Ausstellungen, Kunst
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Skulpturen Münster


Seit dem ersten großen Münsteraner Skulpturen Projekt im Jahr 1977, das damals sowohl unter den Konservativen wie auch bei den studentischen Linken recht umstritten war, habe ich jetzt die nur alle 10 Jahre stattfindende Ausstellung das erste Mal wieder besucht.

1977 konnte ich mit dieser Art von Kunst im öffentlichen Raum überhaupt nichts anfangen. Ich war der Meinung, das Geld sei besser für soziale Projekte angelegt. Besonders forsche, und wohl auch recht alkoholisierte Studenten wollten 1977 nach einem großen Fest in der Mensa die Kugeln von Claes Oldenburg gar in den Aasee rollen. Ein vergebliches Unterfangen! Die gut verankerte zentnerschwere Betonskulptur konnte von den Kunstbanausen nur geringfügig bewegt werden.

Nicht nur mein Kunstverständnis hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, auch in Münster sind die Kritiker verstummt. Heute ist man in Münster stolz auf die Skulpturen. Etliche Kunstwerke wurden aufgekauft und entwickelten sich zu Wahrzeichen der Stadt, so auch Claes Oldenburgs „Giant Pool Balls“. Die Skulpturen haben einen hohen Stellenwert, nicht nur für den Tourismus in Münster. Auch in der internationalen Kunstwelt geniesst die Skulpturenausstellung sehr große Wertschätzung.

Natürlich konnte ich in der kurzen Zeit meines Aufenthalts nur einen Teil der Skulpturen ansehen. Aber die besondere Atmosphäre in der Stadt mit Besuchern aus aller Welt war allein schon ein Erlebnis. Und das, was ich am Kunstwerken gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt. Da kann ich die Anziehungskraft, die diese Ausstellungen nun über einen so langen Zeitraum ausüben, durchaus nachvollziehen.

Eindeutiger Publikumsmagnet in diesem Jahr – und auch von den Medien sehr stark in den Mittelpunkt gerückt – ist die Skulptur „On water“ von Ayse Erkmen am Mittelhafen. Hier liegt die eigentliche Installation unter Wasser, und die Skulptur lebt davon, dass der Besucher  im Wasser durch das Hafenbecken geht.
Auch die Skulpturengruppe „Sketch for a Fountain“ aus lustvoll nackerten Gestalten als Wasserspiel im Einklang mit der Natur an Münsters Promenade findet großen Gefallen. Diese Installation rief aber auch Frevler auf den Plan. Einer Figur wurde der Kopf geraubt. Wohl nicht weiter tragisch – denn den Besuchern scheint das Werk auch so gut zu gefallen.

Gefallen findet auch die Arbeit „A work in situ“ von John Knight. Hier bringt der Künstler eine überdimensionierte Wasserwaage an einer Gebäudekante des Landesmuseum-Neubaus am Domplatz an. Auf der anderen Seite des Landesmuseums für Kunst und Kultur sorgt ein Tieflader-LKW mit Umzugskiste vor Henry Moores Skulptur „The Archer“ für Irritationen. Was will das Künstlerduo Cosima von Bonin und Tom Burr da ausdrücken, fragt sich der Besucher?

Meine Favoriten sind die archaisch anmutenden Energie-Installationen von Aram Bartholi: Vor dem Kulturzentrum Pumpenhaus können an einer offenen Feuerstelle mit Hilfe thermoelektrischer Apparaturen Smartphones aufgeladen werden, und der dunklen schmuddeligen Unterführung vom Schlossplatz zum Hörsaal-Gebäude verhilft er mit von Teelichtern betriebenen LED-Kronleuchtern zu neuem Glanz.

Die Skulpturen sind weit über die Stadt verstreut, und einige für den Besucher nicht leicht zu finden. Auch Ortskenntnisse helfen da oft nicht weiter, denn der offizielle Skulpturen-Stadtplan ist schlichtweg eine Katastrophe und kaum zu gebrauchen. Mit der „Skulpturen-Projekte Gebrauchsanweisung“ bietet der Münsteraner Aschendorff Verlag hingegen einen wirklich guten Führer mit vielen weitergehenden Tipps.

Die Skulptur Projekte 2017 sind noch bis zum 1.Oktober in Münster zu bewundern.

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