Alle Artikel in: Kunst

Zum Museum Ritter wandern

Mit dem Rad fahren wir von Musberg aus meistens die schnelle ehemalige Bahntrasse durchs Siebenmühlental hinunter um nach Waldenbuch und dort ins Museumscafé Ritter zu kommen. Zu Fuß haben wir vor ein paar Wochen an einem herrlichen Spätsommertag einen anderen Weg gewählt. Aus dem Talgrund in Musberg ging es an der Jugendfarm zunächst steil hinauf in den Wald, wo wir den Weg geradeaus Richtung Steinenbronn wählten. In den Wipfeln rauschte kein Wind, aber ganz nah über den Baumkronen und unseren Köpfen die zur Landung auf dem Stuttgarter Flughafen ansetzenden Flieger. Das übertönte zwar alles und dennoch empfanden wir dieses Spektakel zwischen den Baumwipfeln irgendwie auch ganz unterhaltsam. Bald aber ließ der Fluglärm nach, und der Weg führte steil hinab zum Klingenbach mit seinem wilden Naturerlebnispfad und schließlich zum idyllisch gelegenen Sulzbachstausee. Von dort war es dann nur noch ein kurzes Stück hinunter ins Aichtal mit der Straße zwischen Schönaich und Waldenbuch. Diese querten wir an der Oberen Rauhmühle und kamen direkt dahinter auf den Museumsradweg, der sich über fast 40 km von Weil der Stadt bis …

WestkaiART stellt aus

Das Haus am Kelterberg in Stuttgart-Vaihingen ist Treffpunkt, Atelier und Galerie. Für den Stadtbezirk trägt es immer wieder mit spannenden Veranstaltungen zur kulturellen Vielfalt bei. Während im Erdgeschoss Vokalmusik dargeboten wurde, fanden sich in den Atelierräumen gestern Abend zahlreiche Besucher zur Ausstellungseröffnung der KünstlerInnen von WestkaiART ein. In ihrer Werkschau „Fliessgeschwindigkeiten“ zeigen Birgit Artzt, Monika Doleski, Britta Neuberger, Jo Schöffend, Ingrid Schwarz und Gerda Sczesny am Vaihinger Kelterberg noch bis zum 30.Oktober 2016 einen Ausschnitt ihres aktuellen Schaffens.

Kunst im Dreieck

Was ist denn hier los – auf der Höhe in Stuttgart-Degerloch? In der bevorzugten Wohngegend nahe der Waldau – Ecke Ahornstraße/Felix-Dahn-Straße – Dutzende von Menschen mitten auf der Straßenkreuzung – und das bei eisiger Kälte und strömenden Regen. „Kunst im 3eck“ ist auf einem Flyer zu lesen. Die Ateliers von Petra Steidel Wokeck und Ingrid Schwarz sowie die Adolf Hölzel-Stiftung öffnen ihre Türen und laden Freunde, Nachbarn und alle Kunstinteressierten erstmalig ein, Einblick in ihre Räumlichkeiten an dieser Kreuzung zu nehmen. Diese gute Idee fand am verregneten letzten Aprilwochenende regen Zuspruch, und im Laufe des Tages nutzten mehrere Hundert Menschen die Gelegenheit zum Besuch der Künstlerateliers und des ehemaligen Wohnhauses vom einstigen Stuttgarter Akademiedirektor Adolf Hölzel. In diesem Dreieck fanden die Besucher nun ganz verschiedene Ansätze des Kunstschaffens vor. Während Petra Steidel Wokeck durch ihre großformatigen farbigen Pflanzenfotografien bekannt ist, arbeitet Ingrid Schwarz vornehmlich gegenstandslos mit unterschiedlichster Mal-und Mischtechnik. Die Adolf-Hözel-Stiftung hat sich wiederum gemeinsam mit den Erben Adolf Hölzels zum Ziel gesetzt, sein ehemaliges Degerlocher Wohnhaus zu öffnen und zu einer Erinnerungsstätte an Adolf …

Pablo Neruda – Casas y Cosas

„La Sebastiana“ hoch oben auf dem Cerro Bellavista in Valparaíso, „La Isla Negra“- das Haus am Meer, und „La Chascona“ – sein Domizil in der Hauptstadt Santiago de Chile, -die Privathäuser oder besser Anwesen Pablo Nerudas sind heute Museen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von der Stiftung Pablo Neruda verwalteten Museen sind beliebte Touristenziele, nicht nur für Literaturliebhaber. Es sind weniger die vor allem in „La Chascona“ ausgestellten Exponate vom literarischen Schaffen des Nobelpreisträgers, die den Reiz eines Besuchs ausmachen, als vielmehr die Gestaltung und Einrichtung der Häuser als Gesamtkunstwerke. Alle Räume sind sehr individuell konstruiert, ja in gewisser Weise geradezu komponiert und mit feinen, seltenen Sammlerstücken aus der ganzen Welt bestückt. Spuren seines Lebens, von der Kindheit und Jugend auf dem Land, von seinen Auslandsstationen im diplomatischen Dienst Chiles, den Freundschaften mit Künstlern aus aller Welt und den Beziehungen zu seinen Frauen. Die ganze Persönlichkeit des Poeten kommt in diesen Räumen zum Ausdruck – verspielt, und das Kind im Manne bewahrt bis ins Alter. Dann die phantastischen Lagen der Anwesen: „La Sebastiana“ – …

Freie Kunstakademie Gerlingen – Tag der Offenen Tür

Ein buntes Treiben an Samstagnachmittag im Gerlinger Gewerbegebiet. Viele Kunstschaffende und Kunstfreunde fanden am 16. Januar den Weg in die Holderäckerstrasse 5 zum Tag der Offenen Tür der Freien Kunstakademie Gerlingen. Die einstige Gewerbehalle platzte schier aus allen Nähten. Im Erdgeschoss stehen die Menschen in kleinen Gruppen dicht bei einander, tauschen sich angeregt aus und bewundern die ausgestellten Kunstwerke. Auch an den vollen Biertischen lebendige Unterhaltung bei Kaffee und Kuchen. Die meisten Leute kennen sich. Für viele ist es ein Wiedersehen mit TeilnehmerInnen und Dozenten aus gemeinsamen Kursveranstaltungen. Im Obergeschoss gab es von einigen Dozenten Vorführungen diverser Themen und Techniken, die nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Kursangebote vermitteln konnten. Die Akademie hat sich in nur wenigen Jahren zu einer bemerkenswert vielfältigen Kunstschule entwickelt, die heute ein breites Spektrum abdeckt – Zeichnen, Malerei, Drucktechniken, Skulptur, usw. Als Sabina und Thomas Bleul 2011 die Räume im Gewerbegebiet bezogen hatten, verfügten sie bereits über etliche Erfahrungen mit Sommerkursen im alten Gerlinger Feuerwehrhaus. Dass die Freie Akademie eine so erfolgreiche Entwicklung nehmen würde, war damals aber …

Kunst und Schokolade – 10 Jahre Museum Ritter

Bei meinen Radausflügen und Wanderungen in den nahen Naturpark Schönbuch komme ich immer wieder auch bei RITTER SPORT in Waldenbuch vorbei. Den Blick ins Grüne vom Museums-Café habe ich bei Kaffee und Kuchen schon oft genossen, und im Schoko-Shop nebenan konnte ich einige Male auch nicht widerstehen. Im Kunstmuseum Ritter war ich bislang jedoch noch nie. Nun, zum 10 jährigen Bestehen dieses Jahr, wollte ich doch einmal auch der Kunst hier meine Aufmerksamkeit schenken und nicht nur den Köstlichkeiten drum herum. Der ansehnliche Museumsbau des Schweizer Architekten Max Dudler hinter den Fabrikations- und Verwaltungsgebäuden der Schokoladenfabrik besteht aus einem großen Quader mit einer mittigen Glasfront, die sich als Durchgang zum Naturschutzgebiet und zur Terrasse des Museumscafés weit öffnen lässt. Auch bei der umfangreichen Kunstsammlung von Frau Marli Hoppe-Ritter, der Miteigentümerin von RITTER SPORT, steht die geometrische Figur des Quadrates im Mittelpunkt. Zugegeben, ich war vor dem Besuch etwas skeptisch, denn mit geometrischer Kunst glaubte ich wenig anfangen zu können und mir schien die Verbindung vom Schoko-Marken-Slogan „Quadratisch-Praktisch-Gut“ zum Motto „Quadratisch.Praktisch.Kunst!“ ein wenig arg überstrapaziert. Insofern …

Der männliche Blick und die „Venusfalle“

Als Ergänzung und Kontrast zur aktuellen Werkschau „Ladies First“ von zeitgenössischen Arbeiten weiblicher Künstler zeigt das Schauwerk Sindelfingen mit der Sonderschau „Venusfalle“ nun auch den männlichen Blick – auf den weiblichen Körper. Das Forum im Schauwerk war zur Vernissage am Sonntagvormittag gut besucht. Die Direktorin Barbara Bergemann begrüßte die Gäste, gab kurz einen Überblick über die Exponate der Ausstellung und übergab das Wort an den Gastredner Dr.Christian Saehrendt. In Anwesenheit der Stifter Peter Schaufler und seiner Frau Christiane Schaufler-Münch umriss der renommierte Kunsthistoriker und Publizist das immerwährende und vielfach verklärte Thema vom Künstler und seinem weiblichen Modell in einer mit provozierenden Bonmots gespickten launigen Ansprache. Beim Blick ins Publikum schien mir jedoch, dass die offenen, teils recht derben Worte des Redners nicht bei allen Besucherinnen Wohlgefallen fanden. Ich empfand seine Einführung sehr erfrischend und als eine gute Hinführung für die spannende Auswahl von sehr unterschiedlichen Formensprachen und Blickwinkeln bei den gezeigten Werken. Alle Genres zeitgenössischer Kunst sind vertreten; z.B. die Fotografie mit einer Serie beeindruckender Schwarz/Weiß Akte von Robert Mapplethorpe und einem großformatigen Porträt von …

Kirche in blau

Am letzten Tag unserer Urlaubswoche in Oberschwaben wollten wir noch unbedingt die Katholische Marienkirche in der Gemeinde Baienfurt bei Weingarten besuchen. Diesen Tipp hatte uns ein paar Tage zuvor die liebenswürdige Kassiererin am Aufgang zum Blasertum im Herzen Ravensburgs gegeben. Weil am frühen Morgen nicht viel los war, und wir die Strickkunst dieser Dame bewunderten, die mit feinster Wolle fleissig wärmende Socken zaubert, kamen wir rasch ins Gespräch und erfuhren so manch wertvollen Hinweis für unseren Aufenthalt in dieser an Sehenswürdigkeiten reichen Gegend. Zuvorderst ist Oberschwaben berühmt und bekannt für seine sakralen Barockbauten. Die monumentale Basilika in Weingarten mit ihren Doppeltürmen auf dem Martinsberg zieht schon von weitem die Blicke an und ist ein Besuchermagnet der Region. Dagegen wirkt die Marienkirche in Baienfurt von außen