Autor: Theo

Zusammen wohnen und leben

Das Vitra Design Museum in Weil im Rhein überrascht immer wieder mit spannenden Ausstellungen über interessante Entwicklungen in Design und Architektur. Mit der Schau „Together – Die neue Architektur der Gemeinschaft“ werden nun aktuelle Konzepte des gemeinschaftlichen Wohnens aufgegriffen, aber auch die historischen Vorläufer aus dem 19. und 20. Jahrhundert plakativ dargestellt. Die Ausstellung im futuristischen Museumsgebäude ist auf den ersten Blick etwas verwirrend. Ich betrat zunächst einen mit Hartz IV-Selbstbau-Möbeln („Berliner Hocker“ und dem „24 euro chair“ des Berliner Designers Van Bo Le-Mentzel ) eingerichteten Wohnraum. Im wandhohen Bücherregal fand ich zum Thema passende Literatur, so dass ich mich dort gleich mal zum Schmökern niederließ. Dieser Raum gehört zu einer in die Ausstellung integrierten sog. Clusterwohnung mit kleinen Funktionseinheiten (Bad,Küche,Schlafraum) und großem Gemeinschaftsbereich, um den Wohnalltag mit anderen Menschen teilen zu können. Der Trend zurück in die Städte, die horrend hohen Immobilienpreise und der gesellschaftliche Wertewandel befördern die Idee einer Ökonomie des Teilens im Wohnungsbau und in der Stadtentwicklung. Die Menschen erobern sich den öffentlichen Raum in den Städten zurück und machen ihn zum …

Skulpturen Münster

Seit dem ersten großen Münsteraner Skulpturen Projekt im Jahr 1977, das damals sowohl unter den Konservativen wie auch bei den studentischen Linken recht umstritten war, habe ich jetzt die nur alle 10 Jahre stattfindende Ausstellung das erste Mal wieder besucht. 1977 konnte ich mit dieser Art von Kunst im öffentlichen Raum überhaupt nichts anfangen. Ich war der Meinung, das Geld sei besser für soziale Projekte angelegt. Besonders forsche, und wohl auch recht alkoholisierte Studenten wollten 1977 nach einem großen Fest in der Mensa die Kugeln von Claes Oldenburg gar in den Aasee rollen. Ein vergebliches Unterfangen! Die gut verankerte zentnerschwere Betonskulptur konnte von den Kunstbanausen nur geringfügig bewegt werden. Nicht nur mein Kunstverständnis hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, auch in Münster sind die Kritiker verstummt. Heute ist man in Münster stolz auf die Skulpturen. Etliche Kunstwerke wurden aufgekauft und entwickelten sich zu Wahrzeichen der Stadt, so auch Claes Oldenburgs „Giant Pool Balls“. Die Skulpturen haben einen hohen Stellenwert, nicht nur für den Tourismus in Münster. Auch in der internationalen Kunstwelt geniesst die Skulpturenausstellung …

Erinnerung an Gerda Taro

Zum 80.Todestag der in Stuttgart geborenen und aufgewachsenen Fotografin Gerda Taro fand sich heute Abend an dem nach ihr benannten kleinen Platz am Olgaeck in Stuttgart eine recht große Schar engagierter Bürger ein, um der im Spanischen Bürgerkrieg auf tragische Weise zu Tode gekommenen Mitbürgerin zu gedenken. Von Stefan Hiss mit seinem Akkordeon einfühlsam musikalisch eingeführt, erzählte Joe Bauer die Geschichte, wie er im fernen New York die bis dahin in Deutschland völlig in Vergessenheit geratene Stuttgarter Fotografin Gerda Taro entdeckte, über ihre Biografin Irme Schaber diese Spur aufnahm, und sich mit ihr gemeinsam für einen Ort des Gedenkens in Stuttgart einsetzte. Wieder mal hatte er Bedeutsames über Stuttgart fern der Heimat gelernt – „wo denn sonst!“ , wie er zum Schluß süffisant anmerkte. Das fotografische Werk Gerda Taros  wurde im Rahmen einer großen Retrospektive des Kunstmuseums Stuttgart  2010 erstmals in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und die Künstlerin damit auch in Stuttgart bekannt. Der Gerda-Taro-Platz und die kleine Grünanlage ist dann 2014 nach langem Hin und Her zwischen Verwaltung und Gremien mit Stehlen aus …

Sport und Spiel im Park

Ich liebe unseren Stadtpark. Der zentral gelegene Stadtpark im unserem stark verkehrsbelasteten Stuttgarter Stadtbezirk Vaihingen ist eine wahre Naturoase und ein beliebter Rückzugsort für alle Bevölkerungsgruppen. Am schönsten finde ich den kleinen Teich mit den Seerosen und den Brunnen mit der Mutter-Kind-Skulptur. Jetzt, in den Sommermonaten, werden zudem an jedem Montagabend kostenlos Yoga und andere Übungen zur seelischen und körperlichen Entspannung angeboten.

Peter Lindbergh und seine Fotografie

Schon als die Ausstellung über Peter Lindbergh – eines der besten zeitgenössischen Fotografen – im vergangenen Jahr in Rotterdam anlief, war die Medienberichterstattung überwältigend. Seit April zeigt nun die Kunsthalle München die große Peter Lindbergh Bilderschau, und auch hier ist die Resonanz enorm. – Letztes Wochenende hatte ich nun gemeinsam mit meiner Frau die Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung. Ein netter Gag noch vor dem eigentlichen Zutritt in die Ausstellungsräume, den ich zunächst beinahe übersehen hätte: Man kann da für einen Moment selbst Model spielen und sich an einem Fotoautomaten ablichten lassen. Nachdem ich Peter Lindbergh vor 3 Jahren bereits bei der Schweizer Werkschau der Fotografie – Photo 14 Zürich – im Gespräch mit dem Kunstwissenschaftler Prof. Klaus Honnef als äußerst sympathischen Mann erleben durfte, wollte ich noch mehr über den Menschen und Fotografen Peter Lindbergh erfahren. Die über 200 meist großformatigen Fotos, Dutzende von Kontaktabzügen und vielfältigen Assesoires aus seinem Arbeitsalltag vermitteln schon einen sehr guten Überblick über Lindberghs jahrzehntelange Schaffensperiode. Am beeindruckendsten waren für mich jedoch die im Rahmen der Ausstellung gezeigten Filme, …

Speedmachine – Liegerad fahren

Seit dem Frühjahr schaue ich wehmütig den bunten Radfahrern hinterher, die bei steigenden Temperaturen immer mehr die Straßen bevölkern. Leider ist es mir nach einer Operation am Sitzfleisch in dieser Saison nicht möglich, auf den Sattel zu steigen und schmerzfrei eine schöne Runde mit dem Rad zu drehen. Versucht habe ich es schon, aber danach recht lange mit empfindlichen Schmerzen büßen müssen. Eine Alternative schien mir in dieser Situation ein Liegerad zu sein. Die Fahrer auf diesen eigentümlichen Spezialrädern habe ich bislang immer mit einer gewissen Befremdung aber zugleich auch großen Bewunderung betrachtet. Ob sich auf diesen „Liegen“ überhaupt der Flow einstellen mag, den ich beim sportiven und zugleich meditativen Pedalieren auf meinem geliebten Rennrad genieße? Ausprobieren wollte ich so ein Liegerad doch gerne schon einmal. Jetzt wäre also der richtige Zeitpunkt dafür. Da erinnere ich mich, dass ein Radkamerad aus der Critical Mass Gruppe mir vor einiger Zeit von seinem Liegerad und den Erfahrungen damit erzählte. Da er es aktuell nicht benötigt, hat mir der gute Dirk seine HP Speedmachine freundlicherweise zum Ausprobieren zur …

Fotoausstellung The Travellers

Mit ernsten Augen schauen hübsche Zwillingsmädchen in die Kamera. Fein herausgeputzt haben sie sich mit ihren lockigen Mähnen für diese Porträt-Aufnahmen. Die junge Fotografin Birte Kaufmann hat die Travellers in den letzten Jahren mehrfach besucht und so das Vertrauen der Menschen gewonnen. Sowohl die Porträts wie auch die Aufnahmen, die das Alltagsleben der irischen Minderheitengruppe dokumentieren, geben Einblick in das fremde Nomadenleben der Menschen, die bis heute in der Tradition von Wanderarbeitern in mobilen Wohnungen leben. Das wunderschön gelegene Domizil der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgarts bester Villen-Höhenlage zeigt die lohnenswerte Ausstellung noch bis zum 05.08.2017. Eintritt ist frei. Die Ausstellung zeigt nur einen kleinen der Fotos des Langzeitprojekts. Umfangreicher dokumentiert ist es in einem Fotobuch aus dem Dortmunder Kettler Verlag .

Der Bernhardsbach

Auch wenn sie noch so spärlich dahin plätschern, kann ich mich bis heute der Faszination, die Bäche und kleine Flüsse auf mich ausüben, nicht entziehen. In meiner Erinnerung gab es früher am Stadtrand von Stuttgart eine Reihe von Bächen und Wasserspielplätzen für uns Kinder. In späteren Jahren verschwanden einige davon. Sie wurden im Zuge zunehmender Bebauung entweder verdolt oder in langweilige Betonrinnen verlegt. Aber einer der Bäche aus meiner Kindheit ist immer noch fast so erhalten, wie ich ihn Erinnerung hatte und bis heute einer der saubersten von Stuttgart. Der städtische Gewässergütebericht weist ihn als einer der wenigen mit der höchsten Güteklasse als unbelastet oder sehr gering belastet und mit hoher Artenvielfalt aus. Auf dem Weg zum schon damals beliebten Ausflugsziel Bärenschlössle gingen wir vom Schloss Solitude kommend immer am Bernhardsbach entlang, der den Bärensee füllt und dort gestaut wird. Früher war der Weg im Bernhardsbachtal noch weitgehend unbefestigt. Wir sprangen über Steine und Wurzeln, überquerten den Bach ab und an oder liefen als Kinder mit oder ohne Schuhe einfach so durchs flache Wasser. Dieser …