stadtquartier mit ganz anderen Voraussetzungen 2015 in Johannesburg statt. Hier ging es dem Bürgermeister darum, mit dem Festival das immer noch durch die Trennung von Schwarzen und Weißen geprägte Alltagsverhalten in der Stadt zu verändern. Durch die überwiegende Nutzung des Autos zum Arbeitsplatz und zum Einkaufen in die Stadt, haben die Weißen eigentlich sehr selten direkten Kontakt mit den Schwarzen, die in anderen Quartieren leben und mit Bussen zur Arbeit fahren.
Auch hier ist es durch das Festival gelungen, den Menschen zu zeigen, dass Veränderungen möglich sind und dass es anders besser geht.

Die Erfahrungen der Ecomobility World Festivals sind in zwei Büchern des Jovis Verlags Berlin sehr gut dokumentiert.

Konrad Otto-Zimmermann, Yeonhee Park (Herausgeber), Neighborhood in Motion, Berlin 2015

Konrad Otto-Zimmermann (Herausgeber), Change the way you move, Berlin Juni 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.