Alle Artikel in: Ausstellungen

WestkaiART stellt aus

Das Haus am Kelterberg in Stuttgart-Vaihingen ist Treffpunkt, Atelier und Galerie. Für den Stadtbezirk trägt es immer wieder mit spannenden Veranstaltungen zur kulturellen Vielfalt bei. Während im Erdgeschoss Vokalmusik dargeboten wurde, fanden sich in den Atelierräumen gestern Abend zahlreiche Besucher zur Ausstellungseröffnung der KünstlerInnen von WestkaiART ein. In ihrer Werkschau „Fliessgeschwindigkeiten“ zeigen Birgit Artzt, Monika Doleski, Britta Neuberger, Jo Schöffend, Ingrid Schwarz und Gerda Sczesny am Vaihinger Kelterberg noch bis zum 30.Oktober 2016 einen Ausschnitt ihres aktuellen Schaffens.

Denkmäler – spannende Orte

Heute – am Tag des offenen Denkmals haben wir uns mit dem Rad auf den Weg gemacht, um in Stuttgart – unserer Stadt – Orte zu besuchen, die uns bislang gänzlich unbekannt waren. Bei den vielen Angeboten an diesem Tag mussten wir uns natürlich beschränken und haben drei Orte ausgewählt, die unterschiedlicher nicht sein können. Am Morgen sind wir zunächst zum Uni-Campus in Vaihingen gefahren, um das dort etwas versteckt gelegene ILEK – Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren anzuschauen. Ein Teil des Instituts befindet sich in einem außergewöhnlichen Gebäude – dem berühmten Zeltbau, der einst zur Erprobung der Konstruktion des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal erstellt wurde. Das ILEK Gebäude mit der Zeltdachkonstruktion am Pfaffenwaldring 14 gilt inzwischen als Architektur-Ikone und erinnert ein wenig an ein Indianer-Zelt. In einem kleinen Vortrag wurden für die Besucher die Besonderheiten der Konstruktion und die Herausforderungen an die Materialien erläutert, wie auch die Veränderungen und Verbesserungen, die im Laufe der Jahre bei Renovierungsarbeiten erfolgt sind, ohne das Architekturdenkmal in seiner Substanz zu gefährden. Die hier …

Corbusier Revisited

Gut dass ein Tisch mit Getränken draußen auf dem Gehweg stand, denn sonst hätte ich den Veranstaltungsort für die Vernissage zu „Corbusier Revisited“ doch glatt übersehen. So unscheinbar und etwas zurückversetzt an der Straßenecke liegt die kleine Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe, das zur Zeit durch ein Baugerüst auch etwas verfremdet ist. Die Fotoausstellung „CORBUSIER REVISITED“ , die nur für zwei Tage hier zu sehen war, finalisiert und dokumentiert ein recht bemerkenswertes Studienprojekt, und die Ergebnisse dieser visuellen Forschungsreise der Studenten Katrin Bauer, Yannic Heintzen und Marvin Maurer in der Weissenhofsiedlung Stuttgart wurden hier nun vorgestellt. Angeregt durch das Buch „Thanks for the view, Mr. Mies“ mit Bildern und Texten von Bewohnern und Besuchern des Lafayette Parks Detroit und angeleitet durch ihre Professorin Karin Jobst von der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg waren die Studenten zunächst daran interessiert mehr über die Geschichte der Weissenhofsiedlung und ihrer außergewöhnlichen Architektur zu erfahren, um sich dann der Architektur auf eine ganz persönliche Weise zu nähern. Bei dieser Herangehensweise, so Karin Jobst, sollte das …

Kunst im Dreieck

Was ist denn hier los – auf der Höhe in Stuttgart-Degerloch? In der bevorzugten Wohngegend nahe der Waldau – Ecke Ahornstraße/Felix-Dahn-Straße – Dutzende von Menschen mitten auf der Straßenkreuzung – und das bei eisiger Kälte und strömenden Regen. „Kunst im 3eck“ ist auf einem Flyer zu lesen. Die Ateliers von Petra Steidel Wokeck und Ingrid Schwarz sowie die Adolf Hölzel-Stiftung öffnen ihre Türen und laden Freunde, Nachbarn und alle Kunstinteressierten erstmalig ein, Einblick in ihre Räumlichkeiten an dieser Kreuzung zu nehmen. Diese gute Idee fand am verregneten letzten Aprilwochenende regen Zuspruch, und im Laufe des Tages nutzten mehrere Hundert Menschen die Gelegenheit zum Besuch der Künstlerateliers und des ehemaligen Wohnhauses vom einstigen Stuttgarter Akademiedirektor Adolf Hölzel. In diesem Dreieck fanden die Besucher nun ganz verschiedene Ansätze des Kunstschaffens vor. Während Petra Steidel Wokeck durch ihre großformatigen farbigen Pflanzenfotografien bekannt ist, arbeitet Ingrid Schwarz vornehmlich gegenstandslos mit unterschiedlichster Mal-und Mischtechnik. Die Adolf-Hözel-Stiftung hat sich wiederum gemeinsam mit den Erben Adolf Hölzels zum Ziel gesetzt, sein ehemaliges Degerlocher Wohnhaus zu öffnen und zu einer Erinnerungsstätte an Adolf …

Erinnerung und Menschenrechte

Heute habe ich in Santiago de Chile das Museo de La Memoria y Derechos Humanos besucht. Auch in Deutschland wissen wir, welch sensibles Terrain Gedenkstätten und Erinnerungskultur darstellen können. Bei vielen Projekten wurde hier oft auch ziemlich kontrovers um das „richtige“ Konzept gerungen. Dies war beim Holocaust Denkmal in Berlin der Fall, im Vorfeld um die Errichtung des NS-Dokumentationszentrums in München und bei vielen kleineren regionalen Projekten ebenfalls. Unrecht aufzuarbeiten, ist ein schmerzhafter Prozess, da schleichen sich selbst bei an sich in guter Absicht initiierten Projekten machmal gewollt oder ungewollt Anteile von Verdrängung bis hin zur Verleugnung ein. Auch die Aufarbeitung der Dramen in der jüngeren Geschichte Chiles während der Zeit der Pinochet-Diktatur war und ist immer noch eine harte Arbeit für die chilenische Gesellschaft. Wie auch in Südafrika haben hier die sogenannten Wahrheitskomitees eine wichtige Rolle gespielt. Das erst vor etwa 5 Jahren eröffnete Museum der Erinnnerung und der Menschenrechte in Santiago de Chile dokumentiert diese Aufarbeitung und zeigt gerade auch der jüngeren Generation das Leid tausender Chilenen während der Diktatur auf. Für mein …

Valparaiso heute?

Valparaiso heute, so der Titel der aktuellen Fotoausstellung mit 60 Farbaufnahmen des chilenischen Fotografen Aref Cosma in großzügigen Räumlichkeiten der Nachbarstadt Viña del Mar. Die Bilder zeigen die Verbundenheit des Fotografen mit dieser Stadt, den Stolz auf die Tradition, die heute noch überall sichtbar wird. Auch die Aufgeschlossenehit gegenüber neuen Tendenzen werden sichtbar, etwa in den für Valparaiso heute so typischen bunten Wandmalerien und bizarren Graffiti. Die Machart der Aufnahmen sind eher noch durch klassische Aufnahmetechniken geprägt, fotografiert und bearbeit wurden sie aber mit digitaler Zechnik. Aref Cosmas sehr schöne Bilder sind eine Hommage an diese Stadt und könnten uneingeschränkt vom Tourismusbüro für Werbezwecke eingesetzt werden. Auf den ersten Blick erfreuen mich die Aufnahmen sehr. Am Ende bleibt aber eine gewisse Irritation zurück. Ich bin nun schon einen Monat hier und sehe auch: den Schmutz und Lärm des quirligen Zentrums, die halb zerstörten und auch leerstehenden Gebäude, die streuenden Hunde und deren Hinterlassenschaften, die bunte Vielfalt der Läden und Straßenverkäufer, die unzähligen Bars, Cafés und Restaurants, die teils offenen Werkstätten, die maroden Gehwege und Treppen, …

Sergio Larrain – Retrospectiva

In Valparaiso/Chile sollte man unbedingt auch das Museo de Bellas Artes ansehen. Es liegt im Barrio Cerro Alegre, ohnehin einer der von Touristen meist besuchten Stadtteile. Beim heutigen Bummel durch das bunte Viertel wollte ich also den Palacio Barburizza, eine herrschaftliche Villa mit Gemälden chilenischer Künstler aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundern. Dort habe ich dann gesehen, dass hier gerade auch noch eine kostbare Fotoausstellung wird. Ein Genuss für mich, die wunderbaren S/W-Aufnahmen, das meisterliche Spiel mit Licht und Schatten, des chilenischen Magnum-Fotografen Sergio Larrain aus den 50iger und 60iger Jahren zu betrachten. Ein Scherpunkt dieser Auwahl aus seinem umfassenden Werk bilden Fotos aus Valparaiso. Larrain streift mit seiner Leica durch die Gassen, den Hafen und den Strand, dokumentiert Sznen aus dem Alltagsleben in der Stadt. Ihn interessieren dabei vor allem auch die Menschen am Rande der Gesellschaft. Das Treiben der Matrosen in den alten Hafenkneipen, die traurigen Gesichter junger Prostituierter, das armselige Leben der Straßenkinder aus jener Zeit, werden in seinen Bildern wieder lebendig. Linktipps Retrospektive Sergio Lorrain Sergio Larrain bei Magnum

Träume – Grete Stern

Vor dem Gebäude eine lange Schlange gut gelaunter Menschen. Die Touristen stehen hier an, weil sie den phantastischen Blick vom Dach des Circulo de Bellas Artes mitten in Madrid suchen und lassen sich mit dem Fahrstuhl direkt hinauf auf die Dachterrasse mit Bar und Lounge bringen. Unter der Woche am Vormittag konnte ich ohne Schlangenstehen eintreten und ungestört den Blick weit über die Dächer der Stadt schweifen lassen und in Ruhe auch einen Blick in die aktuellen Ausstellungen de Circulo de Bellas Artes werfen, das für seine guten „esposiciones“ und „espectáculos“ bekannt ist. Bis zum 30. Januar 2016 kann man dort noch die Serie „Sueños“ (Träume) von der aus Deutschland stammenden und vom Bauhaus geprägten Fotografin Grete Stern bewundern. Die erste künstlerische Ausbildung erhielt Grete Stern von 1923 bis 1925 in der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Danach ging sie für kurze Zeit zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um schließlich ins damals wie heute künstlerisch boomende Berlin zu ziehen und sich dort von dem späteren Bauhauslehrer Walter Peterhans fotografisch schulen zu lassen. Bekannt wurde sie in der Weimarer …