Alle Artikel in: Fahrrad

Radeln auf alten Bahntrassen

Eben komme ich von unserer diesjährigen Tourenwoche mit meinen Radsportkameraden aus dem Saarland zurück und bin erneut sehr angetan von dieser landschaftlich reizvollen Region. Das hügelige St.Wendeler Land im nordöstlichen Teil des Saarlandes kannte ich schon von einem früheren Kuraufenthalt, und einige Touren waren mir aus dieser Zeit in besonderer Erinnerung geblieben. Radfahren auf ehemaligen Bahntrassen kann ein wahrer Genuss sein, und mit dem Wendelinus Radweg vom Bahnhof St.Wendel auf die Höhen um Tholey befindet sich im oberen Bliestal eine sehr gepflegte, etwa 12km lange herrliche Trasse zum Einrollen und Aufwärmen. Nördlich des Freizeit-und Erholungsgebiets am Bostalsee, in Freisen, beginnt in wunderschöner Mittelgebirgslandschaft des Naturparks Saar-Hunsrück der Fritz-Wunderlich-Radwanderweg – eine weitere schöne Radroute auf der alten Bahntrasse nach Kusel in Rheinland-Pfalz. Wenn man auf diesem zwar nicht geteerten, aber auch mit Rennrädern sehr gut befahrbaren Weg die 26km nach Kusel hinabrollt, muss man die Ingenieurs- und Vermessungskunst der frühen Eisenbahnkonstrukteure schon sehr bewundern und ist dankbar, dass uns nach Aufgabe der Bahnverbindung hier so ein schmucker Radweg hinterlassen wurde. Es erstaunt nicht, dass diese beiden …

Fahrräder stinken nicht

Wie in vielen Städten kämpfen auch in Stuttgart Radfahrer seit Jahrzehnten für eine fahrradfreundliche und umweltgerechte Verkehrsplanung. Lange vor der critical mass gab es in Stuttgart schon Fahrraddemonstrationen. Gerade aus der Fahrradcity Münster in Westfalen zurück nach Stuttgart kommend, habe  ich im Sommer 1983 mit meinem Hollandrad natürlich auch gleich bei der Stuttgarter Fahrraddemonstration mitgemacht. Wie bei der monatlichen critical mass heute, war es damals schon ein buntes Völkchen, das sich im Fahrradcorso durch die Stuttgarter Innenstadt bewegte, mit viel Spaß auf die Vorteile der Fahrradnutzung verwies und zeigte, dass man auch hier Fahrrad fahren kann. Leider hat sich in den vergangenen Jahrzehnten an der autogerechten Verkehrsplanung in Stuttgart nur sehr wenig geändert. Gut, es gibt ein paar Radwege mehr, auch eine Fahrradstraße, die als solche aber noch kaum akzeptiert wird, einige nicht immer sinnvoll ausgeschilderte Radwegführungen durch die Stadt, aber ansonsten dominiert das Auto nach wie vor. Stuttgart ist heute eine der dreckigsten Großstädte Deutschlands, der kilometerlange Autostau auf den Straßen allgegenwärtig und die Luft gefährlich abgas-und feinstaubbelastet. Die Fahrradfahrer werden aber immer mehr. Radfahren ist heute …

Von den Fildern zum Birkenkopf

Aus Stuttgart hinaus führen schöne Rennradtouren. Die besten davon kennt mein lieber Radsportfreund in- und auswendig. Heute konnte ich ihn wieder auf einer dieser Touren begleiten. Er nennt die heutige Strecke „Ostfildern Runde“, obwohl sie doch weitgehend auf Stuttgarter Markung verläuft. Wir starten in Möhringen, fahren Richtung Osten am SI-Centrum, dem Stuttgarter Zeitungsverlag und den US-Kasernen vorbei über die Felder nach Asemwald und von dort entlang der Straße nach Birkach. Noch bevor wir den Stadtteil Birkach richtig erreichen, sausen wir am Waldrand vor den Wohnsiedlungen schon steil hinab. Im Tal halten wir uns rechts und fahren auf geteertem Feldweg paralell zur Mittleren Filderstrasse – bis es rechts zum Schloß Hohenheim hinaufführt. Für uns geht es hier jedoch hinab zur Körsch. Dazu überqueren wir die Mittlere Filderstrasse an der Ampelanlage und folgen auf schönem Wirtschaftsweg dem Körschtal bis nach Scharnhausen. Hinter den Sportanlagen am Ende dieses Ostfildener Ortsteils geht es nun links steil hinauf, und – mit herrlichm Blick auf die Schwäbische Alb – über die Felder nach Nellingen. Nellingen ist unsere Wendemarke. Hier kehren wir …

Ökomobilität- Nachbarschaft in Bewegung

Eine kleine Schar interessierter Zuhörer lauscht gespannt auf die erstaunlichen Geschichten, die Dr. Konrad Otto-Zimmerman aus Südkorea und Südafrika zum Kolloquium des Instituts für Städtebau an der Universität Stuttgart mitgebracht hat. Auf sehr sympathische Art und mit beeindruckenden Bildern konnte der Referent in seinem Vortrag über „Ecomobility World Festivals als Instrument der Stadtentwicklung – Zukunft heute!“ ein wenig von der Lebendigkeit dieser einzigartigen urbanen Experimente in Suwon/Südkorea und Johannesburg/Südafrika in den nüchternen Seminarraum des Stuttgarter Uni-Hochhauses an der Keplerstrasse übertragen. Konrad Otto-Zimmermanna, der Kreativ Direktor der Urban Idea GmbH aus Freiburg, verfügt über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von lebenswerten städtischen Umwelten. Schon in den 70iger Jahren war er beim Umweltministerium verantwortlich für das Bundesmodellprojekt „Fahrradfreundliche Stadt“. Als Generalsekretär von ICLEI, einem weltweitem Verband von Kommunen, die sich der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in besonderer Weise verpflichtet haben, hat Konrad Otto-Zimmermann später weltweit Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten beraten und unterstützt. Bei „Urban Idea“ schließlich entwarf er mit einem jungen Team die Idee der „Ökomobilitäts Festivals“. Dabei wird in einem normalen Stadtquartier ein Monat …

Foro Mundial de la Bicicleta

Radfahrer aller Länder trafen sich in Santiago de Chile zum 5.Foro Mundial de la Bicicleta (Weltfahrradforum). Der Ort für die Auftaktveranstaltung war bewusst gewählt – direkt vor dem Museum der Erinnerung und der Menschenrechte. Denn es ging auch hier ganz grundsätzlich um die Rechte des Menschen, nämlich um nichts Geringeres als die Rückeroberung des öffentlichen Raums in den Städten der Welt durch ihre Bürger. Nachdem in Brasilien im Jahr 2011 ein Autofahrer absichtlich in eine Radfahrerguppe gefahren ist und dafür nicht einmal belangt wurde, haben die brasilianischen Radfahrer 2012 zum ersten Foro Mundial de la Bicicleta in Porto Alegre aufgerufen, um sich für die Rechte und Interessen von Radfahrern und Fußgängern einzusetzen. Nach weiteren Treffen in Brasilien – 2013 in Porto Alegre und 2014 in Curitiba – fand das 4. Forum 2015 in Medellin/Kolumbien statt. Was waren nun die Ziele in diesem Jahr in Chile? Generell geht es dem Bündnis der chilenischer Radaktivisten darum, dass engagierte Bürger aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, um Fragen des Radfahrens, intelligenter zukunftsfähiger Mobilitätssysteme, sowie der nachhaltigen Einbeziehung und Nutzung der …

130 Jahre Bianchi-Räder

Was im Jahr 1885 in einer kleinen Fahrrad-Manufaktur in Mailand begann, ist in 130 Jahren zu einem weltbekannten Unternehmen herangewachsen, das heute zu einem skandinavischem Konsortium gehört. Mehr zur Geschichte der Marke auf der Bianchi US-Homepage Bianchi History und in einem 2010 im Delius Klasing Verlag erschienenen, interessant geschriebenen und gut illustrierten Buch von Daniele Marchesini. Eine Besonderheit und inzwischen ein Markenzeichen ist die Farbe „Celeste“ – ein ins Grün gehendes Blau. Über die Entstehung der Farbe ranken sich Geschichten und Legenden. Gewiss wurde sie nicht nach der Färbung des Himmels über Mailand kreiert und auch nicht nach der Augenfarbe der vormaligen italienischen Königin. Wie oft war es vielleicht nur Zufall, der etwas Besonderes wie dieses „Celeste“ entstehen ließ. Auf jeden Fall war die Farbwahl eine kluge Entscheidung, denn sie sticht ins Auge und fällt selbst im buntesten Peleton auf. Bei Radsportenthusiasten hatte und hat die Marke Bianchi immer einen guten Klang. Sie ruft Erinnerungen an große Ereignisse der Radsportgeschichte wach, auch wenn viele der „Helden“ von damals ihre Karriere und ihren Namen durch Dopingaffären …

Stuttgart -Tübingen mit dem Rad

Auf der Suche nach einer schnellen Radverbindung von Stuttgart nach Tübingen habe ich mich am Verlauf der alten Bundesstraße über Waldenbuch, Dettenhausen, Bebenhausen orientiert. Von Vaihingen komme ich über gut ausgebaute Feldwege schnell nach Musberg. Von dort lass ich es ein paar Kilometer im Siebenmühlental rollen und fahre auf dem Rad-und Wanderweg der ehemaligen Dampfbahnstrecke nach Waldenbuch. Auf der relativ schmalen Straße nach Dettenhausen ist mir etwas zu viel Autoverkehr. Deshalb wähle ich den „Umweg“ über die steile Strasse nach Weil im Schönbuch, biege noch im Ort links zum Schützenhaus ab, fahre weiter über den Buchenhof, dahinter links auf geteertem Feldweg auf der Höhe wieder zur Hauptstrasse, überquere diese, kurble im kleinen Gang an den Pferdehöfen vorbei steil in den Wald hinauf, um oben auf der herrlichen Streuobstwiese wieder rechts zur Hauptstraße und auf dem Radweg nach Dettenhausen einzubiegen. Auf gut ausgebautem Radweg weiter zum Kreisverkehr Kälberstelle. Dort ist vorerst Ende für Rad und Auto. Die Strasse ist bis Frühjahr 2016 wegen Neubau des Radweges gesperrt. Es bleibt nichts anders übrig als umzudrehen oder die …

Jein zu Radwegen?

Auch wenn in den Städten auf kürzeren Entfernungen das Fahrrad nachweislich das beste und schnellste Verkehrsmittel ist, kann das Radfahren in der Stadt vielerorts immer noch ein großes Abenteuer sein – besonders auch in Stuttgart. Zwar hat sich in den letzten Jahren auch hier Einiges getan, wie die Stadt Stuttgart auf ihrer Homepage stolz berichtet, aber das Fahrrad hat in der Autostadt Stuttgart noch lange nicht den Stellenwert, den es als eines der überzeugendsten Verkehrsmittel für die Stadt auch hier haben müsste. Ob der Ausbau von Radwegen der richtige Weg zur Förderung des Radverkehrs ist, darüber wird recht kontrovers diskutiert. Die Positionen reichen von der strikten Verbannung des Radverkehrs auf Radwege bis zu der Haltung vieler Fahrradaktivisten, Radwege grundsätzlich zu meiden. Rechtlich wurde die Pflicht zur Nutzung von Radwegen in den letzten Jahren auch weiter gelockert. Ein kleines Video, auf dem ein selbstbewusster Radler sogar die vom Autoverkehr beherrschte „Stadtautobahn“ Hauptstätter Straße mit dem Fahrrad nutzt, hat mich anfangs irritiert, dann aber auch angeregt, meine bisherige Haltung pro Radwege zu überdenken. Egal, ob ich auf …