Fahrrad, Gesellschaft
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Radeln entlang der Filderbahn

Die Filderebene hat sich in letzter Zeit zu meinem bevorzugten Radrevier entwickelt. Trotz Autobahn, Flughafen und großer Siedlungsdichte kann man auf den Fildern immer noch schöne Ausflüge mit dem Rad unternehmen.

Eine beliebte Route nutzt teilweise die Trasse der alten Filderbahn, die heute zumeist als kombinierter Rad-/und Fußweg ausgewiesen ist. Es ist zwar nicht die schönste Strecke auf den Fildern, aber sie verbindet in Ost-West-Richtung alle wichtigen Städte und Gemeinden.


Deshalb würde sich diese Route aus meiner Sicht auch zum Ausbau als Radschnellweg eignen, der sich mit anderen Radwegen gut verbinden ließe und so den starken Individualverkehr auf den Fildern entlasten könnte. Dazu müssten einige Stellen mit unklarer Wegeführung natürlich verbessert und Kreuzungen mit Autos entschärft werden.

Am Wege liegen auch bedeutsame Orte der Erinnerung:

Kurz hinter Echterdingen befindet sich unweit des Radwegs der Zeppelinstein zur Erinnerung an das Zeppelinunglück vom 5. August 1908. An jenem Tag landete dort eines der ersten Luftschiffe nach einem Motorschaden. Ein Riesenspektakel für die Bevölkerung. Dann wurde es zum Entsetzen der vielen Zuschauer bei einem Gewittersturm aus der Verankerung fortgerissen und einen Kilometer weiter schließlich durch eine Explosion zerstört.

Ein weitaus traurigerer Ort des Gedenkens liegt unmittelbar am Radweg an der Einfahrt zu einem Hangar des militärischen Teil des Flughafens kurz vor Filderstadt-Bernhausen. Hier befindet sich ein Mahnmal für die Opfer des KZ Aussenlagers Natzweiler, die hier im Arbeitslager während der NS-Zeit zu Tode gekommen sind. Auf dem „Wege der Erinnerung“ – in schlichten, weiß getünchten Mauern des Gedenkens hört man aus Lautsprechern die Namen der Opfer, die an dieser Stelle im Jahr 2007 in einem Gräberfeld gefunden wurden.

Weiter führt der Radweg direkt nach Filderstadt-Bernhausen und dort am alten Bahnhofsgebäude der Filderbahn vorbei. Heute S-Bahn Endhaltestelle der Filderlinie S 2.

Über Sielmingen erreicht man schließlich Neuhausen, wo man mitten im Ort vor dem Schloss im Café Rotenhans gut einkehren kann.

Über die Filderbahn

Auch wer kein Pedelec besitzt, kommt mit dem Rad aus der Stuttgarter City mit der Zahnradbahn und ihrem Radanhänger in wenigen Minuten ohne Anstrengung nach Degerloch. Diese verkehrstechnische Anbindung der Filderorte südlich von Stuttgart erfolgte bereits vor mehr als 120 Jahren. Den Anfang der Filderbahnen machte 1884 die Zahnradbahn, wenige Jahre später folgte die Bahnverbindung von Degerloch nach Möhringen, und um 1900 wurde die Strecke über Echterdingen, Bernhausen bis Neuhausen weiter geführt.

Mit der automobilen Entwicklung verlor die Filderbahn zunehmend an Bedeutung und wurde schließlich vor ca. 40 Jahren ganz aufgegeben.

Nach langsamen Umdenken erfolgte dann schrittweise wieder der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Heute fahren U-Bahnen bis Fasanenhof und Plieningen und die S-Bahn über Vaihingen nach Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt-Bernhausen. Die Weiterführung der S-Bahn bis Neuhausen ist für die nächsten Jahre vorgesehen.

Mehr zur  Geschichte der Filderbahn
Weitere Daten und Fotos zum Radweg entlang der alten Filderbahntrasse

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