Kultur
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Sensation in Marbach vorgestellt

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Zum Abschluss der Schillerwoche öffnen die beiden Marbacher Literaturmuseen wieder ihre Türen in die Welt der Literatur. Da ist die Seele des Archivs mit seinen Unmengen an Exponaten, die Literatur und die Entstehung von Literatur den Bücherfreunden begreifbar machen.

Das vielfältige Tagesprogramm mit allerlei Führungen und Vorträgen in den Literaturtempeln bot mit einer spannenden Unterhaltung über Ruth Landshoff-Yorck gleich zu Beginn ein Highlight an, für den sich der Ausflug zur Marbacher Schillerhöhe an diesem sonnigen Herbsttag bereits gelohnt hat.

Die Basis des Gesprächs war ein erst vor kurzem in Marbach eingetroffener Dachbodenfund aus Amerika mit Briefen, Manuskripten und Fotos aus dem Nachlass der schillernden Bohème-Lady.

Jan Bürger und Heike Gfrereis vom Literaturarchiv und der Schriftsteller Thomas Meinecke nahmen die Zuhörer mit auf eine aufregende Zeitreise und ließen sie teilhaben am Stöbern in dem neu erworbenen Nachlass und an den literarisch und künstlerisch hochinteressanten Entdeckungen. Stück für Stück flochten sie mit kleinen Anekdoten und allerlei Hintergrundinformationen ein Netz von Querbezügen zu anderen Künstlern und deren Nachlässen aus dem Marbacher Archiv, so dass von Ruth Landshoff-Yorck und vielen der heute fast schon vergessenen Weggefährten aus der Zeit der Weimarer Republik ein facettenreiches buntes Bild entstand.

Zum Freundes- und Bekanntenkreis der im Programm als It-Girl bezeichneten Schauspielerin, Tänzerin und Schriftstellerin Landshoff-Yorck zählte wohl alles, was im Berlin der 20 ger Jahre in Künstlerkreisen Rang und Namen hatte: Marlene Dietrich, Josephine Baker, Max Reinhardt und immer wieder der Name eines Mannes, in dessen Salon am Pariser Platz wohl die Fäden dieses Netzwerks zusammen liefen – Karl-Gustav Vollmöller, eine schillernde Persönlichkeit: Archäologe, Flugzeugkonstrukteur, Schrifsteller, Drehbuchautor, Übersetzer und Mitglied einer Textilunternehmer-familie, die in Vaihingen auf den Fildern (heute ein Stadtbezirk Stuttgarts) einst eines der weltweit größten Textilfabriken besaßen.
Geradezu als Sensation darf man wohl die vermutlich von Karl Vollmöller stammenden und hier erstmals öffentlich gezeigten Fotografien von Ruth Landshoff und Josephine Baker ansehen.

Man darf sich darauf freuen, welche Schätze die Marbacher Archivare noch alles aus diesem Koffer zaubern und in der Dauerausstellung zeigen werden. Ich jedenfalls hätte goße Lust mehr zu erfahren und an den neuen Entdeckungen teilzuhaben.

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