Alle Artikel in: Gesellschaft

Bürger beteiligen – ganz einfach!

Auf dem zentralen Plaza Victoria in Valparaiso/Chile steht ein Stand mit Sonnendach – darunter auf einem großen Tisch ein aus Wellpappe geformtes, maßstabsgetreues Stadtmodell von Valparaiso – Pladeco Valparaiso 2016 – 2012 Was Pladeco ist, wird auch gleich auf einem Plakat erklärt. Es geht um den Stadtenwicklungsplan für die nächsten 8 Jahre. Mit dieser Aktion sollen die Bürger, und vor allem auch Studenten und junge Leute die Gelegenheit bekommen, die Probleme in ihrer Stadt zu benennen und ihre Meinungen und Träume zur Stadtenwicklung zum Ausdruck  bringen. Es liegen farbige kleine Markierungsstreifen, Stifte und Stecknadeln bereit. Die Farben stehen für 6 verschieden Themenbereiche: (Öffentlicher)Nahverkehr, Stadtentwicklung. Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur und öffentlicher Raum, Sport, Kultur und Weltkulturerbe, Dienstleistungen. Das Thema, das angegangen werden soll, kann auf dem  Merkierungsstreifen noch stichwortartig mit einer Frage, dem Prroblem konkretisiert werden, um es dann genau dort auf dem Stadtmodell anzupinnen, wo das Problem lokalisiert wird. An einem separaten Tisch Blätter zum Erläutern oder Ergänzen der Meinungen oder Anregungen. In der kurzen Zeit meiner Anwesenheit registriere ich, dass sich die Leute gerne einbringen …

Die Dichterin der Armen

Bei meinem Freiwilligendienst mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich dieses Buch über die Menschen am Rande der Gesellschaft entdeckt, das mich sehr fasziniert: „Rostros con Rastro“ (Gesichter mit Spuren), Edition La Matriz Es enthält Fotografien, Gedichte und Hintergrundtexte über die Ärmsten im alten Hafenviertel. Im Zenrum des Barrio Puerto betreibt die katholische Kirchengemeinde La Matriz seit Jahrzehnten die Anlaufstelle und Suppenküche Comedor 421. Die Schwarz/Weiß-Fotografien des professionellen Fotografen Andrés Nicolini sind für sich schon sehr stark. Das harte Leben auf der Straße hat deutliche Spuren in den markanten Gesichtern hinterlassen und Andrés Nicolini gelingt es eindrucksvoll, mit seinen Bildern die Gesichter zum Sprechen zu bringen. Sie erzählen vom Leben im Schatten, von Armut, Hunger, Schmerz und Einsamkeit. Noch mehr haben mich aber die ergänzenden kleinen Verse berührt. Auch wenn mir manch sprachliche Feinheit der spanischen Gedichte (noch) verschlossen bleibt. Die Melodie der Verse und die einfühlsamen Worte haben mich sofort gefangen genommen. Was ist das wohl für eine Frau, die dies schreibt? Mariposa Mariposa, mariposa regáleme destellos de colores para pintar tu lindo pelo Y …

Das Leben auf der Straße

Als ich im letzten November in Madrid war, wohnte ich am zentral gelegenen Plaza Empajadores. Erstaunlich für mich war, wie sichtbar und scheinbar ganz normal doch Obdachlosigkeit hier heute wieder ist. Am Abend breiten die Obdachlosen ihre Pappkartons als Schlafstatt in Hauseingängen, am Straßenrand oder in Parks aus, verbringen so die Nacht, um am Morgen ihre wenigen Habseligkeiten wieder zusammen zu raffen und sich irgendwo in der Stadt ein paar Euros für das Essen zu verdienen. Menschen ohne Wohnung gibt es auch im wohlhabenden Deutschland. Wie viele dies sind, wissen wir nicht. Es gibt keine bundesweite Datenerhebung. Das ist schon erstaunlich, wo heute doch fast alles statistisch erfassst wird. Nur einige Bundesländer erheben die Zahlen der Wohnungslosen, u.a. Baden-Württemberg. Nach einer aktuellen Studie des Sozialministeriums Baden-Württembergs gibt es auch hier immer mehr Wohnungslose. Die Ursachen sind sehr komplex, aber die Schere zwischen Armen und Reichen geht weiter auseinander in der globalisierten Welt. Nun bin ich in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso und leiste in einer Obdachloseneinrichtung von Hogar de Cristo, dem größten Soialwerk Chiles, ein wenig …

Keine Gewalt gegen Frauen

Bei meinem Aufenthalt in Madrid bin ich heute Zeuge einer beeindruckenden Großdemonstration geworden und habe mich spontan dem bunten Protestzug angeschlossen. Tausende von DemonstrantInnen traten am 7. November in ganz Spanien mit großen Protestmärschen gegen jede Art häuslicher Gewalt ein. An der größten Demonstration in Madrid beteiligten sich über 20 000 Menschen aus allen Landesteilen. In Spanien hat sich die Gewalt an Frauen im Zuge der Wirtschaftskrise weiter verschärft, da die wirtschaftliche Abhängigkeit in den Familien die Trennung vom gewalttätigen Partner für viele Frauen noch schwerer macht. Allein in diesem Jahr sind in Spanien bereits über 50 Todesfälle häuslicher Gewalt zu beklagen. Und obwohl bereits seit einigen Jahren ein besonderes Gesetz verlangt, dass die Strafverfolgung bei häuslicher Gewalt strenger gehandhabt werden muss, konnte die Gewalt gegen Frauen nur schwer eingedämmt werden. Mit unzähligen spanischen Organisationen, Gruppierungen und Parteien jedweder Couleur riefen auch die Bürgermeisterinnen von Madrid, Manuela Carmena und ihre Kollegin Ada Calau aus Barcelona zu dem landesweitem Protest auf. Sie alle setzen sich für eine Kultur des gewaltfreien Zusammenlebens der Geschlechter ein und fordern …

Wasser ist Leben

Fast jeden Tag fahre ich an einem modernen Verwaltungsgebäude nahe der Autobahnauffahrt Stuttgart-Vaihingen vorbei, das sich in großen Lettern als „Bodenseewasserversorgung“ zu erkennen gibt. So auch letzten Sonntag am „Tag des Wassers“. Wie selbstverständlich verfügen wir hier über sauberes Trinkwasser im Überfluss, während die Menschen in vielen Teilen der Erde Tag für Tag darum kämpfen müssen. Im Alltag verschwenden wir in den reichen Ländern diese kostbare Ressource allzu unbedacht für allerlei „Unfug“ und nutzen Sie nur zum geringsten Teil als Trinkwasser. Die Versorgung mit ausreichend sauberem Wasser ist aber eine der größten Herausforderungen überhaupt. Daran soll der Internationale Tag des Wassers erinnern. Vor über 20 Jahren hat die UN auf dem Umweltgipfel in Rio den 22.März als Tag des Wassers ins Leben gerufen, um das Menschenrecht auf Wasser einzuklagen, und auf die Bedeutung der Ressource Wasser hinzuweisen. In der Region Stuttgart kommt das Trinkwasser in bester Qualität seit fast 60 Jahren aus dem Bodensee. Für das Trinkwasser von 4 Millionen Menschen im Südwesten sorgt der Zweckverband Bodenseewasserversorgung, der auf seiner Homepage über alles Wissenswerte bei …

Vertrauen in die Zukunft – SOS Kinderdorf Tenerifa

Ein großes Glück ist es, dem Winter entfliehen zu können und auf Teneriffa Frühlingsluft zu schnuppern. Die Sonne lässt sich zwar noch nicht jeden Tag blicken, aber die Temperaturen sind angenehm, die Pflanzenwelten und Landschaften in dieser Vielfalt phantastisch. Aber auch in dieser Urlaubsidylle auf den Inseln des ewigen Frühlings zeigen sich die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise des Landes. Im Alltag lassen es sich die Menschen kaum anmerken. Sie leben ihr Leben weiter, sind zu den Gästen freundlich und feiern wie gewohnt ihre tollen Feste, zuletzt den Karneval mit bunten Umzügen in den Städten Santa Cruz und Puerto de la Cruz. Im SOS Kinderdorf Tenerifa und seinen Sozialzentren spüren die Mitarbeiter jedoch mehr denn je die Arbeitslosigkeit und große Not in vielen Familien. Bei unserem kurzen Besuch beeindrucken uns vom ersten Moment die große Herzlichkeit und emotionale Kraft im Umgang mit den Kindern, Jugendlichen und Familien, die geradezu ansteckt. Hier stehen anspruchsvolle Werte nicht nur auf dem Papier, sondern werden intensiv gelebt. Offenheit, Respekt und Veranwortung prägen das Miteinander und vermitteln Zutrauen in die eigenen …

Gegen das Vergessen

Heute vor genau 100 Jahren, am 19.02.1915 schrieb der junge Soldat Hans Schwengler aus dem Schützengraben in Frankreich: Liebes Fräulein Johanna! …sollte mich Gottes Hand beschützen und ich gesund aus dem Krieg zurückkehren; so werde ich mich persönlich bei Ihnen vorstellen und meinen Dank aussprechen…für ihre Liebesgaben. Nun etwas aus dem Kriege – Von vorgestern mittag 11 Uhr bis gestern Abend schossen die Franzosen unaufhörlich mit Granaten zu unseren Unterständen und in die Schützengräben, dass wir nicht mehr wussten wo hin, denn wir Infanteristen sind gerade machtlos gegen die Artillerie……. Liebe Johanna, wir sitzen gerade so fröhlich im Unterstand als der Befehl kommt, Gefechts bereit machen, denn die Franzosen wollen wieder angreifen. So müssen wir uns denn in unser Schicksal begeben und der Dinge abwarten, die da kommen. Fortsetzung folgt! ….. Ungefähr 4 Stunden hat das Schießen gedauert, als es plötzlich aufhörte. Ich ging im Schützengraben nachschauen und erfuhr durch meine Kameraden, dass nun 6 von der 7.Kompanie und 9 von der 6. Kompanie verwundet waren und wir 2 Tote von der 6. Kompanie hatten. …

It`s vegan, baby

Im letzten Jahr hatte ich bei der Photo 14 Zürich an einem Stand sehr leckere, kreative vegane Snacks genossen. Ich war ganz begeistert über die gute Kost der beiden netten Schwestern, die seit einiger Zeit mit Elle`n Belle in Zürich ein veganes Catering betreiben und auch vegane Kochkurse anbieten. Bei der Photo 15 Zürich schaute ich mich letzte Woche in den Maag Hallen vergeblich nach Elle`n Belle um. Ich erfuhr dann, dass sie vor wenigen Monaten in der Züricher Limmatstrasse 118 ein Restaurant eröffnet hatten, und damit so gut ausgelastet sind, dass sie das Catering bei einer solch großen Veranstaltung nicht auch noch übernehmen konnten. Da ihr Restaurant ohnehin auf dem Weg zum Bahnhof liegt, bin ich auf dem Rückweg dort gleich eingekehrt und habe mich ein wenig umgeschaut. Wieder war ich sehr angetan. Nicht nur vom schmackhaften gesunden Essen, dem guten Service und dem freundlichen Personal, auch von