Alle Artikel in: Kultur

Kulturinsel entdecken

Noch befindet sich die Kulturinsel Stuttgart auf dem riesigen Areal des zukünftigen neuen Stadtteils Neckarpark ziemlich im Abseits. Doch am Tag der Offenen Tür diese Woche fanden sehr viele Besucher den Weg auf das ehemalige Gelände des alten Güterbahnhofs in Cannstatt. Ein buntes Programm, das da geboten wurde – viele spannende soziale und kulturelle Projekte und Initiativen, mit denen die Kulturinsel „die Welt ein bisschen schöner zu machen“ will. Ein ambitioniertes, aber realistisches Ziel! Als wir gegen Mittag das Gelände betraten, haben uns gleich die Bienen von summtgart angelockt, dem Bildungs-und Forschungsinstitut für ökologische und wesensgemäße Imkerei. Wir konnten verschiedene Honigsorten kosten, uns beim sachkundigen Imker ein paar wichtige Informationen über die Bienen abholen und einen vorsichtigen Blick in die Arbeit-und Wohnstätten der fleissigen Bienen werfen. Dann sind wir auch schon im Inselgrün, dem kleinen Stadtgarten auf dem Gelände, der für alle interessierten Hobbygärtner offen steht und von diesen auch beackert wird. Stände mit Streuobstwiesen-Apfelsaft aus dem benachbarten Remstal und Erdbeeren aus der Region flankieren den kurzen Weg in den Biergarten. Hier wird allerlei für …

Sensation in Marbach vorgestellt

Zum Abschluss der Schillerwoche öffnen die beiden Marbacher Literaturmuseen wieder ihre Türen in die Welt der Literatur. Da ist die Seele des Archivs mit seinen Unmengen an Exponaten, die Literatur und die Entstehung von Literatur den Bücherfreunden begreifbar machen. Das vielfältige Tagesprogramm mit allerlei Führungen und Vorträgen in den Literaturtempeln bot mit einer spannenden Unterhaltung über Ruth Landshoff-Yorck gleich zu Beginn ein Highlight an, für den sich der Ausflug zur Marbacher Schillerhöhe an diesem sonnigen Herbsttag bereits gelohnt hat. Die Basis des Gesprächs war ein erst vor kurzem in Marbach eingetroffener Dachbodenfund aus Amerika mit Briefen, Manuskripten und Fotos aus dem Nachlass der schillernden Bohème-Lady. Jan Bürger und Heike Gfrereis vom Literaturarchiv und der Schriftsteller Thomas Meinecke nahmen die Zuhörer mit auf eine aufregende Zeitreise und ließen sie teilhaben am Stöbern in dem neu erworbenen Nachlass und an den literarisch und künstlerisch hochinteressanten Entdeckungen. Stück für Stück flochten sie mit kleinen Anekdoten und allerlei Hintergrundinformationen ein Netz von Querbezügen zu anderen Künstlern und deren Nachlässen aus dem Marbacher Archiv, so dass von Ruth Landshoff-Yorck und …

Denkmäler – spannende Orte

Heute – am Tag des offenen Denkmals haben wir uns mit dem Rad auf den Weg gemacht, um in Stuttgart – unserer Stadt – Orte zu besuchen, die uns bislang gänzlich unbekannt waren. Bei den vielen Angeboten an diesem Tag mussten wir uns natürlich beschränken und haben drei Orte ausgewählt, die unterschiedlicher nicht sein können. Am Morgen sind wir zunächst zum Uni-Campus in Vaihingen gefahren, um das dort etwas versteckt gelegene ILEK – Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren anzuschauen. Ein Teil des Instituts befindet sich in einem außergewöhnlichen Gebäude – dem berühmten Zeltbau, der einst zur Erprobung der Konstruktion des Deutschen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal erstellt wurde. Das ILEK Gebäude mit der Zeltdachkonstruktion am Pfaffenwaldring 14 gilt inzwischen als Architektur-Ikone und erinnert ein wenig an ein Indianer-Zelt. In einem kleinen Vortrag wurden für die Besucher die Besonderheiten der Konstruktion und die Herausforderungen an die Materialien erläutert, wie auch die Veränderungen und Verbesserungen, die im Laufe der Jahre bei Renovierungsarbeiten erfolgt sind, ohne das Architekturdenkmal in seiner Substanz zu gefährden. Die hier …

Parklets für Stuttgart

Was tut sich da in Stuttgart, meiner Stadt? Entgegen des Trends zur Umwandlung von kostenlosen öffentlichen Parkflächen in kostenpflichtige Parkplätze, sollen jetzt einige der knappen Parkflächen für Autos gesperrt und den Bürgern für andere Nutzung gebührenfrei zur Verfügung gestellt werden. Darf man das? Geht das überhaupt? Im Rahmen eines Real-Experiments auf jeden Fall. Recht ungewöhnlich, teilweise sehr speziell, doch allemal auf sehr sympathische Art und Weise wurden in den letzten Tagen an ein paar Stellen der Stadt Parkflächen mit einfachen Mitteln in Räume zum Verweilen für die Bürger umgestaltet. Bei der Schaffung dieser sog. Parklets werden die von Privatautos besetzten öffentlichen Flächen wieder den Menschen zugänglich gemacht. In Stuttgart geschieht dies im Rahmen eines von der Universität gemeinsam mit verschiedenen Bürgergruppen ins Leben gerufenen und vom Land Baden-Württemberg unterstützten Reallabors für Nachhaltige Entwicklung. Die Parklets sind dabei eines von insgesamt sechs unterschiedlichen Projekten der Mobilitätskultur. Bei einer Radrundfahrt wurden die Parklets gestern offiziell vorgestellt. Außer den Dozenten und Studenten des verantwortlichen Teams vom Institut für Städtebau der Universität Stuttgart sind auch einige interessierte Bürger gekommen, …

Bibliotheken – mehr als Bücher

Das wunderschöne alte Gebäude am Plaza Simón Bolíva, ganz zentral gelegen in der Weltkulturerbe Stadt Valparaíso/Chile, beherbigt die Stadtbücherei Santiago Severin. Eine Bücherei, die Geschichte atmet, sich aber heute als moderne aufgeschlossene Kultureinrichtung zeigt. Neben dem umfassenden Buch- und Zeitschriftenbestand und den Computerarbeitsplätzen wird den Porteños, wie sich die Leute der alten chilenischen Hafenstadt nennen, hier mit Lesungen, Konzerten und Ausstellungene ein breites kulturelles Angebot bereit gestellt. Da trifft genau das zu, was in einer Werbekampagne als Botschaft vermittelt wird: „Bibliotheken sind mehr als Bücher“ Ich habe sehr gerne den Leseraum genutzt, um hier in Ruhe zu schmökern und Spanisch zu lernen. Vermisst habe ich nur ein Bistro oder Café im Haus. Um einen Kaffee zu trinken muss man das Bibliotheksgebäude verlassen und direkt an der Straßenecke gegenüber im gemütlichen „Puro Café“ einkehren. Manchmal blieb ich dort hängen, habe die Leute betrachtet und studiert und dabei die Rückkehr in den Lesesaal vergessen. Nun gut, ich bin ja schliesslich hier, um Land und Leute kennen zu lernen und das nicht nur über Bücher.

Hostal Marisol – Zuhause in Chile

Für die Dauer meines Chile-Aufenthalts von etwa 2 Monaten wollte ich sehr gerne in einer Familie wohnen, um mehr von der Alltagskultur des Landes mitzubekommen, und auch um täglich Spanisch zu üben. Nun habe ich mit der Familie Salinas in Valparaíso, die mir die Agentur ChileInside vermittelte, ausgesprochenes Glück. Vom ersten Tag an wurde ich herzlich willkommen geheißen , und alle geben mir hier das Gefühl, dass ich ganz selbstverständlich zur Familie gehöre, obwohl ich als Rentner hier schon eine Ausnahme bin. Eigentlich betreibt die Familie ein Hostal, das aber nicht anonym als Gästehaus geführt wird, sondern wie eine Großfamilie in einem Mehrgenerationenhaus. Außer den Gastgebern, Marisol und ihrem Mann Mario wohnen noch die erwachsene Tochter und der studierende Sohn sowie die Großmutter im Haus, Ach ja,  zwei ruhige Katzen und der kleine verspielte junge Hund gehören auch noch dazu. Dann kommen als weitere Mitbewohner derzeit noch 8 StudentenInnen hinzu, die in den zwei geräumigen Gebäuden bequem Platz finden. In den Semesterferien waren nur die 3 amerikanischen Austauschstudentinnen da, während die Chilenen bei ihren Eltern …

Container-Hotel

Als ich das erste Mal in der wilden Natur der Westfjorde auf Island eine Hotelanlage aus Containern sah, war ich etwas irritiert, wenn nicht gar schockiert. Wie kann man diese Allerweltstransportkisten nur in diese phantastische Landschaft stellen? Es war eine lieblose Aneinanderreihung von weißen Baucontainern – ohne besondere gestalterische Elemente, rein funktional in die Landschaft platziert. Bei weiterer Überlegung fand ich diese Idee gar nicht schlecht und nach der intensiveren Beschäftigung mit Containerbauten – einem weltweiten Trend innovativer Architekten und Bauherren – fasziniert mich die Idee, die industriell gefertigten, weltweit eingesetzten, stabilen und genormten Container für (Wohn-)bauten zu nutzen. Während meines Aufenthalts in Valparaíso/Chile entdecke ich hier auf dem Cerro Mariposa gleich in der Nachbarschaft nun ein solches Containerhotel-Bauprojekt. Mein erster Eindruck ist recht positiv. Hier, wo der Containerhafen die Stadt mit prägt, ist dieses Projekr hier wohl doch am richtigen Platz. Zudem wird diese Region öfters von Erdbeben heimgesucht. Auch aus diesem Grund machen stabile Container als Bauelemente Sinn. Ein aus Neuseeland stammender und in Chile recht erfolgreicher Weinbauer hat die Idee mit dem …

Cafés in Valparaíso

Gerne verweile ich allein im Café. Ich mag es, die Zeitung zu lesen, den Leuten zuzuschauen, und natürlich genieße ich immer auch einen guten Kaffee, leckeren Kuchen, und gelegentlich auch eine kleine herzhafte Mahlzeit. Oft spüre ich schon beim ersten Besuch, ob ich die Atmosphäre in dem Café mag oder nicht. Woran es liegt, weiß ich oft gar nicht. Es muss nichts Besonderes sein. Meist sind es nur Kleingleiten, die den Ausschlag geben. Eine nette Einrichtungsidee, freundliche Bedieung, und klar – natürlich auch die Qualität des Kaffees. Musik muss nicht, darf aber sein, sie sollte jedoch nicht dominieren. Das Licht mag eine Rolle spielen,… Was auf jeden Fall sein sollte, ist der Blick auf die Straße, im Sommer auch gerne der Sitzplatz draußen. Zwar möchte ich mich für den Kaffegenuss aus der Stadt etwas zurückziehen, andererseits auch noch am streetlife teilnehmen. Den Cafébesuch in einer fremden Stadt mag ich besonders gern. So glaube ich mich gut einzufühlen in die urbane Kultur jener Stadt. Hier meine ich ihre Schwingungen am besten aufzunehmen. Zwar verfügt Chile nicht …