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Volleyball der Spitzenklasse: Allianz MTV Stuttgart – USC Münster

Einer meiner Radsportkameraden – auch Volleyball Fan durch und durch – hat mich eingeladen, ihn doch einmal zu einem Spiel der Allianz MTV Stuttgart zu begleiten. Gestern traten die Volleyballdamen des USC Münster in der mit ca. 2000 Zuschauern fast ausverkauften Scharr-Arena zum Bundesligaduell gegen das Team aus Stuttgart an. USC Münster – seit Jahrzehnten ein Spitzenteam im deutschen Volleyball – konnte ich schon während meines Studiums in Westfalen bewundern. Und die Damen der Allianz MTV Stuttgart haben sich in den letzten 10 Jahren auch in der Volleyball-Spitze etabliert. Also – beste Voraussetzungen für ein spannendes Spiel. Schon während der S-Bahnfahrt wurde ich auf die Begegnung eingestimmt, über die besonderen Fähigkeiten der einzelnen Stuttgarter Spielerinnen aufgeklärt sowie über die Stärken des gegnerischen Teams aus Münster. In der relativ neuen Sporthalle unter den Rängen des Stuttgarter Fußballstadions herrschte schon beim Warmmachen der Spielerinnen beider Teams eine gute Atmosphäre. Alles lief recht familiär und entspannt ab. Man kennt sich unter den Zuschauern, und auch die Profi-Spielerinnen und Teambetreuer untereinander von vielen Begegnungen. Anders als beim Fußball, wo …

Radeln entlang der Filderbahn

Die Filderebene hat sich in letzter Zeit zu meinem bevorzugten Radrevier entwickelt. Trotz Autobahn, Flughafen und großer Siedlungsdichte kann man auf den Fildern immer noch schöne Ausflüge mit dem Rad unternehmen. Eine beliebte Route nutzt teilweise die Trasse der alten Filderbahn, die heute zumeist als kombinierter Rad-/und Fußweg ausgewiesen ist. Es ist zwar nicht die schönste Strecke auf den Fildern, aber sie verbindet in Ost-West-Richtung alle wichtigen Städte und Gemeinden. Deshalb würde sich diese Route aus meiner Sicht auch zum Ausbau als Radschnellweg eignen, der sich mit anderen Radwegen gut verbinden ließe und so den starken Individualverkehr auf den Fildern entlasten könnte. Dazu müssten einige Stellen mit unklarer Wegeführung natürlich verbessert und Kreuzungen mit Autos entschärft werden. Am Wege liegen auch bedeutsame Orte der Erinnerung: Kurz hinter Echterdingen befindet sich unweit des Radwegs der Zeppelinstein zur Erinnerung an das Zeppelinunglück vom 5. August 1908. An jenem Tag landete dort eines der ersten Luftschiffe nach einem Motorschaden. Ein Riesenspektakel für die Bevölkerung. Dann wurde es zum Entsetzen der vielen Zuschauer bei einem Gewittersturm aus der Verankerung …

Zusammen wohnen und leben

Das Vitra Design Museum in Weil im Rhein überrascht immer wieder mit spannenden Ausstellungen über interessante Entwicklungen in Design und Architektur. Mit der Schau „Together – Die neue Architektur der Gemeinschaft“ werden nun aktuelle Konzepte des gemeinschaftlichen Wohnens aufgegriffen, aber auch die historischen Vorläufer aus dem 19. und 20. Jahrhundert plakativ dargestellt. Die Ausstellung im futuristischen Museumsgebäude ist auf den ersten Blick etwas verwirrend. Ich betrat zunächst einen mit Hartz IV-Selbstbau-Möbeln („Berliner Hocker“ und dem „24 euro chair“ des Berliner Designers Van Bo Le-Mentzel ) eingerichteten Wohnraum. Im wandhohen Bücherregal fand ich zum Thema passende Literatur, so dass ich mich dort gleich mal zum Schmökern niederließ. Dieser Raum gehört zu einer in die Ausstellung integrierten sog. Clusterwohnung mit kleinen Funktionseinheiten (Bad,Küche,Schlafraum) und großem Gemeinschaftsbereich, um den Wohnalltag mit anderen Menschen teilen zu können. Der Trend zurück in die Städte, die horrend hohen Immobilienpreise und der gesellschaftliche Wertewandel befördern die Idee einer Ökonomie des Teilens im Wohnungsbau und in der Stadtentwicklung. Die Menschen erobern sich den öffentlichen Raum in den Städten zurück und machen ihn zum …

Erinnerung an Gerda Taro

Zum 80.Todestag der in Stuttgart geborenen und aufgewachsenen Fotografin Gerda Taro fand sich heute Abend an dem nach ihr benannten kleinen Platz am Olgaeck in Stuttgart eine recht große Schar engagierter Bürger ein, um der im Spanischen Bürgerkrieg auf tragische Weise zu Tode gekommenen Mitbürgerin zu gedenken. Von Stefan Hiss mit seinem Akkordeon einfühlsam musikalisch eingeführt, erzählte Joe Bauer die Geschichte, wie er im fernen New York die bis dahin in Deutschland völlig in Vergessenheit geratene Stuttgarter Fotografin Gerda Taro entdeckte, über ihre Biografin Irme Schaber diese Spur aufnahm, und sich mit ihr gemeinsam für einen Ort des Gedenkens in Stuttgart einsetzte. Wieder mal hatte er Bedeutsames über Stuttgart fern der Heimat gelernt – „wo denn sonst!“ , wie er zum Schluß süffisant anmerkte. Das fotografische Werk Gerda Taros  wurde im Rahmen einer großen Retrospektive des Kunstmuseums Stuttgart  2010 erstmals in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und die Künstlerin damit auch in Stuttgart bekannt. Der Gerda-Taro-Platz und die kleine Grünanlage ist dann 2014 nach langem Hin und Her zwischen Verwaltung und Gremien mit Stehlen aus …

Parklets für Stuttgart

Was tut sich da in Stuttgart, meiner Stadt? Entgegen des Trends zur Umwandlung von kostenlosen öffentlichen Parkflächen in kostenpflichtige Parkplätze, sollen jetzt einige der knappen Parkflächen für Autos gesperrt und den Bürgern für andere Nutzung gebührenfrei zur Verfügung gestellt werden. Darf man das? Geht das überhaupt? Im Rahmen eines Real-Experiments auf jeden Fall. Recht ungewöhnlich, teilweise sehr speziell, doch allemal auf sehr sympathische Art und Weise wurden in den letzten Tagen an ein paar Stellen der Stadt Parkflächen mit einfachen Mitteln in Räume zum Verweilen für die Bürger umgestaltet. Bei der Schaffung dieser sog. Parklets werden die von Privatautos besetzten öffentlichen Flächen wieder den Menschen zugänglich gemacht. In Stuttgart geschieht dies im Rahmen eines von der Universität gemeinsam mit verschiedenen Bürgergruppen ins Leben gerufenen und vom Land Baden-Württemberg unterstützten Reallabors für Nachhaltige Entwicklung. Die Parklets sind dabei eines von insgesamt sechs unterschiedlichen Projekten der Mobilitätskultur. Bei einer Radrundfahrt wurden die Parklets gestern offiziell vorgestellt. Außer den Dozenten und Studenten des verantwortlichen Teams vom Institut für Städtebau der Universität Stuttgart sind auch einige interessierte Bürger gekommen, …

Fahrräder stinken nicht

Wie in vielen Städten kämpfen auch in Stuttgart Radfahrer seit Jahrzehnten für eine fahrradfreundliche und umweltgerechte Verkehrsplanung. Lange vor der critical mass gab es in Stuttgart schon Fahrraddemonstrationen. Gerade aus der Fahrradcity Münster in Westfalen zurück nach Stuttgart kommend, habe  ich im Sommer 1983 mit meinem Hollandrad natürlich auch gleich bei der Stuttgarter Fahrraddemonstration mitgemacht. Wie bei der monatlichen critical mass heute, war es damals schon ein buntes Völkchen, das sich im Fahrradcorso durch die Stuttgarter Innenstadt bewegte, mit viel Spaß auf die Vorteile der Fahrradnutzung verwies und zeigte, dass man auch hier Fahrrad fahren kann. Leider hat sich in den vergangenen Jahrzehnten an der autogerechten Verkehrsplanung in Stuttgart nur sehr wenig geändert. Gut, es gibt ein paar Radwege mehr, auch eine Fahrradstraße, die als solche aber noch kaum akzeptiert wird, einige nicht immer sinnvoll ausgeschilderte Radwegführungen durch die Stadt, aber ansonsten dominiert das Auto nach wie vor. Stuttgart ist heute eine der dreckigsten Großstädte Deutschlands, der kilometerlange Autostau auf den Straßen allgegenwärtig und die Luft gefährlich abgas-und feinstaubbelastet. Die Fahrradfahrer werden aber immer mehr. Radfahren ist heute …

Ökomobilität- Nachbarschaft in Bewegung

Eine kleine Schar interessierter Zuhörer lauscht gespannt auf die erstaunlichen Geschichten, die Dr. Konrad Otto-Zimmerman aus Südkorea und Südafrika zum Kolloquium des Instituts für Städtebau an der Universität Stuttgart mitgebracht hat. Auf sehr sympathische Art und mit beeindruckenden Bildern konnte der Referent in seinem Vortrag über „Ecomobility World Festivals als Instrument der Stadtentwicklung – Zukunft heute!“ ein wenig von der Lebendigkeit dieser einzigartigen urbanen Experimente in Suwon/Südkorea und Johannesburg/Südafrika in den nüchternen Seminarraum des Stuttgarter Uni-Hochhauses an der Keplerstrasse übertragen. Konrad Otto-Zimmermanna, der Kreativ Direktor der Urban Idea GmbH aus Freiburg, verfügt über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von lebenswerten städtischen Umwelten. Schon in den 70iger Jahren war er beim Umweltministerium verantwortlich für das Bundesmodellprojekt „Fahrradfreundliche Stadt“. Als Generalsekretär von ICLEI, einem weltweitem Verband von Kommunen, die sich der Umsetzung nachhaltiger Entwicklung in besonderer Weise verpflichtet haben, hat Konrad Otto-Zimmermann später weltweit Kommunen bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten beraten und unterstützt. Bei „Urban Idea“ schließlich entwarf er mit einem jungen Team die Idee der „Ökomobilitäts Festivals“. Dabei wird in einem normalen Stadtquartier ein Monat …

Foro Mundial de la Bicicleta

Radfahrer aller Länder trafen sich in Santiago de Chile zum 5.Foro Mundial de la Bicicleta (Weltfahrradforum). Der Ort für die Auftaktveranstaltung war bewusst gewählt – direkt vor dem Museum der Erinnerung und der Menschenrechte. Denn es ging auch hier ganz grundsätzlich um die Rechte des Menschen, nämlich um nichts Geringeres als die Rückeroberung des öffentlichen Raums in den Städten der Welt durch ihre Bürger. Nachdem in Brasilien im Jahr 2011 ein Autofahrer absichtlich in eine Radfahrerguppe gefahren ist und dafür nicht einmal belangt wurde, haben die brasilianischen Radfahrer 2012 zum ersten Foro Mundial de la Bicicleta in Porto Alegre aufgerufen, um sich für die Rechte und Interessen von Radfahrern und Fußgängern einzusetzen. Nach weiteren Treffen in Brasilien – 2013 in Porto Alegre und 2014 in Curitiba – fand das 4. Forum 2015 in Medellin/Kolumbien statt. Was waren nun die Ziele in diesem Jahr in Chile? Generell geht es dem Bündnis der chilenischer Radaktivisten darum, dass engagierte Bürger aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, um Fragen des Radfahrens, intelligenter zukunftsfähiger Mobilitätssysteme, sowie der nachhaltigen Einbeziehung und Nutzung der …