Alle Artikel in: Fotografie

Peter Lindbergh und seine Fotografie

Schon als die Ausstellung über Peter Lindbergh – eines der besten zeitgenössischen Fotografen – im vergangenen Jahr in Rotterdam anlief, war die Medienberichterstattung überwältigend. Seit April zeigt nun die Kunsthalle München die große Peter Lindbergh Bilderschau, und auch hier ist die Resonanz enorm. – Letztes Wochenende hatte ich nun gemeinsam mit meiner Frau die Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung. Ein netter Gag noch vor dem eigentlichen Zutritt in die Ausstellungsräume, den ich zunächst beinahe übersehen hätte: Man kann da für einen Moment selbst Model spielen und sich an einem Fotoautomaten ablichten lassen. Nachdem ich Peter Lindbergh vor 3 Jahren bereits bei der Schweizer Werkschau der Fotografie – Photo 14 Zürich – im Gespräch mit dem Kunstwissenschaftler Prof. Klaus Honnef als äußerst sympathischen Mann erleben durfte, wollte ich noch mehr über den Menschen und Fotografen Peter Lindbergh erfahren. Die über 200 meist großformatigen Fotos, Dutzende von Kontaktabzügen und vielfältigen Assesoires aus seinem Arbeitsalltag vermitteln schon einen sehr guten Überblick über Lindberghs jahrzehntelange Schaffensperiode. Am beeindruckendsten waren für mich jedoch die im Rahmen der Ausstellung gezeigten Filme, …

Fotoausstellung The Travellers

Mit ernsten Augen schauen hübsche Zwillingsmädchen in die Kamera. Fein herausgeputzt haben sie sich mit ihren lockigen Mähnen für diese Porträt-Aufnahmen. Die junge Fotografin Birte Kaufmann hat die Travellers in den letzten Jahren mehrfach besucht und so das Vertrauen der Menschen gewonnen. Sowohl die Porträts wie auch die Aufnahmen, die das Alltagsleben der irischen Minderheitengruppe dokumentieren, geben Einblick in das fremde Nomadenleben der Menschen, die bis heute in der Tradition von Wanderarbeitern in mobilen Wohnungen leben. Das wunderschön gelegene Domizil der Kunststiftung Baden-Württemberg in Stuttgarts bester Villen-Höhenlage zeigt die lohnenswerte Ausstellung noch bis zum 05.08.2017. Eintritt ist frei. Die Ausstellung zeigt nur einen kleinen der Fotos des Langzeitprojekts. Umfangreicher dokumentiert ist es in einem Fotobuch aus dem Dortmunder Kettler Verlag .

Don’t forget me not

Anlass für mich, die Fotoausstellung in der Alten Feuerwache Berlin-Friedrichshain zu besuchen, war die Beteiligung unserer Tochter mit ihrer Serie „Lost in Change“ – die Porträtstudie einer jungen Frau in bizarrer Umgebung. Der Rundgang durch die Ostkreuz-Seminar-Ausstellung von Linn Schröder ist für jeden Fotokunstliebhaber ein Vergnügen, sind doch die dargebotenen Fotografien insgesamt von beeindruckender Qualität. Enorm ist auch die Vielfalt der teilweise sehr persönlichen Themen. Da wird die Großmutter einfühlsam porträtiert (Judith Horn), die Beziehung zwischen Vater und Tochter eigenwillig dargestellt (Ania Kaszot), das Schweigen des Großvaters über die NS-Zeit bearbeitet (Martina Zaninelli), oder das Verhältnis zu den eigenen Eltern (Patricia Morosan, „Re/turn“) thematisiert,… Andere Künstler befassen sich bildnerisch mit klassischen fotografischen Themen, wie Tilman Brembs, der immer wieder neue Perspektiven von innen und außen in seinen Fensterbildern kreiert. Aufgefallen sind mir auch die dunklen Bilder des Projekts „Beyond Control“ von Carola Lampe, die mit ihrer Arbeit die gegenwärtigen gesellschaftlichen Umbrüche und die ambivalenten Gefühle in diesen Welten einzufangen versucht. Gezeigt wird die Ausstellung in der Alten Feuerwache Berlin-Friedrichshain noch bis zum 3.6. 2017. Anschließend …

Corbusier Revisited

Gut dass ein Tisch mit Getränken draußen auf dem Gehweg stand, denn sonst hätte ich den Veranstaltungsort für die Vernissage zu „Corbusier Revisited“ doch glatt übersehen. So unscheinbar und etwas zurückversetzt an der Straßenecke liegt die kleine Weissenhofwerkstatt im Haus Mies van der Rohe, das zur Zeit durch ein Baugerüst auch etwas verfremdet ist. Die Fotoausstellung „CORBUSIER REVISITED“ , die nur für zwei Tage hier zu sehen war, finalisiert und dokumentiert ein recht bemerkenswertes Studienprojekt, und die Ergebnisse dieser visuellen Forschungsreise der Studenten Katrin Bauer, Yannic Heintzen und Marvin Maurer in der Weissenhofsiedlung Stuttgart wurden hier nun vorgestellt. Angeregt durch das Buch „Thanks for the view, Mr. Mies“ mit Bildern und Texten von Bewohnern und Besuchern des Lafayette Parks Detroit und angeleitet durch ihre Professorin Karin Jobst von der Hochschule für Kunst, Design und Populäre Musik Freiburg waren die Studenten zunächst daran interessiert mehr über die Geschichte der Weissenhofsiedlung und ihrer außergewöhnlichen Architektur zu erfahren, um sich dann der Architektur auf eine ganz persönliche Weise zu nähern. Bei dieser Herangehensweise, so Karin Jobst, sollte das …

Valparaiso heute?

Valparaiso heute, so der Titel der aktuellen Fotoausstellung mit 60 Farbaufnahmen des chilenischen Fotografen Aref Cosma in großzügigen Räumlichkeiten der Nachbarstadt Viña del Mar. Die Bilder zeigen die Verbundenheit des Fotografen mit dieser Stadt, den Stolz auf die Tradition, die heute noch überall sichtbar wird. Auch die Aufgeschlossenehit gegenüber neuen Tendenzen werden sichtbar, etwa in den für Valparaiso heute so typischen bunten Wandmalerien und bizarren Graffiti. Die Machart der Aufnahmen sind eher noch durch klassische Aufnahmetechniken geprägt, fotografiert und bearbeit wurden sie aber mit digitaler Zechnik. Aref Cosmas sehr schöne Bilder sind eine Hommage an diese Stadt und könnten uneingeschränkt vom Tourismusbüro für Werbezwecke eingesetzt werden. Auf den ersten Blick erfreuen mich die Aufnahmen sehr. Am Ende bleibt aber eine gewisse Irritation zurück. Ich bin nun schon einen Monat hier und sehe auch: den Schmutz und Lärm des quirligen Zentrums, die halb zerstörten und auch leerstehenden Gebäude, die streuenden Hunde und deren Hinterlassenschaften, die bunte Vielfalt der Läden und Straßenverkäufer, die unzähligen Bars, Cafés und Restaurants, die teils offenen Werkstätten, die maroden Gehwege und Treppen, …

Die Dichterin der Armen

Bei meinem Freiwilligendienst mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich dieses Buch über die Menschen am Rande der Gesellschaft entdeckt, das mich sehr fasziniert: „Rostros con Rastro“ (Gesichter mit Spuren), Edition La Matriz Es enthält Fotografien, Gedichte und Hintergrundtexte über die Ärmsten im alten Hafenviertel. Im Zenrum des Barrio Puerto betreibt die katholische Kirchengemeinde La Matriz seit Jahrzehnten die Anlaufstelle und Suppenküche Comedor 421. Die Schwarz/Weiß-Fotografien des professionellen Fotografen Andrés Nicolini sind für sich schon sehr stark. Das harte Leben auf der Straße hat deutliche Spuren in den markanten Gesichtern hinterlassen und Andrés Nicolini gelingt es eindrucksvoll, mit seinen Bildern die Gesichter zum Sprechen zu bringen. Sie erzählen vom Leben im Schatten, von Armut, Hunger, Schmerz und Einsamkeit. Noch mehr haben mich aber die ergänzenden kleinen Verse berührt. Auch wenn mir manch sprachliche Feinheit der spanischen Gedichte (noch) verschlossen bleibt. Die Melodie der Verse und die einfühlsamen Worte haben mich sofort gefangen genommen. Was ist das wohl für eine Frau, die dies schreibt? Mariposa Mariposa, mariposa regáleme destellos de colores para pintar tu lindo pelo Y …

Sergio Larrain – Retrospectiva

In Valparaiso/Chile sollte man unbedingt auch das Museo de Bellas Artes ansehen. Es liegt im Barrio Cerro Alegre, ohnehin einer der von Touristen meist besuchten Stadtteile. Beim heutigen Bummel durch das bunte Viertel wollte ich also den Palacio Barburizza, eine herrschaftliche Villa mit Gemälden chilenischer Künstler aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundern. Dort habe ich dann gesehen, dass hier gerade auch noch eine kostbare Fotoausstellung wird. Ein Genuss für mich, die wunderbaren S/W-Aufnahmen, das meisterliche Spiel mit Licht und Schatten, des chilenischen Magnum-Fotografen Sergio Larrain aus den 50iger und 60iger Jahren zu betrachten. Ein Scherpunkt dieser Auwahl aus seinem umfassenden Werk bilden Fotos aus Valparaiso. Larrain streift mit seiner Leica durch die Gassen, den Hafen und den Strand, dokumentiert Sznen aus dem Alltagsleben in der Stadt. Ihn interessieren dabei vor allem auch die Menschen am Rande der Gesellschaft. Das Treiben der Matrosen in den alten Hafenkneipen, die traurigen Gesichter junger Prostituierter, das armselige Leben der Straßenkinder aus jener Zeit, werden in seinen Bildern wieder lebendig. Linktipps Retrospektive Sergio Lorrain Sergio Larrain bei Magnum

Fotoworkshop mit Werner Bauer

Das wunderschöne Haus Buchenried direkt am Starnberger See bot einen schönen Rahmen für entspanntes Arbeiten und für die kreative Beschäftigung mit der Fotografie. Um fotografische Bilder zu kreieren braucht’s eine Idee und deren Inszenierung. Noch wichtiger aber ist, sich von den stereotypen Sehgewohnheiten zu lösen, die in unseren Köpfen stecken. Genau darum ging es den TeilnehmerInnen und dem erfahrenen Dachauer Fotografen Werner Bauer, der schon als junger Mann mit ungewöhnlichen Bildern aufgefallen ist und später seinen Weg als Berufsfotograf und Fotokünstler gefunden hat. Heute wird er von Partnern und Kunden sehr geschätzt, und seine Fotoworkshops sind sehr beliebt. Damit der Kopf frei wird von den tausendfach einströmenden Bilderwelten und um einen anderen als den gewohnten fotografischen Blick einzunehmen, sind die TeilnehmerInnen in einem ersten Experiment zu Beginn des Workshops einfach losgezogen, ohne den Sucher oder das Display zu benutzen. Beide Funktionen wurden zuvor abgeschaltet oder mit einem Klebestreifen überklebt. – Eine gute Übung, denn es machte schon einige Mühe, ohne vorherige Bildkontrolle die Kamera in Position zu bringen, wo doch jedes Auslösen heute gewöhnlich sofort …