Ausstellungen, Kultur
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Denkmäler – spannende Orte

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Heute – am Tag des offenen Denkmals haben wir uns mit dem Rad auf den Weg gemacht, um in Stuttgart – unserer Stadt – Orte zu besuchen, die uns bislang gänzlich unbekannt waren.
Bei den vielen Angeboten an diesem Tag mussten wir uns natürlich beschränken und haben drei Orte ausgewählt, die unterschiedlicher nicht sein können.

Am Morgen sind wir zunächst zum Uni-Campus in Vaihingen gefahren, um das dort etwas versteckt gelegene ILEK – Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren anzuschauen. Ein Teil des Instituts befindet sich in einem außergewöhnlichen Gebäude – dem berühmten Zeltbau, der einst zur Erprobung der Konstruktion des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal erstellt wurde. Das ILEK Gebäude mit der Zeltdachkonstruktion am Pfaffenwaldring 14 gilt inzwischen als Architektur-Ikone und erinnert ein wenig an ein Indianer-Zelt.
In einem kleinen Vortrag wurden für die Besucher die Besonderheiten der Konstruktion und die Herausforderungen an die Materialien erläutert, wie auch die Veränderungen und Verbesserungen, die im Laufe der Jahre bei Renovierungsarbeiten erfolgt sind, ohne das Architekturdenkmal in seiner Substanz zu gefährden. Die hier erprobte geschwungene Dachkonstruktion von Frei Otto hat er später bei vielen anderen berühmten Projekten weiter entwickelt – wie etwa beim Zeltdach des Münchner Olympiastadions.
Für mich war es schon erstaunlich zu sehen, dass dieser revolutionäre Bau weiter als Institutsgebäude und Arbeitsplatz für mehr als 20 Mitarbeiter funktioniert.

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Als nächste Station unserer kleinen Fahrrad-Denkmaltour wählten wir die Kettenhäuser des chinesischen Architekten Chen Kuen Lee in Stuttgart Sonnenberg aus dem Jahr 1963.
Eine große Ausstellung in der Galerie des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen hat im vergangenen Jahr den schon in Vergessenheit geratenen Architekten und seine Gebäude – auch in Stuttgart – wieder etwas in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.
Die als Wohnhäuser für Arbeiter des benachbarten Gartenbaubetriebs Haag geplanten und schon zum Abriss freigegebenen Häuser werden nach intensiver denkmalgerechter Renovierung heute zum einen mit der Galerie Sonnenberg und zum anderen für private Wohnraum des jetzigen Eigentümers genutzt.
Der zugängliche, als Galerie genutzte Teil vermittelt einen sehr guten Eindruck von den Ideen und Gestaltungsprinzipen des chinesischen Architekten, der in den dreißiger Jahren in Deutschland studiert hat und vom Bauhaus geprägt ist.
Mir erscheinen die hellen, minimalistisch konstruierten Reihenhäuser – sehr modern. Die kleinen für Arbeiter gebauten Wohnungen auf zwei Etagen wirken durch den relativ großen konstruktionsbedingten Lichteinfall und die Verbindung mit dem zu jeder Wohneinheit gehörenden kleinen Gartenteil auf mich trotz der sehr geringen Raumhöhe nicht zu bedrückend oder zu eng.

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Letztes Ziel für den Denkmal war dann das geplante „Haus der Stille“ im ehemaligen Garnisonsschützenhaus am Dornhaldenfriedhof. Hier gibt es außer großem bürgerschaftlichen Engagement und vielen Stolpersteinen im städtischen Verwaltungsdschungel noch wenig Erfolg für den Denkmalschutz vorzuweisen.
Dieses Kleinod muss erst noch aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden und viel mehr ungenutzte Zeit darf nicht verstreichen, ansonsten ist dieses Gebäude mit seiner wechselvollen Geschichte wohl dem Verfall preisgegeben.
Umso erfreulicher ist es für mich, der die Bürgerinitiative für die Rettung und sinnvolle Nutzung des ehemaligen Garnisonsschützenhauses mit großem Interesse verfolgt, dass trotz anfänglichen Verbots der Stadt das Gebäude nun doch am Tag des offenen Denkmals für die Besichtigung und Vorstellung der bisherigen Überlegungen zur zukünftigen Nutzung geöffnet werden konnte. Die Resonanz war sehr groß und die meisten Besucher schienen besorgt wenn nicht gar bestürzt, dass die Stadt Stuttgart nicht schon längst selbst initiativ geworden ist, um dieses denkmalgeschützte Gebäude zu retten.

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