Alle Artikel in: Kunst

Utopie mit Fisch

Vor dem Eintritt ins Theater La Lune wurden die Besucher mit einem Polaroid-Selbstbildnis in die Ideenwelt von „Utopie mit Fisch“ eingeladen – und im Theater doppelstimmig herzlich willkommen geheißen. Zum Aperitif und zur Einstimmung dann Gedanken über Utopie von Menschen aus dem Umfeld, einem Philosophen und von Julianna Herzberg. – Keine leichte Kost am frühen Abend! Die Rebellion in der Küchenhölle war durch das erotisch gefärbte Spiel da schon leichter verdaulich. Nur eine winzige, steile Treppe höher, der Versuch, den vorgegebenen engen Rahmen zu sprengen, um für ein selbstbestimmtes (Künstler-)Leben zu kämpfen. Der rote Faden führte die Besucher auf die Straße hinaus und wieder ins Theater zurück. Verwirrend und verwickelt wurde an diesem Abend jeder zur Verfügung stehende Quadratmeter des kleinen Theaters im Stuttgarter Osten bespielt und in das Stück mit einbezogen. Videoinstallationen von Roxana Naranjo, sowie Klavier- und Akkordeondarbietungen von Markus Ege unterstützten und begleiteten die anspruchsvolle multimediale Collage von Petra Weimer (Regie) und Julianna Herzberg (Projektleitung). Im Spiel hielt sich Petra Weimer eher zurück und überließ Julianna Herzberg die stärksten Szenen, die sie …

Kunst im 3eck – Nr.2

Zum 2. Mal öffneten am Samstag die Künstlerinnen Ingrid Schwarz (Malerei) und Petra Steidel Wokeck (Fotografie), sowie die Adolf Hölzel Stiftung ihre Türen in Stuttgart-Degerloch. „Kunst im 3eck“ traf auch dieses Mal wieder auf großes Echo bei den kunstinteressierten Bürgern. Die Versöhnungskirche – in diesem Jahr erstmalig beteiligt – war zum Auftakt jedenfalls sehr gut besucht. Nach Einführung und Vorstellung der Beteiligten, ein virtuos vorgetragenes kleines Violinkonzert von Ulrike Stortz, und schließlich ein spannender Beitrag über das beeindruckende Künstlerleben der von den Nazis ermordeten Hölzel Schülerin und lange in der Degerlocher Nachbarschaft wirkenden Malerin Maria Lemmé. Leider setzte wie im Vorjahr wieder starker Regen ein, so dass das Flanieren zwischen den Atelier-Standorten Ahornstraße, Löwenstraße und Roßhaustraße keine große Freude bereitete. Auch der zur Unterstützung eingesetzte Fahrradrikscha-Shuttleservice machte bei Regen weniger Spaß. Es war dennoch eine rundum gelungene Veranstaltung der Degerlocher Künstlerinnengruppe, der bei weiterer Fortsetzung auch einmal besseres Wetter zu wünschen ist.

Skulpturen Münster

Seit dem ersten großen Münsteraner Skulpturen Projekt im Jahr 1977, das damals sowohl unter den Konservativen wie auch bei den studentischen Linken recht umstritten war, habe ich jetzt die nur alle 10 Jahre stattfindende Ausstellung das erste Mal wieder besucht. 1977 konnte ich mit dieser Art von Kunst im öffentlichen Raum überhaupt nichts anfangen. Ich war der Meinung, das Geld sei besser für soziale Projekte angelegt. Besonders forsche, und wohl auch recht alkoholisierte Studenten wollten 1977 nach einem großen Fest in der Mensa die Kugeln von Claes Oldenburg gar in den Aasee rollen. Ein vergebliches Unterfangen! Die gut verankerte zentnerschwere Betonskulptur konnte von den Kunstbanausen nur geringfügig bewegt werden. Nicht nur mein Kunstverständnis hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, auch in Münster sind die Kritiker verstummt. Heute ist man in Münster stolz auf die Skulpturen. Etliche Kunstwerke wurden aufgekauft und entwickelten sich zu Wahrzeichen der Stadt, so auch Claes Oldenburgs „Giant Pool Balls“. Die Skulpturen haben einen hohen Stellenwert, nicht nur für den Tourismus in Münster. Auch in der internationalen Kunstwelt geniesst die Skulpturenausstellung …

Zum Museum Ritter wandern

Mit dem Rad fahren wir von Musberg aus meistens die schnelle ehemalige Bahntrasse durchs Siebenmühlental hinunter um nach Waldenbuch und dort ins Museumscafé Ritter zu kommen. Zu Fuß haben wir vor ein paar Wochen an einem herrlichen Spätsommertag einen anderen Weg gewählt. Aus dem Talgrund in Musberg ging es an der Jugendfarm zunächst steil hinauf in den Wald, wo wir den Weg geradeaus Richtung Steinenbronn wählten. In den Wipfeln rauschte kein Wind, aber ganz nah über den Baumkronen und unseren Köpfen die zur Landung auf dem Stuttgarter Flughafen ansetzenden Flieger. Das übertönte zwar alles und dennoch empfanden wir dieses Spektakel zwischen den Baumwipfeln irgendwie auch ganz unterhaltsam. Bald aber ließ der Fluglärm nach, und der Weg führte steil hinab zum Klingenbach mit seinem wilden Naturerlebnispfad und schließlich zum idyllisch gelegenen Sulzbachstausee. Von dort war es dann nur noch ein kurzes Stück hinunter ins Aichtal mit der Straße zwischen Schönaich und Waldenbuch. Diese querten wir an der Oberen Rauhmühle und kamen direkt dahinter auf den Museumsradweg, der sich über fast 40 km von Weil der Stadt bis …

WestkaiART stellt aus

Das Haus am Kelterberg in Stuttgart-Vaihingen ist Treffpunkt, Atelier und Galerie. Für den Stadtbezirk trägt es immer wieder mit spannenden Veranstaltungen zur kulturellen Vielfalt bei. Während im Erdgeschoss Vokalmusik dargeboten wurde, fanden sich in den Atelierräumen gestern Abend zahlreiche Besucher zur Ausstellungseröffnung der KünstlerInnen von WestkaiART ein. In ihrer Werkschau „Fliessgeschwindigkeiten“ zeigen Birgit Artzt, Monika Doleski, Britta Neuberger, Jo Schöffend, Ingrid Schwarz und Gerda Sczesny am Vaihinger Kelterberg noch bis zum 30.Oktober 2016 einen Ausschnitt ihres aktuellen Schaffens.

Kunst im Dreieck

Was ist denn hier los – auf der Höhe in Stuttgart-Degerloch? In der bevorzugten Wohngegend nahe der Waldau – Ecke Ahornstraße/Felix-Dahn-Straße – Dutzende von Menschen mitten auf der Straßenkreuzung – und das bei eisiger Kälte und strömenden Regen. „Kunst im 3eck“ ist auf einem Flyer zu lesen. Die Ateliers von Petra Steidel Wokeck und Ingrid Schwarz sowie die Adolf Hölzel-Stiftung öffnen ihre Türen und laden Freunde, Nachbarn und alle Kunstinteressierten erstmalig ein, Einblick in ihre Räumlichkeiten an dieser Kreuzung zu nehmen. Diese gute Idee fand am verregneten letzten Aprilwochenende regen Zuspruch, und im Laufe des Tages nutzten mehrere Hundert Menschen die Gelegenheit zum Besuch der Künstlerateliers und des ehemaligen Wohnhauses vom einstigen Stuttgarter Akademiedirektor Adolf Hölzel. In diesem Dreieck fanden die Besucher nun ganz verschiedene Ansätze des Kunstschaffens vor. Während Petra Steidel Wokeck durch ihre großformatigen farbigen Pflanzenfotografien bekannt ist, arbeitet Ingrid Schwarz vornehmlich gegenstandslos mit unterschiedlichster Mal-und Mischtechnik. Die Adolf-Hözel-Stiftung hat sich wiederum gemeinsam mit den Erben Adolf Hölzels zum Ziel gesetzt, sein ehemaliges Degerlocher Wohnhaus zu öffnen und zu einer Erinnerungsstätte an Adolf …

Pablo Neruda – Casas y Cosas

„La Sebastiana“ hoch oben auf dem Cerro Bellavista in Valparaíso, „La Isla Negra“- das Haus am Meer, und „La Chascona“ – sein Domizil in der Hauptstadt Santiago de Chile, -die Privathäuser oder besser Anwesen Pablo Nerudas sind heute Museen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von der Stiftung Pablo Neruda verwalteten Museen sind beliebte Touristenziele, nicht nur für Literaturliebhaber. Es sind weniger die vor allem in „La Chascona“ ausgestellten Exponate vom literarischen Schaffen des Nobelpreisträgers, die den Reiz eines Besuchs ausmachen, als vielmehr die Gestaltung und Einrichtung der Häuser als Gesamtkunstwerke. Alle Räume sind sehr individuell konstruiert, ja in gewisser Weise geradezu komponiert und mit feinen, seltenen Sammlerstücken aus der ganzen Welt bestückt. Spuren seines Lebens, von der Kindheit und Jugend auf dem Land, von seinen Auslandsstationen im diplomatischen Dienst Chiles, den Freundschaften mit Künstlern aus aller Welt und den Beziehungen zu seinen Frauen. Die ganze Persönlichkeit des Poeten kommt in diesen Räumen zum Ausdruck – verspielt, und das Kind im Manne bewahrt bis ins Alter. Dann die phantastischen Lagen der Anwesen: „La Sebastiana“ – …

Freie Kunstakademie Gerlingen – Tag der Offenen Tür

Ein buntes Treiben an Samstagnachmittag im Gerlinger Gewerbegebiet. Viele Kunstschaffende und Kunstfreunde fanden am 16. Januar den Weg in die Holderäckerstrasse 5 zum Tag der Offenen Tür der Freien Kunstakademie Gerlingen. Die einstige Gewerbehalle platzte schier aus allen Nähten. Im Erdgeschoss stehen die Menschen in kleinen Gruppen dicht bei einander, tauschen sich angeregt aus und bewundern die ausgestellten Kunstwerke. Auch an den vollen Biertischen lebendige Unterhaltung bei Kaffee und Kuchen. Die meisten Leute kennen sich. Für viele ist es ein Wiedersehen mit TeilnehmerInnen und Dozenten aus gemeinsamen Kursveranstaltungen. Im Obergeschoss gab es von einigen Dozenten Vorführungen diverser Themen und Techniken, die nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Kursangebote vermitteln konnten. Die Akademie hat sich in nur wenigen Jahren zu einer bemerkenswert vielfältigen Kunstschule entwickelt, die heute ein breites Spektrum abdeckt – Zeichnen, Malerei, Drucktechniken, Skulptur, usw. Als Sabina und Thomas Bleul 2011 die Räume im Gewerbegebiet bezogen hatten, verfügten sie bereits über etliche Erfahrungen mit Sommerkursen im alten Gerlinger Feuerwehrhaus. Dass die Freie Akademie eine so erfolgreiche Entwicklung nehmen würde, war damals aber …