Gesundheit, Kultur
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Life is movement


Beim Besuch der Orthopädischen Uniklinik in Heidelberg begrüßt mich vor dem historischen Gebäude im Neckartal eine meterhohe Edelstahlskulptur. Auf dünnen Stahlbeinen bewegen sich wie beim Mobile mehrere Schwingen sanft im Wind. Sie bündeln und reflektieren die Sonnenstrahlen so, dass ich das Kunstwerk nur blinzelnd betrachten kann.

Den Blick auf den Boden gerichtet, lese ich auf einer kleinen Tafel „Life is movement“.

Leben ist Bewegung – das ist mal eine Ansage auf dem Weg zur Tumoroperation am Bein!

Mit der Angst im Gepäck, ob ich nach dem Eingriff das Bein noch bewegen kann, wird mir bewusst, wie viel mir die uneingeschränkte Bewegung auf eigenen Beinen bedeutet. Ich liebe Rennradtouren, Bergwanderungen, ausgedehnte Spaziergänge im Wald und auch das Flanieren in der Stadt. Bewegung ist mir so wichtig und macht mich sehr zufrieden. Beim Radeln wähle ich eine Trittfrequenz, die mich die körperliche Anstrengung spüren, aber nicht außer Atem kommen lässt. Als Wald- und Naturgänger komme ich zu innerer Ruhe und guten Gedanken. Unterwegs mit Kameraden in den Bergen genieße ich die großartige Landschaft und das Bewegtsein in der Gemeinschaft.

Was ist, wenn all das nicht mehr möglich ist? Beim Nachdenken kommt mir in den Sinn, dass Bewegung doch mehr ist als das, was ich spontan mit den sportlich-dynamischen Körperbewegungen in Verbindung bringe.
Wenn nicht mehr die Beine bewegt werden können, dann der Kopf, die Hände, die Finger, usw. Auch der Atem, die Gehirnzellen, das Blut, und all das, was sich da in unserem Körper ständig bewegt, macht Leben erst möglich.

In diesen Gedanken finde ich Trost. – Das Leben geht weiter – auch mit Krebs, so lange ich atmen kann!

Die Skulptur „Life is movement“ von Hans-Michael Kissel ist nur ein kleiner Teil des Heidelberger Skulpturenparks, der sich in den Grünanlagen um die schlossähnlichen Klinikgebäude im Laufe der Jahre entwickelt hat. Bei den weiteren Krankenhausaufenthalten habe ich inzwischen andere, manchmal etwas versteckte Skulpturen auf dem weitläufigen Gelände entdeckt. In diesem Sommer wurden zum wiederholten Mal temporär auch Skulpturen junger Künstler gezeigt, die es zu entdecken gilt. Der Skulpturenpark in Heidelberg-Schlierbach ist allemal ein Besuch wert, nicht nur für die Patienten der Klinik.

4 Kommentare

  1. Jutta Franck sagt

    Lieber Reinhold, Dein Beitrag ist super! Du hastvöllig Recht, laufen allein macht nicht das Leben aus. Trotzdem bin ich gerade sehr genervt, da ich nun schon 6 Wochen mich wieder nur mit Schmerzen bei jedem Schritt fortbewegen kann. Die geliebten Aufenthalte in der Natur sind auf ein Minimum geschrumpft. Aber ich gebe auch noch nicht auf, habe den Orthopäden gewechselt und hoffe, mit einer Op wieder beweglicher zu werden. Da ich mich ja auch schon mit dem blöden Krebs rumgeschlagen habe, sind das ja eigentlich Peanuts. Dein Kommentar hat mir aber auch wieder etwas aus dem Tiefpunkt geholfen. Gerne hätte ich ja in St. Pierre eine Kerze für Dich angezündet aber die Strecke dorthin in die kleine Kirche hab ich nicht geschafft. Vielleicht hilft ja auch der gute Wille! Ich wünsche es Dir sehr,
    Liebe Grüsse Jutta und Michael

    • Theo sagt

      Liebe Jutta, der gute Wille hilft immer. Ich danke Dir und wünsche sehr, dass der neue Orthopäde Dir helfen kann. Trotz der Einschränkungen Euch beiden noch eine schöne Zeit im Süden.

  2. Wolfgang Mohn sagt

    Toller Text Reinhold und die wichtige Erkenntnis dass Bewegung gerade für Dich die körperliche Bewegung in erster Linie ist, aber dass es so wie Du beschreibst auch kleine aber sehr wertvolle Dinge gibt die auch ein positives Leben ermöglichen.
    Aber jetzt gehst du einen neuen Abschnitt im Kampf gegen deinen Krebs.
    Viel Erfolg

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