Autor: Theo

Speedmachine – Liegerad fahren

Seit dem Frühjahr schaue ich wehmütig den bunten Radfahrern hinterher, die bei steigenden Temperaturen immer mehr die Straßen bevölkern. Leider ist es mir nach einer Operation am Sitzfleisch in dieser Saison nicht möglich, auf den Sattel zu steigen und schmerzfrei eine schöne Runde mit dem Rad zu drehen. Versucht habe ich es schon, aber danach recht lange mit empfindlichen Schmerzen büßen müssen. Eine Alternative schien mir in dieser Situation ein Liegerad zu sein. Die Fahrer auf diesen eigentümlichen Spezialrädern habe ich bislang immer mit einer gewissen Befremdung aber zugleich auch großen Bewunderung betrachtet. Ob sich auf diesen „Liegen“ überhaupt der Flow einstellen mag, den ich beim sportiven und zugleich meditativen Pedalieren auf meinem geliebten Rennrad genieße? Ausprobieren wollte ich so ein Liegerad doch gerne schon einmal. Jetzt wäre also der richtige Zeitpunkt dafür. Da erinnere ich mich, dass ein Radkamerad aus der Critical Mass Gruppe mir vor einiger Zeit von seinem Liegerad und den Erfahrungen damit erzählte. Da er es aktuell nicht benötigt, hat mir der gute Dirk seine HP Speedmachine freundlicherweise zum Ausprobieren zur …

Fotoausstellung The Travellers

Mit ernsten Augen schauen hübsche Zwillingsmädchen in die Kamera. Fein herausgeputzt haben sie sich mit ihren lockigen Mähnen für diese Porträt-Aufnahmen. Die junge Fotografin Birte Kaufmann hat die Travellers in den letzten Jahren mehrfach besucht und so das Vertrauen der Menschen gewonnen. Sowohl die Porträts wie auch die Aufnahmen, die das Alltagsleben der irischen Minderheitengruppe dokumentieren, geben Einblick in das fremde Nomadenleben der Menschen, die bis heute in der Tradition von Wanderarbeitern in mobilen Wohnungen leben. Das wunderschön gelegene Domizil der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgarts bester Villen-Höhenlage zeigt die lohnenswerte Ausstellung noch bis zum 05.08.2017. Eintritt ist frei. Die Ausstellung zeigt nur einen kleinen der Fotos des Langzeitprojekts. Umfangreicher dokumentiert ist es in einem Fotobuch aus dem Dortmunder Kettler Verlag .

Der Bernhardsbach

Auch wenn sie noch so spärlich dahin plätschern, kann ich mich bis heute der Faszination, die Bäche und kleine Flüsse auf mich ausüben, nicht entziehen. In meiner Erinnerung gab es früher am Stadtrand von Stuttgart eine Reihe von Bächen und Wasserspielplätzen für uns Kinder. In späteren Jahren verschwanden einige davon. Sie wurden im Zuge zunehmender Bebauung entweder verdolt oder in langweilige Betonrinnen verlegt. Aber einer der Bäche aus meiner Kindheit ist immer noch fast so erhalten, wie ich ihn Erinnerung hatte und bis heute einer der saubersten von Stuttgart. Der städtische Gewässergütebericht weist ihn als einer der wenigen mit der höchsten Güteklasse als unbelastet oder sehr gering belastet und mit hoher Artenvielfalt aus. Auf dem Weg zum schon damals beliebten Ausflugsziel Bärenschlössle gingen wir vom Schloss Solitude kommend immer am Bernhardsbach entlang, der den Bärensee füllt und dort gestaut wird. Früher war der Weg im Bernhardsbachtal noch weitgehend unbefestigt. Wir sprangen über Steine und Wurzeln, überquerten den Bach ab und an oder liefen als Kinder mit oder ohne Schuhe einfach so durchs flache Wasser. Dieser …

Kulturinsel entdecken

Noch befindet sich die Kulturinsel Stuttgart auf dem riesigen Areal des zukünftigen neuen Stadtteils Neckarpark ziemlich im Abseits. Doch am Tag der Offenen Tür diese Woche fanden sehr viele Besucher den Weg auf das ehemalige Gelände des alten Güterbahnhofs in Cannstatt. Ein buntes Programm, das da geboten wurde – viele spannende soziale und kulturelle Projekte und Initiativen, mit denen die Kulturinsel „die Welt ein bisschen schöner zu machen“ will. Ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel! Als wir gegen Mittag das Gelände betraten, haben uns gleich die Bienen von summtgart angelockt, dem Bildungs-und Forschungsinstitut für ökologische und wesensgemäße Imkerei. Wir konnten verschiedene Honigsorten kosten, uns beim sachkundigen Imker ein paar wichtige Informationen über die Bienen abholen und einen vorsichtigen Blick in die Arbeit-und Wohnstätten der fleissigen Bienen werfen. Dann sind wir auch schon im Inselgrün, dem kleinen Stadtgarten auf dem Gelände, der für alle interessierten Hobbygärtner offen steht und von diesen auch beackert wird. Stände mit Streuobstwiesen-Apfelsaft aus dem benachbarten Remstal und Erdbeeren aus der Region flankieren den kurzen Weg in den Biergarten. Hier wird allerlei für …

Don’t forget me not

Anlass für mich, die Fotoausstellung in der Alten Feuerwache Berlin-Friedrichshain zu besuchen, war die Beteiligung unserer Tochter mit ihrer Serie „Lost in Change“ – die Porträtstudie einer jungen Frau in bizarrer Umgebung. Der Rundgang durch die Ostkreuz-Seminar-Ausstellung von Linn Schröder ist für jeden Fotokunstliebhaber ein Vergnügen, sind doch die dargebotenen Fotografien insgesamt von beeindruckender Qualität. Enorm ist auch die Vielfalt der teilweise sehr persönlichen Themen. Da wird die Großmutter einfühlsam porträtiert (Judith Horn), die Beziehung zwischen Vater und Tochter eigenwillig dargestellt (Ania Kaszot), das Schweigen des Großvaters über die NS-Zeit bearbeitet (Martina Zaninelli), oder das Verhältnis zu den eigenen Eltern (Patricia Morosan, „Re/turn“) thematisiert,… Andere Künstler befassen sich bildnerisch mit klassischen fotografischen Themen, wie Tilman Brembs, der immer wieder neue Perspektiven von innen und außen in seinen Fensterbildern kreiert. Aufgefallen sind mir auch die dunklen Bilder des Projekts „Beyond Control“ von Carola Lampe, die mit ihrer Arbeit die gegenwärtigen gesellschaftlichen Umbrüche und die ambivalenten Gefühle in diesen Welten einzufangen versucht. Gezeigt wird die Ausstellung in der Alten Feuerwache Berlin-Friedrichshain noch bis zum 3.6. 2017. Anschließend …

Auf dem Feuerbacher Lemberg

  Nach wochenlanger Krankheit kann ich endlich wieder raus und meine geliebten Spaziergänge und Wanderungen unternehmen. Für den ersten etwas weiteren Ausflug in den Stuttgarter Norden bin ich mit der S-Bahn zum Bahnhof Zuffenhausen angereist. Von dort sind es keine 10 min in den bewaldeten Stadtpark Zuffenhausen. Dort angekommen, überraschte ich zur Mittagszeit direkt am Waldrand ein nur wenig scheues Reh, dass die Ohren spitzend innehielt und sich so kurze Zeit ruhig beobachten ließ, bis es dann kehrt machte und schließlich im Dickicht verschwand. Leicht ansteigend Richtung Süden erreicht man bald eine wunderschöne Lichtung mit Spiel- und Grillplatz. Der Zuffenhäuser Hirt Weg kreuzt dann den Feuerbacher Talkrabbenweg, den an diesem warmen sonnigen Frühlingstag einige Mitarbeiter der nahegelegenen Industriebetriebe für einen Spaziergang in der Mittagspause nutzen. Der Talkrabbenweg führt schließlich zum Feuerbacher Höhenweg am Lemberg. – Seit meiner Schulzeit am Feuerbacher Leibniz-Gymnasium, als wir hier zu sog. Lerngängen hinaufkamen, bin ich nicht mehr auf dem Lemberg gewesen. Der langgezogene Weinbergrücken bietet einen wunderschönen Blick über den Killesberg hinweg auf die Stuttgarter Höhen im Süden, südöstlich bis ins …

Chile entdecken und Spanisch lernen

Vor einem Jahr um diese Zeit habe ich mich recht spontan für einen längeren Aufenthalt in Chile entschieden und mit Hilfe der Vermittlungsagentur Chile-Inside kurzfristig eine Gastfamilie, eine Sprachschule und eine ehrenamtliche Tätigkeit in der quirligen Hafenstadt Valparaiso in Zentralchile gefunden. Für mich waren die 8 Wochen in Chile eine tolle Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde. Auf Anregung meiner Spanischlehrerin in Stuttgart habe ich auch für die Sprachlernzeitschrift ECOS ein paar Eindrücke auf Spanisch zusammen gefasst. In der soeben erschienenen ECOS Januar Ausgabe für 2017 ist nun mein Beitrag erschienen: Mehr über meine Chilereise auf deutsch: Sprachkurs in Chile Meine Gastfamilie Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur Chiles Fahrradbewegung Menschen, die auf der Straße leben Die Häuser des Dichters Pablo Neruda Wandern in den Anden Nationalpark La Campana

Sensation in Marbach vorgestellt

Zum Abschluss der Schillerwoche öffnen die beiden Marbacher Literaturmuseen wieder ihre Türen in die Welt der Literatur. Da ist die Seele des Archivs mit seinen Unmengen an Exponaten, die Literatur und die Entstehung von Literatur den Bücherfreunden begreifbar machen. Das vielfältige Tagesprogramm mit allerlei Führungen und Vorträgen in den Literaturtempeln bot mit einer spannenden Unterhaltung über Ruth Landshoff-Yorck gleich zu Beginn ein Highlight an, für den sich der Ausflug zur Marbacher Schillerhöhe an diesem sonnigen Herbsttag bereits gelohnt hat. Die Basis des Gesprächs war ein erst vor kurzem in Marbach eingetroffener Dachbodenfund aus Amerika mit Briefen, Manuskripten und Fotos aus dem Nachlass der schillernden Bohème-Lady. Jan Bürger und Heike Gfrereis vom Literaturarchiv und der Schriftsteller Thomas Meinecke nahmen die Zuhörer mit auf eine aufregende Zeitreise und ließen sie teilhaben am Stöbern in dem neu erworbenen Nachlass und an den literarisch und künstlerisch hochinteressanten Entdeckungen. Stück für Stück flochten sie mit kleinen Anekdoten und allerlei Hintergrundinformationen ein Netz von Querbezügen zu anderen Künstlern und deren Nachlässen aus dem Marbacher Archiv, so dass von Ruth Landshoff-Yorck und …