Alle Artikel in: Kunst

Der männliche Blick und die „Venusfalle“

Als Ergänzung und Kontrast zur aktuellen Werkschau „Ladies First“ von zeitgenössischen Arbeiten weiblicher Künstler zeigt das Schauwerk Sindelfingen mit der Sonderschau „Venusfalle“ nun auch den männlichen Blick – auf den weiblichen Körper. Das Forum im Schauwerk war zur Vernissage am Sonntagvormittag gut besucht. Die Direktorin Barbara Bergemann begrüßte die Gäste, gab kurz einen Überblick über die Exponate der Ausstellung und übergab das Wort an den Gastredner Dr.Christian Saehrendt. In Anwesenheit der Stifter Peter Schaufler und seiner Frau Christiane Schaufler-Münch umriss der renommierte Kunsthistoriker und Publizist das immerwährende und vielfach verklärte Thema vom Künstler und seinem weiblichen Modell in einer mit provozierenden Bonmots gespickten launigen Ansprache. Beim Blick ins Publikum schien mir jedoch, dass die offenen, teils recht derben Worte des Redners nicht bei allen Besucherinnen Wohlgefallen fanden. Ich empfand seine Einführung sehr erfrischend und als eine gute Hinführung für die spannende Auswahl von sehr unterschiedlichen Formensprachen und Blickwinkeln bei den gezeigten Werken. Alle Genres zeitgenössischer Kunst sind vertreten; z.B. die Fotografie mit einer Serie beeindruckender Schwarz/Weiß Akte von Robert Mapplethorpe und einem großformatigen Porträt von …

Kirche in blau

Am letzten Tag unserer Urlaubswoche in Oberschwaben wollten wir noch unbedingt die Katholische Marienkirche in der Gemeinde Baienfurt bei Weingarten besuchen. Diesen Tipp hatte uns ein paar Tage zuvor die liebenswürdige Kassiererin am Aufgang zum Blasertum im Herzen Ravensburgs gegeben. Weil am frühen Morgen nicht viel los war, und wir die Strickkunst dieser Dame bewunderten, die mit feinster Wolle fleissig wärmende Socken zaubert, kamen wir rasch ins Gespräch und erfuhren so manch wertvollen Hinweis für unseren Aufenthalt in dieser an Sehenswürdigkeiten reichen Gegend. Zuvorderst ist Oberschwaben berühmt und bekannt für seine sakralen Barockbauten. Die monumentale Basilika in Weingarten mit ihren Doppeltürmen auf dem Martinsberg zieht schon von weitem die Blicke an und ist ein Besuchermagnet der Region. Dagegen wirkt die Marienkirche in Baienfurt von außen

Vagabundierende Unruhe – Gruppe SPUR –

Im idyllischen Weinort Durbach am Oberrhein gibt es Großartiges zu entdecken. Ein Freund machte mich auf das „Museum für aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle“ aufmerksam. Als wir auf unserer badischen Museumstour schließlich Durbach erreichten, erwartete ich so etwas wie ein kleines Privatmuseum in einem umgebauten Winzerhaus. – Kaum zu glauben, was wir dann dort antrafen. Im obersten Stockwerk eines für den Ort überdimensionierten Gebäudekomplexes (ursprünglich Rehaklinik, heute Tagungs- und Wellness-Hotel) hat der Unternehmer Rüdiger Hurrle im Jahr 2010 auf 1700 qm ein grossartiges Museum eröffnet, um seine umfangreichen Sammlungen zeitgenössischer Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu Entdecken ist in Durbach moderne Kunst und auch junge Kunst, die inzwischen bereits Geschichte geschrieben hat. Aktuell würdigt das Museum die Gruppe SPUR, die mit ihren revolutionären Ansätzen die Kunstwelt in den späten 60iger aufgemischt hatte. Die Ausstellung „Vagabundierende Unruhe“ vermittelt

Light on Lightopia

„Schritt für Schritt ins Nirwana aus Licht“ (Stuttgarter Zeitung), so der Titel eines Beitrags über die Ausstellung „Lightopia“ im Vitra Design Museum, Weil am Rhein. Der Artikel erschien im Kulturteil der Stuttgarter Zeitung am 22.2.2014, genau an dem Tag, an dem ich mich ohnehin zum Museumsbesuch an den Oberrhein aufgemacht hatte. Die Ausstellung zur Technik-, Kultur- und Designgeschichte des künstlichen Lichts durchleuchtet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jener Erfindungen, die den jahrtausendealten Rhythmus von hell und dunkel und Tag und Nacht in den letzten 150 Jahren gewaltig durcheinander gewirbelt haben. Heute stehen wir erneut vor einer Revolutionierung des künstlichen Lichts. Galt noch bis vor kurzem die gute alte Glühbirne mit all ihren Weiterentwicklungen als Basisleuchtkörper jeglicher Art von künstlicher Beleuchtung, so hatten bereits neuartige Leuchtkörper das Spektrum künstlicher Belichtungsarten in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert. Und heute stehen wir mit der Einführung von LEDs und anderen Lichtträgern erneut vor einem Paradigmenwechsel der künstlichen Beleuchtung – der Digitalisierung des Lichts. Betritt man den

Martina Guse spielt und singt Zarah Leander

„Zarah – Das totale Lied“ von Peter Lund. Das kleine Theater La Lune in der Haussmannstrasse hat wieder eingeladen. Vor der Vorstellung passend zum Programm, köstliche Schwedische Lachscremesuppe. Der große deutsche Star aus Schweden hat 40.Geburtstag. Zarah Leander, eindrucksvoll verkörpert von Martina Guse, starrt auf das Telefon. Sie spricht mit dem schwarzen Apparat, beschwört und beschimpft ihn – aber keiner ruft an. Niemand nimmt ihren Geburtstag zur Kenntnis: „Alles still hier – zu still!“ – Sie leidet hörbar, sichtbar. Zarah Leander, die Diva, die

Letzte Tage – erste Tage

– so hieß am 1. Tag des neuen Jahres die Führung im Museum des Literaturarchivs Marbach. Sie zeigte den eingefundenen Literaturfreunden, wie und was die Schriftsteller in den letzten und ersten Tagen um den Jahreswechsel in ihrer Zeit alles so geschafft haben. Ob Arthur Schnitzel, Robert Musil, Alfred Döblin, Reiner Kunze, und, und und …, sehr fleißig waren sie alle. Dies kann man aber kaum allein den vielen Exponaten des Archivs entnehmen. Die Erläuterungen, Anekdoten und Textpassagen jedoch, die unsere sehr gut präparierte Begleiterin vortrug, ließen die gewaltige Produktivität der großen Literaten schon eher erahnen. Und die Hintergrundinformationen erweckten dann die bei gedämpften Licht eng in Vitrinenreihen ausgestellten Briefe, Manuskriptseiten und anderen Dokumente (Geldscheine, Briefmarken, Telegramme, Zeichnungen, Fotos und Zeitungsausschnitten) richtiggehend wieder zum Leben. So lauschten die Teilnemer gebannt Alfred Döblins lebendigem Zeitungsbericht

Lenbachhaus

Das neue Lenbachhaus in München präsentiert sich und seine wertvollen Sammlung nach umfangreichen Bauarbeiten seit Mai diesen Jahres wieder der Öffentlichkeit. Die Besucher betreten jetzt über einen Anbau mit einer Fassade in Messing vom Königsplatz aus die offene, helle Empfangshalle des Museums. Von dort gelangt man nun über Treppen in die neu angebauten Ausstellungsräume sowie in die renovierten Räume der alten dreiflügeligen Lenbachvilla mit dem wunderschönen historischen Garten. Die bekannten und neuen Sammlungen der Städtischen Galerie zeigen sich nun in modernen Arrangements: Die „Blauen Reiter“, Jugendstil und Neue Sachlichkeit, die Kunst des 19.Jahrhunderts mit den Räumen Franz von Lenbachs, Joseph Beuys als neuer Sammlungsschwerpunkt und die Kunst nach 1945. Herausragende Kunst in einem weiteren beeindruckenden Museumsbau der Kunststadt München. Link Lenbachhaus

Bloody Marry – Bluthochzeit

Gerade junge Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Handicaps, die in unserer Leistungsgesellschaft oft am Rande stehen, brauchen die öffentliche Anerkennung für ihre Fähigkeiten und Leistungen. Eine solche „Bühne des Erfolgs“ erhalten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen des internationalen, integrativen Jugendtheaterensembles der freien bühne stuttgart bei ihren Auftritten in Jugend-und Kulturzentren der Region. Gestern nun konnten die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Premiere von Bloody Marry, einem HipHop Tanz-Theaterstück nach dem Drama „Die Bluthochzeit“ von Federico Garcia Lorca ihr beachtliches Können auf der großen Bühne im Theaterhaus Stuttgart unter Beweis stellen. Lorcas Geschichte einer dramatisch endenden Hochzeit zwischen Vernunft und Tradition sowie Liebe und Leidenschaft in der traditionell-ländlichen Gesellschaft des alten Andalusiens wird hier zeitgenössisch interpretiert und mit modernen Stilmitteln eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Die Inszenierung unter der Leitung von Ismene Schell folgt der dramatischen Entwicklung der Handlung, lässt aber auch Raum für die Lebendigkeit und Lebensfreude der feiernden Menschen einer Hochzeitsgesellschaft. Schauspielerisch können die jungen Darstellerinnen und Darsteller durchaus überzeugen, insbesondere Lisa-Marie Gruber als verbitterte strenge Mutter, Jasmin Keskin als ernste Braut, …